Bildung?! Wo hast Du Dich versteckt?

Seid bereit? "Denk ich an Deutschland in der Nacht, dann bin ich um den Schlaf gebracht."
Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Immer wieder wird von unseren lieben Politikern propagiert, man müsse mehr in die Bildung investieren, die Jugend sei die Stütze der Gesellschaft und so weiter.

Ich möchte jetzt nicht über marode Schulgebäude oder steuerliche Anreize zum Kinderkriegen reden. Das wären Themen für sich. Ein andermal, vielleicht...

Nein, es geht mir um Erziehung und Bildung im "kleinen", eigentlichen Sinne. Auch hier beobachte ich eine Spaltung der Gesellschaft.

Einerseits sehe ich völlig überforderte, offensichtlich nicht betuchte Mütter und Väter mit einer Anzahl von Kindern tagsüber durch den Alltag stürzen, wobei offensichtlich Prioritäten bezüglich der Verwendung der knappen Mittel gesetzt werden. Kippen, Bier, Tätowierungen und sonstiger "Körperschmuck" scheinen hier Vorrang in der Liste der notwendigen Ausgaben zu haben.

Andererseits beobachte ich Übereltern, die nach erfolgreichem Karrieregang mit Ende 30 in die Kinderplanung eintreten und ihren Sprösslingen eine 80-Stunden-Woche mit Ballett- und Klavierunterricht und/oder Sportverein zumuten, nachdem sie 17 Uhr aus der Ganztagsschule zu eben diesen "Freizeitaktivitäten" gekarrt werden.

Immerhin gibt es bei den letztgenannten Kindern abends noch einen leichten Bio-Salat, bei ersteren nichts oder Chips vor der Glotze.

Früher war das anders!

Ich wünsche mir jetzt nicht das Plumpsklo zurück, weil es Ressourcen schont und akzeptiere natürlich, dass sich Zeiten geändert haben.

Dennoch plädiere ich ausdrücklich für das Modell der Entschleunigung, gerade und besonders auch in der Erziehung und Bildung.

Mein zweites Plädoyer gilt der Disziplin. Ja, der Disziplin. Verbunden mit Achtung, Respekt und Werteverständnis.

Für beide Voraussetzungen eines gesunden Heranwachsens wird seitens der Politik und seitens der Eltern so wenig getan, dass es sich schon jetzt bitterböse rächt, da die jungen Erwachsenen, die um 1990 geboren sind, nunmehr bereits in verantwortungsvolle Positionen aufsteigen, was sich in der Fehlerquote der Entscheidungen und der Qualität in der gesamten Wirtschaft einschließlich der Verwaltung deutlich äußert.

Es ist eine Zumutung, was Kinder heute im Alltag an Informationen, Wegen, Demütigungen bewältigen müssen. Vielfach gesteuert von Wachstumswahn, Konkurrenzdruck, aber auch vom staatlichen Sparzwang.

Was nützt es zum Beispiel, wenn man ab Mitte 2013 einen KiTa-Platz garantiert, aber keinerlei Plan hat, wie das tatsächlich funktionieren soll? Hier müssen Systeme aufgebrochen und entbürokratisiert werden! Eine alleinerziehende Mutter ohne Arbeit benötigt keinen KiTa-Platz, solange sie nicht arbeitet. Dieser ist ihr dann kurzfristig und unbürokratisch bereit zu stellen, sobald sie einen Job in Aussicht hat.

Tagesmuttis im Crash-Kurs aus dem Boden zu stampfen, ist auch keine Lösung.

Ich selbst habe in den 70er Jahren einen Kindergarten in Dresden besucht. Und wir haben keineswegs den ganzen Tag mit Panzern gespielt, wie teilweise vermutet wird. Im Gegenteil: wir haben viel musiziert und Theaterstücke eingeübt. Musikunterricht war Bestandteil der Ausbildung zur Kindergärtnerin.

Ja, wir haben in der Schule zu bestimmten Anlässen ein weißes Hemd mit blauem und später rotem Halstuch tragen müssen. Und montags war Appell, glaube ich mich zu erinnern. Radikal oder militaristisch sind wir dadurch bestimmt nicht geworden! Auch Systemtreue konnte so nicht erzwungen werden. Es war eine Form der Disziplin, die jungen Menschen mit Sicherheit nicht schadet.

Auf der Suche nach einer weiterführenden Schule für meinen Sohn habe ich mir dann auch eine Waldorfschule angeschaut. Das war mir dann doch zu wenig...

Dieser Beitrag soll eine Anregung zum Gespräch sein, zu dem ich Euch herzlich einlade :-)

02:36 10.04.2013
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Kommentare 8

Avatar
Ehemaliger Nutzer | Community