"DieWelt"Leser zum NSU-Prozess. Erschütternd.

Sturm, Stahl & Heer heißen die Anwälte von Beate Zschäpe. Das kann doch kein Zufall sein, die verhöhnt den Rechtsstaat, meint Herr Oswald in der Welt. Die Weltleser sehen das ganz anders.
Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Die Onlineleser der Welt leisten sich mal wieder "Großartiges":

http://www.welt.de/kultur/article115910804/Der-martialische-Klang-von-Heer-Sturm-und-Stahl.html

Kurzzeitig war der Artikel sogar verschwunden und wurde dann, eigentlich nur die Überschrift und der Vorspann, verändert. Das "Original" gibt es hier:

http://webcache.googleusercontent.com/search?q=cache:http://www.welt.de/kultur/article115910804/Die-Namen-Heer-Sturm-und-Stahl-sind-kein-Zufall.html

Mitaufreger mag diese Passage sein: "Die Namen der drei Verteidiger, Heer, Stahl, Sturm, lesen sich, als habe sie Frau Zschäpe sich ausgesucht, um zu provozieren. Sicher ist das ist nicht zu beweisen." Nunja, von außen aufgedrückt, wie manche behaupten, scheinen sie Zschäpe nicht geworden zu sein:

"Als Beate Zschäpe sich nach dem Selbstmord ihrer Kameraden am 8. November 2011 stellte, ging sie in Begleitung eines ihr bekannten Anwalts zur Polizei in Jena. Der erkannte schnell, dass die Angelegenheit für ihn eine Nummer zu groß war und rief den Kölner Kollegen Wolfgang Heer an." http://www.augsburger-allgemeine.de/bayern/Beate-Zschaepe-holt-sich-starkes-Verteidiger-Team-id25077236.html

"Heer hatte das Mandat 2011 kurz nach Zschäpes Festnahme übernommen und sich als Mitstreiter Sturm und Stahl selbst ausgesucht." http://www.bz-berlin.de/archiv/ist-es-zufall-dass-die-anwaelte-ausgerechnet-heer-stahl-und-sturm-heissen-article1676893.html

Dazu auch:

"Kann man sich den Pflichtverteidiger selbst aussuchen ?
Ja, grundsätzlich kann sich der Angeklagte auch seinen Pflichtverteidiger selbst aussuchen. Hierbei sind zwei Fälle zu unterscheiden:


1. Der Angeklagte hat bereits einen Wahlverteidiger mit seiner Verteidigung beauftragt:
Als Pflichtverteidiger kann in den meisten Fällen auch der bisherige Wahlverteidiger bestellt werden. Auf Antrag des Wahlverteidigers wird dieser dem Angeklagten als Pflichtverteidiger beigeordnet, wenn ein Fall der notwendigen Verteidigung vorliegt. Probleme kann es nur dann geben, wenn der Wahlverteidiger nicht aus dem Gerichtsbezirk stammt. Dann muss der Wahlverteidiger gegebenenfalls ein besonderes Vertrauensverhältnis zu seinem Mandanten nachweisen. Der Unterschied zu einem ortsansässigen Rechtsanwalt besteht nämlich darin, dass gegebenenfalls erhöhte Reisekosten entstehen können, welche die Staatskasse nicht übernehmen möchte.

2. Der Angeklagte hat noch keinen Rechtsanwalt:
Auch wenn der Angeklagte vorher noch keinen Wahlverteidiger hatte, kann er sich den Pflichtverteidiger selbst auswählen. Das Gesetz sieht vor, dass das Gericht dem Angeklagten hierfür eine Frist bestimmt. Innerhalb dieser Frist muss der Angeklagte dem Gericht mitteilen, welcher Anwalt ihn verteidigen soll. Selbstverständlich sollte man vorher den favorisierten Anwalt fragen, ob er einen auch als Pflichtverteidiger verteidigen will! Das Gericht ordnet dann meistens unproblematisch den genannten Anwalt als Pflichtverteidiger bei." http://pflichtverteidiger.net/pflichtverteidiger.html

Die Begriffe "Pflichtverteidiger" und "beigeordnet" haben also NICHT zwingend die Bedeutung, dass der Anwalt dem Angeklagten aufgezwungen wurde. Hierzu sind im Netz zahlreiche Missinterpretationen zu lesen.

