Wann wird Kino politisch?

Filmfestival Zeitgleich zur 67. Berlinale startet in Berlin die dritte Woche der Kritik. Sie versucht, das politische Kino in den Fokus zu rücken
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Unter dem Titel „Lost in Politics“ findet in Berlin zum dritten Mal die "Woche der Kritik" statt. Im Windschatten der Berlinale verfolgt dieses Filmfestival sein ganz eigenes Programm und will sich bewusst abgrenzen. Vom 9. Februar bis zum 16. Februar werden im Hakeschen Höfe Kino jeden Abend Filme gezeigt – doch vor allem soll diskutiert werden, über das Politische im Film.

An politischen Filmen hat es in der Vergangenheit nicht gemangelt. Längst hat die Gesellschaftskritik wieder Einzug in das internationale Kino erhalten. Viel Geld trieben Filme wie The Big Short oder The Wolf of Wall Street in die Kassen von Hollywood. In Deutschland zeichnete die 66. Berlinale Gianfranco Rosis Fuocoammare, der die Flucht über das Mittelmeer dokumentiert, mit dem Goldenen Bären aus und auch dieses Jahr wurde Ken Loachs I Daniel Blake von vielen Kritiker*innen gefeiert. Das Kino strotzt nur so von politischen Themen. Doch wird es somit automatisch zu einem politischen Kino?

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Nein, meint der Leiter des Festivals Frédéric Jaeger auf der Eröffnungsdiskussion am Mittwochabend. Längst werde das Politische vorgeschoben und diene als Etikett zur reinen Vermarktung. In Zeiten in denen Politik als Verkaufsschlager gilt, verliert man sich im politischen Kino. Über diese Diskrepanz – Politik als Thema und politisches Kino – will das Format Woche der Kritik diskutieren. Am Mittwochabend hatte sie dafür zur Auftaktkonferenz Filmemacher*innen und Filmkritiker*innen eingeladen. Moderiert von dem Filmkritiker Rüdiger Suchsland ging es um die Frage, wie man politisches Kino machen kann, ohne dabei das Kino zur Politik zu machen. "Es geht beim politischen Kino nicht um Form und Inhalt", so Alexander Düttmann von der Universität der Künste, "vielmehr muss von einem Film ein Impuls ausgehen, der den Zuschauer berührt, aufreibt und ihn anregt etwas zu tun".

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Diesen Impuls hofft auch die Woche der Kritik geben zu können. Eröffnet wird das Filmprogramm am Donnerstagabend mit The Human Surge des Argentiniers Eduardo Williams. Der Film ist eine wilde Reise durch Argentinien, Mosambik und die Philippinen auf den Spuren eines jungen Erwachsenen. Dabei erkundet die Kamera immer wieder Hinterräume, Winkel und Nischen, die eigentlich vor dem Blick des Zuschauers geschützt sein sollten. Weltpremiere feiert im Rahmen des Festivals am 12. Februar Mike Otts neuer Film California Dreams. Hier begibt sich der junge Schauspieler Corey auf die Suche nach seiner Rolle in der Welt. Gespielt von Corey Zacharia verwischt der Film immer wieder die Grenze zwischen Realität und Fiktion und überlasst die Einordnung dem Zuschauer.

Doch das Festival will nicht nur den Film in den Mittelpunkt stellen, sondern auch zur Diskussion anregen. Mit unterschiedlichen Gästen findet an jedem Abend eine Debatte über die gesehenen Film statt. Denn vielleicht ist nicht der Film das Politische, sondern die Diskussion, die er eröffnet.

Info

Die Woche der Kritik zeigt vom 09. bis zum 16. Februar Filme im Hakeschen Höfe Kino in Berlin.

Am Donnerstagabend um 20 Uhr startet das Programm mit dem Film
The Human Surge von Eduardo Williams.

Weitere Infos findet man auf der Seite des Filmfestivals

15:45 09.02.2017
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Geschrieben von

Benjamin Zimmermann

Onliner | mit 'nem Faible für #propagantainment und #mainstreammedien
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Benjamin Zimmermann

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