Lenins Imperialismustheorie heute

Genozidal? Von einem imperialistischen Genozid an US-Amerikanern müsste man sprechen, wenn man Lenins Imperialismustheorie auf den Kapitalexport Deutschlands in die USA übertrüge.
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"Für den Imperialismus ist ja gerade nicht das Industrie, sondern das Finanzkapital charakteristisch."

"Für den alten Kapitalismus, mit der vollen Herrschaft der freien Konkurrenz, war der Export von Waren kennzeichnend. Für den neuesten Kapitalismus... den Export von Kapital..."

"Das Herrschaftsverbältnis und die damit verbundene Gewalt - das ist das Typische für die jüngste Entwicklung des Kapitalismus', das ist es, was aus der Bildung allmächtiger (!) wirtschaftlicher Monopole unvermeidlich hervorgehen mußte und hervorgegangen ist."

Lenin

Einige Anti-Imperialisten behaupten in Berufung auf Lenin, die USA wären ein "imperialistischer" Staat und würden Deutschland "aussagen". Verbunden wird diese Behauptung teilweise noch mit jener, die Krise sei entweder duch angloamerikanisches "Glücksrittertum" bzw. "spekulative Exzesse" verursacht wurden oder gar von bestimmten Kreisen gezielt ausgelöst wurden und mitunter: „Wer sich gegen Globalisierung stellt, der stellt sich gegen eine weltweite Entwicklung, die von einer kleinen Machtclique vorangetrieben wird“. Gesprochen wird mitunter von „Bomben aus fiktivem Kapital“, dass „in Computern generiert wurde“ und “aus finanzieller Hexerei entstanden“ sei.

Sind diese Positionen richtig?

Die (leninsche) Imperialismustheorie geht doch eigentlich gerade davon aus, dass "imperialistische" Staaten ihren "Imperialismus" vor allem betreiben, um überakkumuliertes Kapital exportieren zu können. Kapitalexport "betreiben" jedoch vor allem Volkswirtschaften, die zuviel Kapital anhäufen, z.B. durch Außenhandelsüberschüsse einerseits und Kreditvergabe andererseits, wie z.B. China und Deutschland. Demnach streiten sich Deutschland und China nicht nur um die Position des Exportweltmeisters, sondern auch um die Position des, im leninschen Sinne, "imperialistischsten Staates" auf Erden.

Die USA haben ein riesiges Außernhandelsdefizit, vor allem finanziert durch Konsumentenkredite. Demnach müsste vor allem die US-Amerikanische Bevölkerung nach Lenins Theorie ein Opfer des deutschen und chinesischen "Imperialismus'" sein:

"Wenn wir nur mal die Verflechtung des deutschen Kapitals (einschl. beispielsweise der Landesbanken) mit dem US-Kapitalmarkt genauer anschauen, ist allerdings gar nicht mehr so klar, wer hier der 'Imperialist' ist. Wenn nämlich im Rahmen der gegenwärtigen Finanzkrise amerikanische Familien von deutschen Gläubigern vor die Tür ihrer Häuser gesetzt und zwangsenteignet werden während die deutsche Exportwirtschaft jahrelang von der Nachfrage dieser Kreditnehmer profitiert hat, kann man das ganze Szenario auch genau umgekehrt verstehen.
So wird im Hamburger 'Spiegel` die Geschichte der US-Mittelschichtsfamilie Smith erzählt, die im Juli 1995 einen Hypothekenkredit aufgenommen hat, der letztlich über Kreditverbriefungen in den Händen des Deutsche-Bank-Ablegers 'Deutsche Bank National Trust' gelandet ist. Als der Familienvater schließlich seinen besser bezahlten Job verliert und die Zinsen steigen, droht der Familie die Zwangversteigerung. Verzweifelt kämpft Tim Smith um den Erhalt seines Eigenheims. Als er eines Tages eine dubiose Rechnung über 5000 Dollar bekommt und den von der Deutschen Bank beauftragten Finanzdienstleister fragt, wie er das dann bezahlen soll wird ihm gesagt: 'Keine Ahnung, hör doch auf zu essen'." (Quelle)

10:26 04.07.2013
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Bastian Borstell

...wer anderen eine Grube gräbt, hat sich wohl noch nicht aus den Ketten der kapitalistischen Lohnarbeit befreit.
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Bastian Borstell

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