Der Artikel ist, zumal für "Die Welt", sehr gut. Sehr bemerkenswert sind jedoch die Leserkommentare, nicht weil sie so außergewöhlich sind, sondern weil sie so gewöhnlich sind. Es werden schlicht Dinge ausgesprochen, die viele glauben, von denen man vollgemüllt wird, wenn man sich in gewissen Medien (WELT, FAZ, SPIEGEL usw.) die Leserkommentare zu Artikeln mit oder ohne NSU-Bezug durchließt oder sich gewisse Blogs anschaut. Die Anzahl der Empfehlungen erscheint teilweise sehr beachtlich, denn die von mir jeweils angegebenen Zahlen beziehen sich alle auf "das Original", dass wohl nur so um die 3 Stunden Online war.

Im Artikel meint der Autor Georg M. Oswald, Beate Zschäpe hätte sich vielleicht geziehlt Anwälte gesucht, deren Namen mit Schlüsselbegriffen der Nazi-Propaganda identisch seien, um mit einem, für Rechte üblichen Trick, der Symbolik, den Rechtsstaat zu verhöhnen. Dem hält der User Aux entgegen: "Artikel an den Haaren herbeigezogen. Außerdem ist Stahl kein nationalsozialistischer Begriff, genausowenig wie Sturm und Heer." Der User "Aux" bekam in der kurzen Zeit 279 Empfehlungen für sein fehlendes Leseverständnis, die Unfähigkeit "Begriff" und "Schlüsselbegriff" auseinander zu halten und historisches Unwissen.

Einige andere Kommentatoren vermuten, Beate Zschäpe hätte so benannte Anwälte, wenn überhaupt, weil sie sowieso verurteilt sei, und so lediglich die Presse veruteilen wolle.

Herr Oswald wirft den Anwälten vor, dass sie sich haben instrumentalisieren lassen, was ihm von zahlreichen Lesern Spott einbringt und Aufrufe an die Anwälte, juristisch gegen Herrn Oswald vorzugehen.

"liebe "Welt", die Rubrik passt nicht, entweder "Meinung", "Sartire" würde auch eher pssen als "Kultur" Meinung, 604 Empfehlungen

"wow .... da gehört schon viel Mut dazu so was zu schreiben und noch mehr ... das dann zu veröffentlichen. Kein Wunder, dass die Medien jegliche, aber jegliche Legitimation verspielt haben." heinz12, 499 Empfehlungen

Der Autor stellt gut dar, wie Symbolik bei Nazis eine wichtige Rolle einnimmt, besonders bei einem Verfahren wie diesem. Immer wieder sehe man junge Männer, auf deren T-Shirt stehe: "Schwarze, Juden, Türken, Schwule, Lesben, alles nette Leute ..." während der Staat Menschen für durchgestrichene Hakenkreuze bestrafe.

Die Titelmelodie vom rosaroten Panther würde in Zukunft immer mit der NSU assoziert werden, die heute bestimmt Kultcharakter unter "Rechtsradikalen" habe. Und tatsächlich spielen Nazis diese Melodie mittlerweile auch auf ihren Märschen, was Herr Oswald nicht zu wissen scheint, zumindest schreibt er es nicht. Natürlich wissen manche Weltleser alles besser:

"Erstens sind rechtsradikale nicht geschickt darin, mit Symbolen zu spielen, sondern höchst unsubtil, zweitens habe ich bis zu diesem Artikel nicht daran gedacht, bei Pink Panther's Titelmelodie an etwas terroristisches zu denken; drittens sind die Namen der Anwälte meiner Meinung nach irrelevant und kindisch-lächerlich machen die sich, die meinen, damit noch irgendwen zu beeindrucken oder zu verhöhnen." demonkoryu, 146 Empfehlungen

Das insbesondere Menschen, die zur Zielscheibe solcher Gewalt werden könnten, anders denken und fühlen könnten, daran wird nicht gedacht. Die Auffordung überhaupt mal über sowas nachzudenken, würde aber bei einem Großteil der Weltkommentatoren als "Meinungsdiktatur" und "PC-Terror" gebrandmarkt werden. Manche glauben, auch bei diesem Artikel in der Welt spiele die Errichtung einer Gutmenschendiktatur eine Rolle:

"Was Herr Oswald will - ist Diktatur." Golfstrom, 160 Empfehlungen.

"Werte WO....ich lese immer etwas von Demokratie. Wo oder seit wann haben wir denn eine angebliche Demokratie? Die uns uns doch wohl zum Wohle einer bestimmten Bevölkerungsgruppe völlig abhanden gekommen." Frank_a, 262 Empfehlungen

Als "bestimmte[n] Bevölkerungsgruppe" kann man da natürlich vieles einsetzen, heute vorzugsweise "die Ausländer" oder "die Türken", immer mehr in "Mode" kommen aber auch wieder "die Juden".

Da zitier ich mich mal selbst aus meinem vorletzen Blog (zum 1.Mai), und hole noch den Beleg einer Aussage nach, die wohl vielen nicht schmecken dürfte:

"Es riecht hier doch nach Extremismustheorie, als wären Linksradikale quasi fast automatisch gewalttätig und die Mehrheitsgesellschaft automatisch friedlich. Leserkommentare voller latenter Vernichtungsfantasien bei BILD, FAZ, Welt, Spiegel, Die ZEIT und Co. hinterlassen bei mir regelmäßig ein ganz anderes Bild." https://www.freitag.de/autoren/bastian84/revolutionaerer-1-mai-in-berlin-und-die-medien

Doch die Tatsache, dass weite Teile der Mehrheitsgesellschaft die Taten für "türkische Milieumorde" hielten und immer noch halten (!), dient den Nazis zum Verhöhnen der Opfer. Aber genau dass wollen viele nicht einsehen:

"Warum sollte eine terroristische Gruppierung ihre Morde verschleiern wollen, so daß diese Aussehen wie "türkische Milieumorde"? Terroristische Gruppierungen bestehen und agieren doch eigentlich nur aus dem Grund, mit Ihren Taten Politik machen zu wollen. 10 Jahre Mord- Raub und Bombenanschläge ohne ein Bekennerschreiben...das kommt wohl nur der Mainstreampresse nicht merkwürdig vor." ExtremerQuatsch, 241 Empfehlungen

Das es literarische (Turner Diaries) und reelle Vorbilder (Combat 18, eine Ideologie/Ansammlung von Gruppen des "führerlosen nationalen Widerstands" aus dem Umfeld des Netzwerkes Blood&Honour) gab und gibt, wird in Deutschland ja sowieso nicht erwähnt:

"In den Turner-Tagbüchern wird der Untergrund-Kampf von Nazis gegen die Gesellschaft verherrlicht. Der propagierten Theorie nach sollen sich die Nasis in Zellen zusammenschließen, um Terrorakte gegen Fremde zu verüben. Mit Hilfe von Morden soll die weiße Vorherrschaft erzwungen werden. Es wird empfohlen, keine Bekennerschreiben zu hinterlassen. Jede Zelle soll für sich lebensfähig sein und möglichst keinen direkten Kontakt zu anderen Zellen haben." https://www.derwesten-recherche.org/2012/05/3248/

