Kommentare von Behrang Samsami

Behrang Samsami 07.04.2017 | 12:04

@Iranian

Danke auch für Ihren Kommentar. Allerdings vergleichen Sie mit Frankreich und Iran zwei Länder, die sich nicht vergleichen lassen. Ich selbst käme nicht dazu, diesen Vergleich zu ziehen. Er passt meines Erachtens auch nicht in diesen Kontext.

Worauf ich aufmerksam mache, ist die hierzulande fehlerhafte Gleichstellung von "Iranern" und "Persern". Der Iran ist ein Vielvölkerstaat. Das ist eine Tatsache, wie Sie selbst zugeben. Übrigens: Dass es einen Unterschied zwischen "Iraner" und "Perser" gibt, wissen auch nicht alle Perser.

Die Tatsache, dass der Iran ein Land mit vielen Ethnien ist, hat auch nichts mit Kleinstaaterei zu tun, wie Sie es insinuieren.

Der Vorwurf der Kleinstaaterei ist eher eine Reaktion, wie er typisch ist für bestimmte Gruppen unter den Persern, die gleich Separatismus und Abfall von Grenzregionen wittern, wenn sie hören, dass die nichtpersischen Iraner die gleichen Rechte fordern wie die Perser, d.h.: Unterricht in eigener Sprache und die Pflege eigener Kultur. Das ist das Recht jeder Ethnie. Darüber herrscht international Einigkeit.

Was den Pahlewi-Rassismus betrifft, ist er belegt. Das hat nichts mit Unsicherheit und Wissenslücken zu tun, wie Sie schreiben.

Behrang Samsami 07.04.2017 | 11:25

@Sikkimoto

Danke für Ihren Kommentar. Die Bezeichnung "aserbaidschanische Türken" ist ein Notbehelf, da es im Deutschen meines Wissens beisher keine bessere Bezeichnung für diesen Teil der Bevölkerung im Iran gibt.

Im iranischen Teil von Aserbaidschan leben größtenteils turksprachige und -stämmige Aserbaidschaner, neben Kurden, Juden und Christen (Armenier und Assyrer). Sie sind alle Staatsbürger Irans genauso wie die Perser, Belutschen, Zoroastrier etc im Land.

Was die "aserbaidschanischen Türken" betrifft, bezeichnet sich dieser Teil der iranischen Bevölkerung selbst als "Türken". Das kommt durch die sprachliche und kulturelle Nähe zu den Türkeitürken. Besonders augenfällig waren etwa die sprachlichen Gemeinschaften bis zur Sprachreform in der Türkei nach der Gründung der Republik.

Übrigens: Auch die Perser bezeichnen die iran-aserbaidschanischen Türken als "torki". Der iranische Außenminister Ali Akbar Salehi sprach im Januar 2012 bei einem Staatsbesuch in der Türkei davon, dass 40 Prozent der Menschen im Iran "turkish" sprechen würden. Hier der Link zu dem Statement: https://www.youtube.com/watch?v=KiiicAtcVDM

Behrang Samsami 29.07.2016 | 17:33

@Mago

Einige Entgegnungen zu Ihrem Kommentar:

1. Sie schreiben: „David S. ist in Deutschland geboren und nicht im Iran groß geworden, es ist also eher unwahrscheinlich, dass persischer Alltagsrassismus den Jungen in diese Richtung gelenkt hat. Er ist ein isolierter Einzeltäter und nicht das Produkt einer rassistischen iranischen Gesellschaft.“ Ob der Attentäter wirklich ein isolierter Einzeltäter war, werden die Ermittlungen zeigen. Rassistische Diskurse sind zudem nicht an das Heimatland der Familie gebunden, sondern bestehen auch nach der Auswanderung weiter – und können sich in der anfangs fremden Umgebung noch verstärken.

2. Sie schreiben: „Nein, der Punkt ist, ja man mag die Kadscharen nicht, aber aus dem einfachen Grund, dass sie sehr große territoriale Einbußen zu verzeichnen hatten und das Könige wie Fath Ali Khan wegen ihrer Dekadenz bekannt waren, aber sie wurden bestimmt nicht verachtet, weil sie von einem oghusischen Stamm kommen.“ Gebietsverluste und Dekadenz sind nachvollziehbare Gründe für Kritik oder sogar Ablehnung. In der Zeit der Pahlewis wurde die Ablehnung der Kadscharen allerdings stark mit rassistischen Argumenten und auch Unwahrheiten unterfüttert. Man sollte in diesem Kontext nicht vergessen, dass Reza Khan 1925 den letzten Kadscharen Ahmad Schah mit ausländischer Hilfe abgesetzt hat. Um das zu kaschieren und zugleich um die Rechtmäßigkeit der Absetzung zu betonen, unternahmen die Pahlewis alles, um ihre Vorgänger zu diffamieren. Das wirken bis heute.

