Das regt mich auf - Hunde in Berlin

Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Endlich, der Frühling ist da. Zumindest immer mal zwischendurch. Es ist schön warm, man kann fast schon kurzärmelig rumlaufen und die Sonne scheint einem ins Gesicht.

Ich komme von der Schule und laufe beschwingt und fröhlich nach Hause. Endlich kein grau in grau mehr, die Leute strahlen wieder eine positivere Stimmung aus. Die Sonne lacht, es weht ein lauer Wind, ich biege in meine Straße neben der alten Kirche und dem kleinen Park ein und nehme einen tiefen Zug der wunderbaren Frühlingsluft...und da merke ich, ja, es ist Frühling in Berlin.

Denn anstatt die zartknospenden Blüten zu riechen, die frische Luft, in der noch ein Hauch von Winter mitschwingt oder das frische Gras, rieche ich langsam in der Sonne vor sich hin schmorende Hundehaufen. Das ist nicht schön.

Jedes Jahr auf's Neue freue ich mich auf den Frühling und den Sommer und jedes Jahr ist es das Gleiche: Gestank ohne Ende. Und wieso? Weil sämtliche Hundebesitzer der Umgebung ihre Hunde hierher führen, damit sie ihr Geschäft machen. Spricht man einen auf frischer Tat Ertappten darauf an, dass es gar nicht so schön ist, was sein Hund dort gerade tut, muss man sich anhören man sei ein Hundehasser, Tierquäler, Idiot. Außerdem würden sie ja Hundesteuer bezahlen. Aber was ist denn mit den Menschen? Die Leute die ihre Hunde jeden Quadratzentimeter des eigentlich schönen kleinen Parks rund um einen schönen kleinen Teich zukacken lassen, sind das dann Menschenhasser? Misanthropen der schlimmsten Art? Nein, sie werden überall, vor allem in Berlin, geduldet. So mutet es zumindest an, wenn man mal einen Spaziergang durch die Stadt macht.

Wo ist da das Ordnungsamt? Dauernd hört man von diesen nicht so sehr beliebten Mitarbeitern der Stadt, die lieber langsame Fahrradfahrer, die auf dem Bürgersteig gefahren sind, damit sie nicht von 60-Tonnern überrollt werden, anhalten und zu einem Bußgeld verdonnern, anstatt sich um eine solch übermäßige und unangenehme Verschmutzung zu kümmern. Es soll zwischen 30 € und 100€ kosten, wenn man als Hundehalter den Kot nicht wegmacht. Dafür wurden in Berlin (aber natürlich nur in den prestigeträchtigeren Bezirken wie Schöneberg) sogar sogenannte " Dog Service Stations" von der Wall AG aufgestellt. Voll mit High-Tech, aber kaum jemand benutzt sie. Dass nun ein Mitarbeiter des Ordnungsamtes genau in dem Moment auftaucht und auch noch hinguckt, wie ein Hund sein Geschäft macht und der Besitzer tatenlos von dannen zieht, ist natürlich ziemlich unwahrscheinlich, vor allem hier, wo sich das Ordnungsamt noch nie hat blicken lassen.

Hier wurde für unseren kleinen Park sogar eine ganzer Verein von tatkräftigen Bürgern gegründet, die ehrenamtlich jedes Frühjahr und jeden Herbst den Park fit machen für die warme bzw. kalte Jahrezeit. Sie schneiden die Büsche, mähen das Gras und kümmern sich darum, dass der Teich nicht zuwuchert. Eigentlich wäre das ja eine Aufgabe der Stadt, doch die kümmert sich nur mäßig. Damit der Park weiterhin ein schöner kleiner Fleck zwischen all dem Verkehr bleibt, muss man schon selbst ran. Und diese Aktionen werden nun von den Hundebesitzern mit Füßen getreten, die dafür Sorgen, dass man, wenn die Büsche frisch geschnitten sind, sich wünscht, sie würden schnell wieder zuwachsen, damit man das Elend darunter nicht sehen und riechen muss.

Berlin ist nicht nur eine Stadt mit Verkehr und vielen Straßen, sondern sie gilt auch als die grünste Hauptstadt Europas. Wir haben unzählige kleine, große und mittlere Naherholungsgebiete, die wuderbar wären, um von der Großstadthektik mal auszuspannen. Das geht aber nicht, da sie flächendeckend als Hundeklo zweckentfremdet werden.

Nein, ich bin kein Hundehasser. Aber ich denke, dass in einer so großen Stadt wie Berlin sie ist, Hunde nicht mehr viel zu suchen haben. Hier ist das Gedränge der Menschen schon groß genug. Ich möchte auch nicht mehr meinem kleinen Bruder drohen müssen, wenn ich mit ihm unterwegs bin, dass ich seine Schuhe an Ort und Stelle stehen lasse, wenn er in einen Hundehaufen tritt und er dann barfuß nach Hause laufen muss. Übrigens, von der Hundesteuer kriegt mein Bruder keine neuen Schuhe.

Die Hunde können am wenigsten für alles. Aber die Besitzer sollten sich doch überlegen, was sie für ein besseres Zusammenleben mit ihren hundelosen Mitmenschen tun können. Dann werden sie auch nicht mehr blöd von der Seite angeranzt. Versprochen.

11:13 11.04.2010
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Geschrieben von

Becci A.

26 Jahre alt, Politikwissenschaftlerin, Mutter, Demokratin
Becci A.

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