"Langsam wirds lächerlich. Selbst für Welt Verhältnisse.
Wenn mna nichts in der Hand hat als feurfeste DVD´s und Herrn Kolat dann nimmt nan noch die Namen der Anwälte.
Bestimmt hören die noch Volksmusik. Das können ja nur Rechte sein. ASAP, 570 Empfehlungen

Hans Meier setzt mit dem Ganzen den i-tüpfelnden krönenden Oberhammer einen drauf: "Herr, Sturm und Stahl - Du meine Güte, muss man jetzt in der WELT monatelang Verschwörungstheorien lesen?" 160 Empfehlungen bekam dieser unfreiwillig tragisch-komische Beitrag.

Springers Blatt, beziehungsweise auf deren Website Per Hinrichs, berichtet aber auch so:

"Beate Zschäpe soll als Mörderin verurteilt werden. Doch die Beweislage ist dünn. Sogar mit Petitessen unterfüttert die Staatsanwaltschaft ihre Anklage." http://www.welt.de/politik/deutschland/article115898704/Az-6-St-3-12-Verfahren-gegen-Beate-Zschaepe-u-a.html

Lässt man sich die Leserkommentare unter diesem Artikel nach "Bestes", also der Anzahl der Empfehlungen sortieren, dann steht ganz oben ein Kommentar von Einauge:

"Jeder, der sich etwas näher mit dem Thema befasst hat weiß, dass hier mit aller Gewalt "brauner Terror" (besonders auch durch die Medien) inszeniert wird. Selbst der Spiegel hatte unlängst noch mitgeteilt, dass diese Morde Ergebnisse von "Maßnahmen" aus der organisierten Kriminalität sind und sowohl die türkische als auch die deutsche Polizei in diese Richtung ermittelten. Erpressung, Glücksspiel, Rotlicht, Sportwetten im Zusammenhang mit Schulden seien einigen Gemüsehändlern etc. zum Verhängnis geworden. Nun sind diese mafiösen Strukturen äußerst brutal und in Teilen wohl auch mit Mitarbeitern von Ermittlungsbehörden durchsetzt, sodass man vor lauter Angst zurückzieht, schnell den Verdacht mainstreamt und irgendwelche sogenannten Nazis ausgräbt und lieber den Ruf einen ganzen Landes in den Dreck zieht. Dabei werden demokratische Grundsätze einfach so über Bord geworfen und Menschen schuldig geschrieben, ohne dass vorab die Schuld richterlich bewiesen ist. Wie verkommen ist eigentlich diese Gesellschaft. Die Wahrheit werden wir aber wohl nie erfahren. Bin gespannt, ob Frau Zschäpe das überlebt." Einauge, 292 Empfehlungen um ca. 21 Uhr

Die typische Täter-Opferumkehr gibt es (mal wieder) auch in der Form, dass auf Ehrenmorde oder anderen Aktivitäten von "den Moslems" verwiesen wird, als hätte die NSU Rechtsstaat und Demokratie verteidigt:

"'Bei allem Respekt vor dem Schmerz der Hinterbliebenen... Dieser Prozeß ist ein Strafprozeß 'wie jeder andere' auch.'

Und dem Schmerz der Hinterbliebenen kann man nicht Rechnung tragen, indem man juristische Regeln mißachtet. Das gilt hier nicht weniger als bei den 20 bis dreißig Ehrenmorden, die Deutschland Jahr für Jahr zu verzeichnen hat.

Allerdings spielt dort der Schmerz der Hinterbliebenen nur dann eine Rolle, wo sie nicht zugleich die Täter oder Anstifter waren." Constantin Günzler, 146 Empfehlungen um 21 Uhr

Aprops Täter-opfer-Umkehr. Auch ziemlich weit oben steht:

"Das wird der größte politische Schauprozess nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland werden!

