Das regt mich auf - Spaghetti Bolognese

Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Wie das Studium so ist, werde ich die ganze Zeit von den Leuten gefragt. Ich habe mein erstes Semester hinter mir und bin nun kein völliger Anfänger mehr.

Toll, sage ich dann, es macht Spaß und ist genau das, was ich machen wollte. Die Uni ist toll, die Leute sind super, die Seminare sind gut. Stimmt auch alles...wäre da nicht Bologna. Bologna, der ewig währende Prozess, darüber wurde, gerade im letzten halben Jahr, unheimlich viel geschrieben, sich beschwert, diskutiert, er auch verteidigt. Eigentlich ist so ziemlich alles darüber gesagt, aber ich muss doch auch nochmal meinen Frust niederschreiben.

Im Wintersemester 10/11 wurde die Studienordnung an der Universität Rostock geändert. Für mich persönlich war das eher angenehm; das Semester über mir rutschte in bürokratischen Wahnsinn. So eine Änderung zählt nämlich plötzlich - zumindest theoretisch - auch für die höheren Semester. Diese können dagegen aber Einspruch beim zuständigen Prüfungsamt einlegen und darauf bestehen, nach ihrer alten Studienordnung behandelt zu werden, bestimmte Prüfungsleistungen doch anrechnen zu lassen oder auf andere Prüfungsleistungen umzusteigen. Abgesehen davon, dass es mir für die älteren Studenten Leid tut, könnte man meinen, ich und mein Semester seien davon nicht weiter berührt. Falsch gedacht. Denn keiner weiß mehr Bescheid.

Als Erst-Semestler pendelt man die ersten zwei Wochen ein wenig planlos durch die Uni, versucht das Modulsystem zu verstehen und sich seine Kurse zusammen zu suchen, dabei treten auch eine Menge Fragen auf. Die stellt man erst mal an die älteren Studenten, die meist auch eine patente Antwort haben und weiterhelfen. Fragt man dann nochmal seinen Dozenten, ob das mit dieser oder jener Prüfungsleistung auch bei ihm so läuft, schaut der einen völlig verwirrt an und fängt an einem das komplette Gegenteil zu erzählen oder an einen anderen Dozenten zu verweisen, der davon mehr Ahnung hat. Diesen zieht man dann also auch noch zu rate, doch auch hier wird man arg enttäuscht, denn auch dieser Spezialist weiß eigentlich gar nicht so genau Bescheid. Welcher Prüfungs- und Studienordnung folgen Sie denn jetzt? Gilt das nach der neuesten Ordnungsänderung denn auch für Ihr Semester? Müssen Sie da nicht Einspruch erheben? Verwirrung pur. Aber wie sollen die Dozenten auch klarkommen, wenn jeder Student aus jedem Semester nach einer anderen Prüfungsordnung studiert, weil manche Einspruch erheben, manche nicht und manche halt irgendwie versuchen durch das Studium zu schliddern?

Hat man seinen Semesterplan dann doch noch erfolgreich zusammengestellt, kann das Studieren richtig losgehen. Alles ist spannend, alle sind wissbegierig, die Stimmung ist gut. Ungefähr 3 Wochen lang. Dann fangen die Kommilitonen nämlich an, sich über Zeitungsberichte, Umfragen und Statistiken zu unterhalten, die in letzter Zeit überall verbreitet werden. Der Bachelor-Abschluss ist nämlich gar nichts wert. Damit wird man nämlich überhaupt nirgendswo eingestellt! Wer den Master nicht macht, der hat keine Chance auf dem Arbeitsmarkt. Und in die Master-Studiengänge kommt man ja so ohne weiteres auch gar nicht rein! Da heißt es von Anfang an klotzen und nicht kleckern, damit da auch ein ordentlicher Bachelor-Abschluss draus wird, die Noten müssen schon ab dem 1. Semester top sein! Das zählt alles sofort mit hinein in die Endnote! Und was ist mit Auslandssemestern? Die müssen auch auf jeden Fall im Lebenslauf drinstehen, ohne Auslandssemster wird man auch nicht eingestellt, man braucht doch die Erfahrung! Und da müssen wir uns natürlich auch schon sofort Gedanken drüber machen, schließlich verrennt die Zeit! Auch die Dozenten und Professoren schimpfen über das tolle Bachelor-Master-System. Wie sollen Sie in so kurzer Zeit den Stoff in uns hineinimpfen? Die Studenten sollen doch nicht Bulemie-Lernen, das bringt doch nichts. Jede Woche kriegt man e-Mails von lauter Uni-Instanzen, was sich jetzt wie und wo in der Studienordnungen für welchen Jahrgang ändert, Angaben mit lauter Paragraphen und in Juristen-Deutsch.

Da fragt man sich doch, wozu überhaupt studieren, außer für die besseren (natürlich nur mit dem Master) Jobaussichten.

Kann ich euch sagen.

Weil's trotzdem Spaß macht und den lassen wir uns auch nicht verderben !

23:48 22.02.2011
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Becci A.

26 Jahre alt, Politikwissenschaftlerin, Mutter, Demokratin
Becci A.

Kommentare 1