Ein Schelm

Politisch neugierig und mit Amusement beobachtend, wie man als undogmatischer Marxist innerhalb von 40 Jahren vom Mainstream zum skurrilen Außenseiter zum Semi-Mainstream werden kann
Schreiber 0 Leser 0
Avatar
RE: Wie ein Demagoge Netzaktivisten bekehrt | 05.05.2013 | 10:34

Lammert hat deswegen in seinen Behauptungen überwiegend recht, weil er auf etwas verweist, was viele Linke augenscheinlich nicht wahrhaben wollen oder (bewusst?) ignorieren: moderne Gesellschaften sind immer pluralistisch, woraus folgt, dass JEDE Form von politischer/sozialer/gesellschaftlicher/kultureller Betätigung Interessenvertretung ist.

Genau das stört mich auch bei vielen Verfechtern plebiszitärer Demokratie: die Behauptung, nicht etwa (natürlich legitime!) Interessen zu vertreten, sondern das Gemeinwohl. Jeder, der so etwas behauptet, müsste sofort vom Acker verjagt werden, denn darin lauert schon mindestens eine autoritäre Gesinnung.

Jedes Interesse, das nicht mit Gesetzen oder der Verfassung kollidiert, ist per se legitim, sofern es offen auftritt. Daher ist im Gegensatz zu den häufigen Behauptungen auch hier nicht der Lobbyismus das Problem, denn ALLE Interessenvertreter sind legitime Lobbyisten, auch NGOs, die uns sympathisch sind. ;-)

Das Problem sind Intransparenz und Interessen(gruppen), die nicht ohne weiteres konfliktfähig sind, wie Alte, Kinder, Kranke etc.

Nebenbei bemerkt: die Anerkennung eines (notwendigen) Kernelements moderner Gesellschaften, egal wie sie im einzelnen verfasst sind, ist nicht notwendigerweise positivistisch. ;-)

RE: Ermittlungen gegen Gysi: Regt euch nicht auf! | 12.02.2013 | 08:12

Diese Diskussion hier geht meiner Ansicht nach an dem entscheidenden Punkt vorbei: Die CDU ist massiv daran interessiert, dass nur 3 oder 4 Parteien in den Bundestag kommen, denn das ermöglichte ihnen entweder eine Fortsetzung der bisherigen Koalition oder gar eine absolute Mehrheit. Daher wird man mit allen (auch schmutzigen) Mitteln versuchen, die Linkspartei irgendwie unter 5% zu drücken. Business as usual eben ...

RE: Die Mitarbeiterin des Monats | 31.01.2013 | 01:49

Diese Art von Diskussion ist doch schon drölf Mal geführt worden - das Ende ist meist, dass man das sieht, was man sehen will.

Um eine naheliegende Parallele anzuführen: Antikriegsfilme sind notwendigerweise auch Kriegsfilme, so dass immer die Möglichkeit besteht, affirmativ auf einen Film zu reagieren.

Für MICH ist der Film kalt und lakonisch, und da ich Fr. Bigelow unterstelle, dass dies auch so gewollt ist, "lese" ich ihn als Kritik am Verlust der amerikanischen Werte, also als Bestandteil der inneramerikanischen Auseinandersetzung über den "Krieg gegen den Terror".

Aber vielleicht sehe auch ich nur, was ich sehen will ... ;-)

RE: Eine Bank lenkt die Welt. Und Draghi hilft. | 28.01.2013 | 02:22

Lloyd Blankfein (CEO GS) wird mir stets in guter Erinnerung bleiben, denn immer wenn man denkt, es gehe nicht schlimmer oder dreister, kommt so einer daher und gibt ein Interview, in dem er den Empfang der ultimativen Weihe und Legitimation erklärt: "I'm doing God's work!"

Leider hat er das dann später als Missverständnis oder Scherz (habsch vergessen) deklariert - wo kommen wir denn dahin, wenn selbst solche Menschen einknicken? Ich glaube, ich bleibe beim Papst, der sagt immer die Wahrheit ... ;)

RE: Air Force One | 23.12.2012 | 10:16

Sie haben recht, mopperkopp - aber manchmal geht es einfach nur um Sport. ;-)

RE: Schnodder und Rotz - Hausmittel | 05.11.2012 | 00:06

Ich bekomme merkwürdigerweise nie (alle 10 Jahre?) im Winter Schnupfen oder grippale Infekte, sondern recht regelmäßig im Frühsommer; auch da würde ich aber eher Psychosomatik vermuten.

Ordinärer Schnupfen wird von mir ignoriert und höchstens mit Nasenspray/Salzwasser 1-2x pro Tag gemildert.

Der ekelhafte Infekt hingegen wird totgeschlafen, mindestens 18 Stunden/Tag plus große Mengen an Tee und Wasser in den Wachphasen. Ich bin da mittlerweile konsequent und lasse mich immer krankschreiben.