Wir haben uns gerade von unabhänigen Gerichte und von Prinzipien des Rechtsstaates verabschiedet!" Frank Schmitt, 146 Empfehlungen um ca. 21 Uhr

Einige dieser Ressentimentes erinnern aber an die Profis (Professionell im Sinne von: "Kriegen Geld dafür", nicht im Sinne von: "Machen das gut"), die die "Döner-Morde [sic!]" aufklären sollten:

"Die bayerischen Sonderkommis­sionen »Halbmond« und »Bosporus« zeigten schon mit ihren Namen, dass den Beamten als Erstes türkische Mafiosi und Bandenkriminalität einfallen, wenn ausländische Kleinunternehmer ermordet werden. Als wären die beiden Weltkriege irgendwo in der Südsee angezettelt worden, erklärte ein Gutachter des baden-württembergischen Landeskriminalamts 2007: »Vor dem Hintergrund, dass die Tötung von Menschen in unserem Kulturkreis mit einem hohen Tabu belegt ist, ist abzuleiten, dass der Täter hinsichtlich seines Verhaltenssystems weit außerhalb des hiesigen Normen- und Wertesystems verortet ist.« Er schlussfolgerte, dass die Täter höchstwahrscheinlich »im Ausland aufwuchsen oder immer noch dort leben«. Da für die Beamten von vornherein feststand, dass die Mörder nicht im Osten der Republik, sondern östlich der Ägäis zu suchen seien, wurde entsprechenden Hinweisen nicht nachgegangen. Weder das Gutachten, in dem FBI-Profiler 2007 von einem Hate Crime sprachen, noch das ein Jahr zuvor von einem deutschen Ermittler erstellte Täterprofil, das auf Mundlos und Böhnhardt passte, zog Konsequenzen nach sich." http://jungle-world.com/artikel/2013/15/47522.html

"Das wird man ja wohl noch sagen dürfen" schrieb eine Zeitung mit großen Buchstaben und kleinen Inhalten und nannte als Beispiel, dass zu viele Ausländer kriminell seien. Wenn man bei der Polizei ist, darf man sowas nicht nur sagen, sondern man wird auch noch als Gutachter dafür bezahlt. Ein Buschkowsky durfte dann noch am Rande einer NSU-Gedenkveranstaltung über angebliche Versäuminisse der Migranten bei der Integration schwadronieren. http://www.publikative.org/2012/02/23/einmal-die-klappe-halten-schweigende-mehrheit/

Die Schwarmunintelligenz weiß natürlich längst, wer "wirklich" hinter den "Döner-Morden" steckt:

"Heilbronner Mord: NSU von der CIA gefakt oder geführt?" http://juergenelsaesser.wordpress.com/2011/12/01/heilbronner-mord-nsu-von-der-cia-gefakt-oder-gefuhrt/

"Dieser Agent des hessischen 'Verfassungsschutzes' (die 'Verfassungsschutzämter' werden von Mossad und CIA geführt), hatte an seinem Mantel Schmauchspuren der Tatwaffe (eine Pistole vom Typ Ceska 83). Kriminaltechnisch kann nur der Mörder an seiner Kleidung oder an seinem Körper Schmauchspuren der Tatwaffe haben." http://derhonigmannsagt.wordpress.com/2012/12/18/die-aufklarungsunterdruckung-zu-den-nsu-geheimdienst-morden-wird-immer-krimineller/

"Endlich da! Grosser Report und Aufklärung über 'NSU'-Döner-Morde = Drogen-Wett-Mafia und Verfassungsschutz……eines ist sicher: Rechte waren es nicht!!! " http://deutschelobby.com/2013/04/12/endlich-da-grosser-report-und-aufklarung-uber-nsu-doner-morde-drogen-wett-mafia-und-verfassungsschutz-eines-ist-sicher-rechte-waren-es-nicht/