3. Sie schreiben: „Der Rassismus im Iran ist ein typisches Phänomen von emotionalen und häufig ungebildeten Menschen, aber kein exklusiv „persisches“ Problem.“ Man wird – auch im Iran – nicht als Rassist geboren. Da, wo eine und konstruktive Diskussion nicht möglich ist, bleiben tradierte Bilder und Vorstellungen weiter wirksam. Für den Iran kann man nur hoffen, dass sich eines Tages die Möglichkeit ergibt, dass die rassistischen Parolen einer kritischen Untersuchung unterzogen werden und folgerichtig alle Ethnien im Land die gleichen Rechte erhalten – wie sie die Perser bereits besitzen.

Behrang Samsami 29.07.2016 | 16:33

@Peyman:

Einige Entgegnungen zu Ihrem Kommentar:

1. Dieser Hintergrundbericht ist ein journalistischer Beitrag und keine wissenschaftliche Abhandlung für ein Fachmagazin.

2. Sie schreiben: „Die heutige Jugend Irans z.B. kennt Hitler nur sehr oberflächlich. Das Thema wird nicht in den Schulen bearbeitet.“ Das ist ja eben das Problem. Hitlers "Mein Kampf" ist im Iran problemlos erhältlich. Aber mit Nationalsozialismus und dem rassistisch unterfütterten Arierkult der Pahlewis setzt man sich dort in Schulen nicht auseinander. Darum pflanzt sich diese Ideologie mit all ihren Vorurteilen gegen Nichtperser in den persischen Familien fort. Bestimmte Kreise, vor allem paniranistische Gruppierungen, befürworten und forcieren die Tradierung dieses falschen Denkgebäudes im Land.

3. Sie schreiben: „Den Hass lese ich als Kenner zwischen den Zeilen. Wie z.B. das Vortäuschen von Diskriminierung von Ethnien in der Zeit der Pahlavi-Ära. Jede Gruppe hatte und hat einen Vertreter im Parlament.“ Richtig ist, dass Minderheiten wie die Juden, Christen und die Zoroastrier jeweils einen Vertreter im Parlament hatten und haben. Aber halten Sie beispielsweise die Aserbaidschaner allen Ernstes ebenfalls für eine Minderheit? Irans Außenminister Ali Akbar Salehi hat bei einem Türkei-Besuch vor einigen Jahren gesagt, dass 40 Prozent der iranischen Bevölkerung „Türkisch“, also Aserbaidschanisch, sprechen würden. Dass dies ein „seriöser Fakt“ ist, sehen Sie hier: https://www.youtube.com/watch?v=KiiicAtcVDM

4. Sollte es auf Seiten der Iran-Aserbaidschaner Kritik geben, dann ist diese meines Erachtens nicht nur eine Reaktion auf eine jahrzehntelange Unterdrückung ihrer Sprache und Kultur, sondern auch auf Diskriminierungen. Ein Beispiel ist der iranische Karikaturenstreit im Jahr 2006, als ein Cartoonist einen beleidigenden Comic in einem Magazin veröffentlichte, in der ein persischsprachiges Kind mit einer Kakerlake spricht und diese auf Aserbaidschanisch antwortet. Lautstarke Proteste im Nordwesten des Landes waren das Ergebnis.

Behrang Samsami 04.06.2015 | 17:47

Lieber Herr Leusch,

vielen Dank für Ihren ausführlichen und kenntnisreichen Kommentar!

Was die Sterilisation betrifft, die auch Nicht-NS-Mediziner unterstützt haben, will ich eine kleine Ergänzung zu meinem Beitrag machen: Das "Internationale Ärztliche Bulletin", das "Zentralorgan der Internationalen Vereinigung Sozialistischer Ärzte", das zwischen 1934 und 1939 in Prag und Paris erschienen ist, hat die Entwicklungen auf diesem Feld in Nazi-Deutschland kritisch begleitet und diskutiert.

Beste Grüße, Behrang Samsami