Behemoth

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RE: Streicheln und abschieben | 26.07.2015 | 19:57

Auch die neuen Änderungen beim Bleiberecht setzen die Anforderungen natürlich bewusst so hoch, dass sie für die Betroffenen kaum erfüllbar sind. Insbesondere die Forderung nach einem gesicherten Lebensunterhalt also der Unabhängigkeit von staatlicher Unterstützung muss man doch wohl zynisch nennen: Flüchtlinge mit Status der Duldung waren noch bis vor kurzem per Gesetz bei der Arbeitsplatzvergabe nachrangig zu behandeln – Abschwächungen dieses Gesetzes gibt es erst seit Ende 2013, und auch ohne dies sind ihre Schwierigkeiten auf dem Arbeitsmarkt allein aufgrund des ungesicherten Aufenthaltsstatus natürlich extrem erschwert…

Zynismus pur ist auch die vollkommen schamlos vorgetragene Einteilung der Flüchtlinge in solche die uns nützlich sein könnten, die „wir gebrauchen können“ und solche die uns angeblich „nur auf der Tasche liegen“ ¬- oder die Unterscheidung von „berechtigtem“ und „unberechtigten“ Asylgesuch: Armut, Elend, Hunger…? Tut uns leid – kein „berechtigter“ Fluchtgrund (reicht vielleicht mal für eine Samstagabend-Spendengala im TV…). So werden Flüchtlinge aus Ländern, die wir von hier aus als „sichere Herkunftsländer“ qualifiziert haben, im Zweifel ohne konkrete Einzelfallprüfung tatsächlich umgehend wieder zurückgeschickt.

Das Thema Migration wird die Welt aus einer Vielzahl von Gründen ganz sicher in Zukunft dauerhaft und noch stärker beschäftigen – ein Ende von Krieg und Gewalt bes. im Nahen Osten aber auch z. B. in vielen anderen Regionen Afrikas ist nicht absehbar, hinzu werden mittelfristig die ersten Auswirkungen von Erderwärmung und anderen Folgen unserer expansiven und exploitativen Lebensweise kommen.

Im Nahen Osten hat sich genau jener Flächenbrand ausgeweitet, den viele kluge Beobachter mit dem Einmarsch der USA in Afghanistan 2001 vorhergesagt hatten. Wobei die Ursprünge des verheerenden Ergreifens des Westens in der Region zur Sicherung strategischer Interessen, v.a. aber des Ölbedarfs, noch viel weiter zurückgehen - wie zuletzt Michael Lüders oder auch seinerzeit von Noam Chomsky z.B. eindrücklich dargelegt haben.

Wir sind in vielen Hinsichten beteiligt an den globalen Entwicklungen die die Flüchtlingsströme derzeit so anwachsen lassen, wir können uns da nicht aus der Verantwortung stehlen. Natürlich wäre es schön, wenn die Probleme in den Herkunftsländern gelöst werden könnten, so dass die Menschen ohne Angst und mit Zukunftsperspektive dort bleiben oder dahin zurück gehen könnten (was ganz sicher die meisten gern täten). Natürlich sollte deutsche und europäische Politik möglichst auch in dieser Richtung zu wirken versuchen – leider ist allzuoft das Gegenteil der Fall. - Es ist in der Tat auch eine Herkulesaufgabe, bei der es ganz sicher keine kurzfristigen und keine einfachen Lösungen geben wird.

RE: Das ZDF erklärt den Bahnstreik und scheitert | 10.05.2015 | 16:36

Der Beitrag von Dominique Schmidt bringt es auf den Punkt: Es ist unerträglich in welcher Weise unsere Mainstream- Medien, allen voran ARD und ZDF in Sachen Bahnstreik die Realitäten verschleiern und völlig einseitig die GDL und besonders Claus Weselky an den Pranger stellen (interessant dass die billigen „Argumente“ bzw. Unterstellungen – „eitler Selbstdarsteller… allein aus Machtinteresse agierend..:“ – hier auch in einigen Kommentaren wiedergekaut werden…).

Leider steht die ARD dem ZDF da auch in nichts nach. Auch Caren Miosga meinte ja Anfang dieser Woche in den Tagesthemen in bester Claus-Kleber-Manier dem GDL-Chef das, was sie für unbequeme Fragen hält, stellen zu müssen: „Wenn die deutsche Bahn wieder nicht auf Ihre Forderungen eingeht, werden Sie dann nach diesem bisher längsten Bahnstreik noch weiter streiken?“ – diese Frage stellt sie mit zur Schau gestellter Empörung tatsächlich 3mal (was für eine Antwort mag sie erwartet haben…?), statt mit Weselsky über die von ihm wiederholt angesprochenen Gründe und Hintergründe zu sprechen. Das gilt vermutlich in den Redaktionen von ARD und ZDF als kritischer Journalismus…! Und der Großteil der Bevölkerung bildet sich leider immer noch daran seine Meinung.

Wenns nicht so bitter wäre, wäre es zum Lachen gewesen.