„Vor dem Hintergrund, dass die Tötung von Menschen in unserem Kulturkreis mit einem hohen Tabu belegt ist, ist abzuleiten, dass der Täter hinsichtlich seines Verhaltenssystems weit außerhalb des hiesigen Normen- und Wertesystems verortet ist“ Kriminalhauptkomissar Udo Haßmann, LKA-BW, z.n. http://www.migazin.de/2012/09/25/wieso-die-nsu-morder-auslander-sein-mussten/

„Wenn es dem internationalen Finanzjudentum in und außerhalb Europas gelingen sollte, die Völker noch einmal in einen Weltkrieg zu stürzen, dann wird das Ergebnis nicht die Bolschewisierung der Erde und damit der Sieg des Judentums sein, sondern die Vernichtung der jüdischen Rasse in Europa.“ Adolf Hitler, öffentliche Ankündigung der Shoa am 30. Januar 1939 im Reichstag, von der hinterher niemand was gewusst haben will. http://www.youtube.com/watch?v=NLo_tHQgunw

Nicht geringe Teile der deutschen Mehrheitsgesellschaft sehen sich lieber als ewiges Opfer. Mal wieder.

Von nichts gewuszt, Egotronic

http://www.youtube.com/watch?v=7v-ynUfcHd0

Sowas kommt von sowas

Nachtrag,

da ich dank der konstruktiven Kritik von "Columbus" bemerkt habe, dass einiges dann doch noch einiger Erklärung bedarf:

Das man in dieser Art nicht auf die Allgemeinheit der deutschen schließen kann, das ist mir klar. Was "die schweigende Mehrheit" denkt weiß keiner, ob jene, die sich stets als "schweigende Mehrheit" bezeichnen und dabei besonders laut schreien, geeignet sind, "diese" zu repräsentieren, ist zweifelhaft. Zumal die "schweigende Mehrheit" wohl sowieso ein Konstrukt ist.

Aber ich hätte da noch einen ähnlichen Punkt wie dem, den der Leser Columbus neben einigen weiten benennt: Der Verantwortlichkeit der Redaktionen, mit solcherlei Kommentaren umzugehen. Denn das gilt meiner Meinung nach nicht nur für die Redaktionene. Die anderen Leser, die gesamte Öffentlichkeit muss damit auch umgehen. So einem geistigem Durchfall wird zu selten widersprochen. Eine Auseinandersetzung mit rechten Verschwörungstheorien findet, öffentlich, nicht statt. Weden in den Kommentarspalten, noch anderswo.

Die NSU-Leugnung ist naturgemäß ein neues Phänomen, da die NSU noch nicht so lange einer breiten Öffentlichkeit bekannt ist. Es gibt aber z.B. auch starke Parralellen zur Holocaustleugnung, die meist von Antisemiten, Rassisten und Nationalisten betreiben wird und wurde. Die Menschen mit derartigen Gesinnungen wollen nicht einsehen, wo diese hinführen können, bei Verschärfung hinführen müssen.

Und andererseits ist Verschwörungsideologie aber auch ein bedeuteutender Faktor, der Vernichtungsfantasien vorantreibt. Daher auch das entsprechende Hitlerzitat.

Zu dem Begriff Verschörungsideologie:

"Verschwörungsideologien kombinieren politische Probleme und Ohnmachtsgefühle zu einem Weltsystem, hinter dem ein böser Geist wirke bzw. eine Gruppe bosartiger Leute, die auf verschwörerische Weise nicht nur nahezu alleinige Nutznießer, sondern auch alleinige Urheber der Probleme seien, die dann nicht weniger als alles bestimmen, was es zum Fortbestand ihrer Verschwörung und Nutznießung brauche. Die Medien und Wahlen seien vollständig manipuliert, die Streitereien und Konkurrenzen seien in Gänze nur Schauspielerei, wir alle seien vollständig manipuliert, sofern wir nicht glauben, was sich Verschwörungsideologen über Geschehnisse, Verbindungen und Entscheidungen ausdenken und eine feindliche Haltung einnehmen, die dann allerdings auch vollends paranoid sein dürfte.

