Das Spiel um Platz 1

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"Es war die WM des einfachen Fußballs", sagte Béla Réthy nach einem Finale, das sich nahtlos in die Reihe der unspannenden Endspiele, die seit 1990 langsam die Überhand gewonnen haben, ein. 1:0 nach Verlängerung für Spanien gegen die Niederlande.

1990 war es ein Elfer von Andy Brehme, der entschied.

1994 war es ein verschossener Elfer von Roberto Baggio, der entschied.

2002 war es ein Fehlgriff von Oliver Kahn und Ronalda stand gerade im Weg.

2006 war es ein verschossener Elfer von David Trezeguet. Vielleicht noch die Zidane'sche Kopfnuss.

Der Fußball gewinnt an Qualität und verliert an Klasse. Je höher das Niveau der Mannschaften, umso ähnlicher die Spielweise, die Taktik, die individuellen Fähigkeiten. 1998 war es die Viererabwehrkette, die als Neuigkeit gepriesen wurde und den Libero, nicht zu Unrecht, als Romantik verklärte. Als Otto Rehagel im Vorrundenspiel 2010 gegen Argentinien Manndeckung spielen ließ, stürzte er schon fast Maradona. Schön war das aber auch nicht.

Es ist einfach, sich in einem Weblog darüber zu echauffieren, dass ein gefühlter Wert in einer Mess-Kategorie gesunken wäre. Trotzdem mache ich es. Im Hype um Fan-Meilen, Diskussionen mit Sommer-Turnier-Fans und unsinnigen "Partyotismus-Debatten" geht fast verloren, dass der Fußball, wie wir ihn heute sehen, sein Limit fast erreicht hat und damit immer vorhersehbarer und unattraktiver wird.

Wenn man das verhindern möchte, können auch Tretorgien dabei herauskommen. Das ist unschön und, wie im Falle der Niederlande, unwürdig. Immerhin war das Tor von Iniesta ganz schön anzusehen. Die nächste "Fußball-Revolution" kommt aber bestimmt.

23:34 11.07.2010
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Geschrieben von

bergkamp

bergkamp liest mit Vorliebe Tageszeitungen (einmal die Woche), Wochenzeitungen (einmal die Woche, im Schnitt) und Sportzeitschrifen. Wenn mal gerade nicht Fußball-WM oder Finanzkrise ist, beschäftigt sich bergkamp auch mit ganz alltäglichen Dingen.
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walter-ter-linde | Community