Neukölln grüßt Rostock - Eine 1/4 - Liebeserklärung

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Rostock ist eine schöne Stadt. Das Meer ist vor der Tür, die Altstadt ist schön, als Student spart man überall, sogar beim Bäcker. Aber es ist so anders...

...so anders als Berlin. Das fällt einem aber erst so richtig auf, wenn man, ganz der erfahrene Berliner, mit ausgefahrenen Ellenbogen und im Stechschritt durch das - kleine- Einkaufszentrum marschiert. Hier weichen einem nämlich plötzlich alle Leute mit irritiertem Blick aus. Angestaute Agressionen verpuffen langsam und man merkt, man kann hier ein paar Gänge runterschalten.

Ich mag Rostock mittlerweile. Es ist eine angenehme Stadt, vor allem für Studenten. Die Leute dort sind wirklich und wahrhaftig größtenteils freundlich und hilfsbereit, dort herrscht nicht eine solche Hektik und generell ist alles dort ein wenig entspannter. Auch das Klima an der Uni ist angenehm familiär, obwohl wir auch an die 15.000 Studenten haben. Von der FU in Berlin hört man da ganz anderes.

Berlin ist natürlich größer, schöner, spannender, toller, aufregender, alternativer und überhaupt DIE Stadt. Für mich zumindest. Aber ich lebe auch gerne in Rostock, auch wenn ich manchmal schmunzeln muss. Zum Beispiel, dass viele Leute das als echt große Stadt betrachten, weil sie aus noch viel klitzekleineren Städten kommen. Oder das die Bordsteine an den Bushaltestellen höher sind, so dass man vom Bus direkt auf die Straße gleitet. In Berlin bricht man sich meistens halb die Beine, weil der Bus in der hektisch-agressiven 24/7 -Rush Hour nur schräg irgendwo in der Nähe des Bürgersteiges parkt und man sich nicht entscheiden kann zwischen ungelenkem aus-dem-Bus-krakseln mit festhalten an der Tür oder dem noch uneleganteren Sprung bei dem man sich den Fuß bricht. Nicht zu vergessen die Leute, die einen von hinten nahezu aus dem Bus schubsen. Auch fahren Bus- und Tramfahrer nicht einfach ironisch grinsend von dannen, gerade wenn man sprintend die Haltestelle erreicht hat, nein, sie warten und lächeln einen freundlich an, ebenso glücklich wie der Fahrgast, dass er es noch geschafft hat. Lauter kleine aber feine Unterschiede.

Außerdem ist da das Meer. Immer wenn ich eine Auszeit brauche, fahr ich 20 Minuten mit der S-Bahn und bin ganz schnell am Strand. Da kann ich dann stundenlang mit kindlicher Freude das Meer anstarren. So wie das der typische Großstädter meistens macht.

Auch toll finde ich die Litfaß-Säulen mit dem Loch. Die stehen da so rum und man kann sich spannende Dinge einfallen lassen, wozu sie da sind. Zeitmaschinen zum Beispiel oder vergessene Geheim-Fahrstühle zu unterirdischen Tunneln. Wozu sie wirklich da sind, habe ich bisher noch nicht verstanden. Aber es gibt ja eine Menge Geheimnisse in der Welt.

Doch Schluss mit den Huldigungen. Denn eine Sache stört mich wirklich ganz gewaltig.

Liebe Rostocker Dönermacher, so geht das nicht. Auf einen Döner gehört kein Sauerkraut und auch keine Süß-Sauer-Soße. Man serviert Döner auch nicht mit Gabel! Ich komme aus Berlin-Neukölln und eure Art Döner zu machen, erschüttert mich zutiefst!

00:26 22.02.2011
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Geschrieben von

Becci A.

26 Jahre alt, Politikwissenschaftlerin, Mutter, Demokratin
Becci A.

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