Verschwörungsideologien sind Teil der Religionen, und Verschwörungen zu entlarven oder bloß zu unterstellen, sind Teil des politischen Geschäfts, zumal es tatsächlich 'Hinterzimmer' gibt, aber halt nicht die Weltzentrale, in der die unendliche Einigkeit gegen alle Welt sei und bleibe, sondern viele Hinterzimmer, mal mehr, mal weniger legitime oder korrupte, die gegeneinander streiten bis hin auf die offene Bühne, derer es viele gibt und spätestens dann die Gelegenheit zur Meinungsbildung schaffen.

[...]

Die Einflussunterschiede sind typischerweise von Wohlstandsunterschieden und je weiter sich die Schere öffnet, desto ungerechter ist die Gesellschaft nicht nur tatsächlich, sondern vielen Menschen dann gänzlich und falls für Verschwörungstheorien empfänglich, dann eben durch heimliche Verabredung welcher, die das komplette Sagen in der Welt hätten - und niemand merke das, weil alle, die es wüssten, Handlanger dieser Verschwörer seien - freilich mit Ausnahme derjenigen, die solche Verschwörung 'aufdecken'." http://unsere.de/verschwoerungsideologie.htm

Das religiöse Moment der Verschwörungsideologie sei an einem Klassiker veranschaulicht:

„Das Fundament der irreligiösen Kritik ist: Der Mensch macht die Religion, die Religion macht nicht den Menschen. Und zwar ist die Religion das Selbstbewusstsein und das Selbstgefühl des Menschen, der sich selbst entweder noch nicht erworben, oder schon wieder verloren hat. Aber der Mensch, das ist kein abstraktes, außer der Welt hockendes Wesen. Der Mensch, das ist die Welt des Menschen, Staat, Societät. Dieser Staat, diese Societät produzieren die Religion, ein verkehrtes Weltbewusstsein, weil sie eine verkehrte Welt sind. Die Religion ist die allgemeine Theorie dieser Welt, ihr enzyklopädisches Compendium, ihre Logik in populärer Form, ihr spiritualistischer Point-d'honneur (Ehrgefühl), ihr Enthusiasmus, ihre moralische Sanktion, ihre feierliche Ergänzung, ihr allgemeiner Trost- und Rechtfertigungsgrund. Sie ist die phantastische Verwirklichung des menschlichen Wesens, weil das menschliche Wesen keine wahre Wirklichkeit besitzt. Der Kampf gegen die Religion ist also mittelbar der Kampf gegen jene Welt, deren geistiges Aroma die Religion ist.

Das religiöse Elend ist in einem der Ausdruck des wirklichen Elendes und in einem die Protestation gegen das wirkliche Elend. Die Religion ist der Seufzer der bedrängten Kreatur, das Gemüth einer herzlosen Welt, wie sie der Geist geistloser Zustände ist. Sie ist das Opium des Volks.

Die Aufhebung der Religion als des illusorischen Glücks des Volkes ist die Forderung seines wirklichen Glücks. Die Forderung, die Illusionen über seinen Zustand aufzugeben, ist die Forderung, einen Zustand aufzugeben, der der Illusionen bedarf. Die Kritik der Religion ist also im Keim die Kritik des Jammertales, dessen Heiligenschein die Religion ist.“

Karl Marx: Einleitung zur Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie; in: Deutsch-Französische Jahrbücher 1844, S. 71f, zitiert nach MEW, Bd. 1, S. 378-379

Tatsächlich kenne ich solche Aufassungen übrigens nicht nur aus den Leserspalten. Durch Teilnahme an mehreren Beschäftigungsmaßnahmen der JobCenter in Berlin weiß ich, dass viele der Menschen dort derartig denken. Und ja, auch über Twitter machen derlei Theorien die Runde.

