"Querdenker" - Ein Phänomen jeder Zeit

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Der Querdenker existiert nur in der deutschen Sprache. Aber warum? Es gibt ihn doch überall.

Um über bestimmte Sachverhalte zu schreiben, muss man diese zunächst erklären. Schreibt man über bestimmte Worte, sollte man diese definieren, damit eindeutig geklärt ist, welcher Bedeutung man nachgeht.

„Der Querdenker ist ein Mensch, der in seiner Denkweise von dem allgemein üblichen und als normal erachteten Denkroutinen erheblich abweicht.“

Querdenker sind alsoMenschen einer bestimmten Gruppierung in einer Gesellschaft, die anders denken als die anderen dieser Gruppe.

Dieses Wort setzt außerdem voraus, dass diese Anderen eine Art paralleles Denken praktizieren. Das bedeutet, sie denken in denselben Dimensionen, in demselben Umfang und wahrscheinlich dabei sogar dieselben Gedanken. Für mich klingt das erschreckend. Ich möchte nicht dieselben Gedanken haben, wie andere. Das würde nämlich bedeuten, dass die Anderen dann wissen, was ich denke. Und wer möchte schon Einblick in seine Gedanken preisgeben.

Querdenker waren schon immer Geächtete unserer Gesellschaft. Im Mittelalter waren es die Gelehrten, die sich von der Kirche abwandten, um Wissenschaft zu betreiben. Im Nationalsozialismus waren es alle Menschen, die nicht den diktatorischen Richtlinien folgten. In Amerika sind Querdenker die Menschen, die es wagen, den Mund aufzumachen gegen die militärische Vorgehensweise ihrer Regierung. Querdenker gibt es also überall auf der Welt und zu jeder Zeit.

Das Wort Querdenker bedeutet also nicht nur, dass das Denken in anderen Bahnen verläuft als üblich, sondern, dass auf das Denken meistens auch Taten folgen. Das über die Gedanken gesprochen wird. Also ist der Querdenker nicht nur jemand, der seinen Gedanken nachhängt, sondern diese auch in seiner alltäglichen Einstellungdem Leben gegenüber praktiziert.

Wenn man das so hört, meldet sich da nicht ganz leise das Gewissen? Fragt es einen nicht im Flüsterton, ob man nicht lieber auch Querdenker werden möchte? Das bringt nämlich viele Vorteile mit sich. Erstens denkt man nicht mehr parallel und die anderen wissen nicht mehr, was man denkt. Und zweitens hat man endlich seine Einstellung zum Leben gefunden.

17:11 21.02.2010
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Geschrieben von

Becci A.

26 Jahre alt, Politikwissenschaftlerin, Mutter, Demokratin
Becci A.

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