Ich habe seit kleinster Kindheit meine Oma im Ohr ("mit Medikamenten aller Art dauert es 7 Tage, ohne eine Woche") und habe in der Tat nie eine erfolgreichere Methode als den Schlaf gefunden.

Weinszteins Methode ist zwar sensationell und Balsam für die Seele, aber wenn ich krank bin, bin ich zu faul dafür. ;-)

RE: Arbeitsscheu Agentur | 03.09.2012 | 21:26

Lapis, auch hier gilt: sowohl das Wort "Parasit" als auch der Zusammenhang hätte nicht der Nazis bedurft, um wirkmächtig zu werden.

Die sozialdarwinistischen Vorstellungen von "Volkshygiene" etc., die ab Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden, waren extrem populär in ganz Europa, die Verbindung einer beliebigen unerwünschten Minderheit mit dem Begriff "Parasit" war gang und gäbe, besonders hinsichtlich der Juden.

Schon Luther bezeichnete die Deutschen als Wirtsvolk der Juden, auch wenn er den Begriff "Parasit" meines Wissens nicht benutzte.

Verstehen Sie mich bitte nicht falsch, Ihr Hinweis ist ja korrekt, aber mich stört diese häufige Verengung auf den deutschen Faschismus, meist auch gern als Keule gebraucht, obwohl aus ideologischer Sicht fast nichts neu oder originell oder ungewöhnlich war.

Die Eugenik etwa war in vielen Ländern "wissenschaftlicher" Standard und gängige Praxis; in den USA wurden z.B. VOR 1933 ca. 200.000 Menschen zwangssterilisiert.

RE: Arbeitsscheu Agentur | 03.09.2012 | 16:41

Lieber Paul Duroy,

vielen Dank für diese Analyse, ich teile sie fast vollständig.

Allerdings sind Rückgriff und Verweis auf den deutschen Faschismus eher ärgerlich, da dies mehr verdeckt als enthüllt. Disziplinierung durch Arbeit als Herrschaftstechnik und -instrument zieht sich wie ein roter Faden durch die Menschheitsgeschichte; die Nazis waren da weder originell noch beispielhaft.

Erinnert sich noch jemand an Franz Müntefering? "Nur wer arbeitet, soll auch essen!" Mit diesem (wenn ich recht erinnere, auch noch ironischerweise falschen Bibel-) Zitat dürfte Müntefering innerhalb der Linken mehrheitsfähig sein.

Etwa das bedingungslose Grundeinkommen findet nirgendwo eine Mehrheit - nicht in der SPD, nicht bei den Grünen, nicht in der Linkspartei und schon gar nicht in den Gewerkschaften. (Verzeihung, dass ich all diese unter "links" subsumiert habe - ich schwöre, ich hatte die Finger hinter dem Rücken gekreuzt! ;-))

Die historisch verständliche Fixierung der Arbeiterbewegung auf (Erwerbs)Arbeit führte in der Praxis z.B. der realsozialistischen Länder nicht wirklich zu zivilisatorischem Fortschritt.

Daher rate ich zu Vorsicht - nur weil die Nazis auch gefrühstückt haben und Frühstück auch Frühstück genannt haben, ist Frühstück nicht zwangsläufig faschistisch. ;-)

RE: Die armen Kapitalistenkinder | 27.06.2012 | 08:41

http://www.faz.net/aktuell/rhein-main/einzelhandel-gute-schlecker-loehne-als-vermittlungshemmnis-11687403.html

http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/schlecker-zahlt-tariflohn-zoff-vom-tisch-1.953121

Wir bzw. Sie reden in Ihrem Blog über die geforderten 15% Lohnverzicht, die sich aber wiederum auf den Tariflohn beziehen, der zu dem Zeitpunkt bereits bestanden hat.

Da ich selbst davon sprach, dass dies ein Ergebnis jahrzehntelangen Kampfs der Gewerkschaft war, fällt Ihr Vorwurf der Demenz lediglich auf Sie selbst zurück. Wenn Sie lieber Beleidigungen wählen statt Argumente, so ist das Ihre Entscheidung. Allerdings bitte ich doch darum, auf das "Du" zu verzichten - ich pflege mir meine Freunde selbst auszusuchen ... ;-)

RE: Die armen Kapitalistenkinder | 25.06.2012 | 05:20

*schmunzelt* Wenn man sich schon auskotzt, sollte man wenigstens wissen, worüber man redet. Schlecker hat mindestens nach Tarif, häufig darüber bezahlt (was konkret bei Vollzeit und Berufserfahrung > 2.200 € brutto hieß), natürlich wegen jahrzehntelangen Drucks der Gewerkschaft.

Ansonsten zeigt mir Ihr Beitrag nur, dass das gesunde Volksempfinden auch auf der "linken" Seite wunderschöne Blüten hervorbringt.