Mobilfunk 2019 – wo sind die Innovationen?

Mobilfunk Die Mobilfunk-Branche badet 2019 vor allem im Glanz der neuen 5G-Netze, die 2019/20 kommen sollen. Mehr Speed soll es dann geben - strukturell ändert sich aber wenig
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Mit etwas Glück bringt 5G auch mehr Datenvolumen und Empfang in neue Bereiche. Am grundlegenden Problem der Branche ändert das aber wenig. Tarife, Flatrates und Handybundles haben sich in den letzten Jahren recht wenig geändert, es gab mal schnellere Tarif oder auch größere Flatrates mit mehr monatlichem Volumen – grundsätzlich entsprechend die Tarif 2019 aber den Tarifen 2009 und sogar denen 1999. Schlägt man den Bogen noch weiter, findet man auch in der ersten deutschen Fernsprechgebührenordnung von 1899 Grundgebühr, Pauschgebühr (eine Art Flatrate) und die Abrechnung nach Gesprächsminuten. Über 100 Jahre später sind viele Tarife noch ähnlich aufgebaut.

Innovative Handys, alte Tarife

Auch die Verbraucher scheinen im Mobilfunk-Bereich merkwürdig zwiegespalten. Während es beim Smartphones jedes Jahr oder zumindest jedes zweite Jahr ein neues Modell sein muss, das den neusten Prozessor hat, die beste Kamera und ein Design, das so progressiv ist wie nur möglich, finden sich in den Geräten die Simkarten von Discounter und Anbietern, die oft noch nicht einmal LTE bieten und Allnet Flat, die vom Aufbau her auch vor 5 Jahren so hätten verkauft werden können. Es ist daher wohl kein Wunder, dass die großen Mobilfunk-Anbieter wenig Lust auf Innovationen haben, denn es scheint derzeit von den Kunden kaum honoriert zu werden.

eSIM und 5G – aber keine grundlegenden Innovationen

Man kann dabei nicht einmal behaupten, dass es keine größeren technischen Neuerungen in den letzten Jahren gegeben hätte. Tatsächlich gibt es seit 2015/16 den gemeinsamen Standard für eingebaute Simkarten (eSIM) bei denen man keine herkömmlichen Sim mehr verwenden muss und auch 5G steht als neuer Netzstandard mittlerweile zur Verfügung.

Bei den eSIM hat es allerdings noch bis 2018 gedauert, bis die Anbieter auf dem Markt passende Tarife angeboten haben und das auch nur, weil Apple vorgeprescht ist und mit iPhone XS, XS max und XR Geräte mit dieser Technik auf den Markt gebracht hat. Aber auch 2019 haben nur wenige Mobilfunk-Anbieter passende eSIM Tarife auf dem Markt und in der Regel hat sich am Angebot selbst wenig geändert. Man kann die bereits vorhandenen Tarife zwar auch als eSIM buchen, Flatrates oder Verträge, die speziell auf eSIM und deren Vorteile zugeschnitten sind, fehlen aber.

Wie stiefmütterlich eSIM derzeit behandelt werden, sieht man sehr schon bei der Marke Blau, ein Unternehmen aus der Telefonica Unternehmensgruppe. Dort können Kunden die Postpaid-Tarife mittlerweile als eSIM buchen, die Webseite behauptet aber noch steif und fest das Gegenteil und eine FAQ oder Hilfestellungen zum Thema eSIM sucht man weiterhin vergebens.

Bei 5G sieht die Entwicklung ähnlich aus. Aktuell bieten nur Telekom und Vodafone passende 5G Tarife und neben Probleme mit der Abdeckung wurden in erster Linie die bestehenden Tarife mit 5G erweitert und keine neuen Tarife gestartet, die alle Vorteile von 5G speziell ausnutzen können. Das mag sich im Laufe der nächsten Monate noch ändern, denn 5G ist noch eine neue Technologie, aber die Erfahrungen mit 4G und anderen Neuerungen im Mobilfunk-Bereich machen eher wenig Hoffnung.

Neue Entwicklungen müssten gar nicht komplex sein

Das Potential für Verbesserungen gäbe es in vielen Bereichen und oft müssten Schritte gar nicht groß sein, um für die Nutzer Mobilfunk einfacher zu machen. Warum muss man beispielsweise die Rufnummer immer noch bürokratisch von Anbieter zu Anbieter mitschleifen, statt eine Rufnummer zu haben, die unabhängig vom Anbieter ist und auf die man nur den jeweils gewünschten Tarif schaltet? Warum kann man Tarife immer noch nicht direkt vom Handy buchen, sondern muss zwischen Postversand, Bestellhotline, Video-Ident und der Anbieter-Webseite hin und her wechseln? Von einem Zusammenwachsen von Festnetz und Mobilfunk mag man an der Stelle gar nicht mehr träumen, hier scheint in den letzten Jahren kaum noch Energie investiert worden zu sein. Startups im Mobilfunk sieht man auch eher selten – die technischen und rechtlichen Hürden sind einfach zu hoch um in diesem Bereich wirklich innovative Impulse setzen zu können.

Letztendlich wird es aber natürlich vom Kunden abhängen. Nur wenn die Verbraucher Innovationen fordern und auch durch Wechsel honorieren, wird es mehr Bewegung im Markt geben und falls alle mit den aktuellen Tarifen und Verträgen zufrieden sind, bleibt wohl auch in den nächsten Jahren die Grundstruktur der Fernsprech-Gebührenordnung von 1899 in Kraft.

12:57 02.08.2019
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Geschrieben von

Bastian Ebert

Mobilfunk und Telekommunikation seit über 15 Jahren - eSIM - 5G - Datenschutz - offene Daten
Bastian Ebert

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