Studien haben in letzter Zeit nahegelegt, dass breite Teile der deutschen Bevölkerung antisemitsche und rassistische Ressentiments hegen. Insbsondere schlechte Bildung verleite zu Ressentiments. http://www.migazin.de/2012/11/13/fes-studie-jeder-funfte-wessi-denkt-auslanderfeindlich-ossis-sind-noch-schlimmer/

Ich will also garnicht behaupten, dass eine Mehrheit in diesem Land derartig denkt, aber dieses Land ist auf dem Weg dahin. Außerdem würde ich hier zwischen den Konservativen und den (offenen) Nazis unterscheiden. Den viele sind sich garnicht bewusst, dass sie ein "geschlossen rechtsextremes" Weltbild haben und schimpfen daher über die "Nazikeule". In dieser postnazistischen Gesellschaft haben eine Menge Ressentiments und Ideologeme der Nazis, bzw. derer die zum Nazismus geführt haben und durch ihn verstärkt wurden, überdauert, ohne das sich deren Träger dessen überhaupt bewusst sind. Der folgende Textabschnitt verallgeminert für meinen Geschmack auch etwas zu sehr, aber es steckt auch eine Menge Wahres darin:

"In den Medien jedoch ist die Berichterstattung über NPD und Co, die vielleicht nicht ganz zu Unrecht den Anspruch haben „zu sagen, was sich sonst keiner traut“, eindeutig: Ablehnung, Dämonisierung, Tabuisierung.[...] Was zu beobachten ist, ist nichts anderes als eine enorme Diskrepanz zwischen öffentlicher und veröffentlichter Meinung. [...]

Wie ein Deckel decken Staat und öffentliche Meinung den im Schoße der 1945 nicht zerschlagenen Volksgemeinschaft weiter existierenden Rassismus und Antisemitismus ab und verhindern die Verwirklichung des zerstörerischen Volkswillens. Der repräsentativ-demokratische Deckel schützt sowohl die restliche Welt als auch die in Deutschland lebenden Nicht-Volksgenossen vor den weiterlebenden nationalsozialistischen Ideen.

Der Versuch diese Einschätzung mit dem Hinweis darauf abzutun, es sei ja nicht die Mehrheit der deutschen Gesellschaft, die antisemitisch und rassistisch denke, und das Weiterleben des Nationalsozialismus in der Demokratie sei daher nicht gegeben, ist falsch. Selbst wenn derzeit in entsprechenden Untersuchungen nicht die Mehrheit der Deutschen des Antisemitismus überführt werden können, so liegt das doch sicherlich zu einem Großteil eben daran, dass durch die veröffentlichte Meinung der Antisemitismus so tabuisiert wird, dass er auch auf der Ebene der Meinungen zurückgedrängt werden kann. Die Deckelfunktion der postnazistischen Demokratie wirkt auch hier. Würde der antisemitische Volkswille dagegen ungeschönt Eingang in Massenmedien finden, so wäre auch der nahrhafte Boden nicht weit." http://dissonanz.wordpress.com/2009/12/08/demokratieidealismus-und-postnazistische-gesellschaft/

Mit meinem Beitrag wollte ich allerdings zeigen, dass "die Nazikeule" eigentlich weitaus häufiger angebracht ist, als sie eingesetzt wird.

Columbus sagt, so verstehe ich ihn, viele seien sich bewusst, dass es einem erneut angebräunten Deutschland schlecht ergehen würde und sie sich deshalb eher aus Opportunismus nicht mit den "Ewiggestrigen und Rechten" gemein machen würden. Was aber passiert, wenn sich die Krise auch in Deutschland verschärfen sollte, wenn das Bildungsniveau noch weiter (auseinander)fällt usw.?

22:27 06.05.2013
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Bastian84

Ich hab Politikwissenschaften studiert und lebe in Berlin.
Schreiber 0 Leser 1
Avatar

Kommentare 11