Moderner Fußball und so - am Ende treffen die Verteidiger

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Aus, vorbei. Die Weltmeisterschaft nicht, aber die deutschen Ambitionen auf den vierten Titel. Wie im EM-Finale 2008 lautete der Gegner Spanien und das Endergebnis 0:1, wieder waren es Sekunden, die das Spiel entschieden haben. Persönlich denke ich, dass zwei Ereignisse für das Endergebnis ausschlaggebend waren:

1. Die Gelbsperre von Thomas Müller
2. Der Wechsel von Torres zu Pedro bei einer taktischen Umstellung im spanischen Team

Müller ist im Gegensatz zu Trochowski der bessere Konzept-Fußballer und auch bessere Konter-Stürmer in Löws Truppe und hat gestern definitiv gefehlt. Richtig schade, dass Müller mit zwei eher fragwürdigen Gelben Karten pausieren musste.

Die Umstellung im spanischen Team, weg von Torres hin zur Barcelona-Entdeckung Pedro, war wohl der kluge Schachzug, der das Spiel gewonnen hat. Torres wirkte in den vergangenen Spielen als Hemmnis im spanischen Spiel, fast als Klotz am Bein. Mit Villa als nomineller Spitze und Pedro, der auf dem ganzen Feld präsent war, setzte del Bosque die deutsche Mannschaft so unter Druck, dass die Entlastungsangriffe fast komplett unterbunden wurden.

Das war’s schon.

Das Team von Vincent del Bosque, wohl nicht mehr und nicht weniger als die aktuell beste Mannschaft der Welt, spielt einen eigentümlichen Fußball, den Jogi Löw nach dem verlorenen EM-Finale sofort versuchte, in die deutsche Elf zu übernehmen. Kein Wunder, wenn die Grundformation bei beiden auf dem Papier ein 4-5-1 ist. Entscheidend im spanischen Fußball 2010, so denke ich, ist das “Zermürben” des Gegners. Keine andere Topmannschaft hat während aller Spiele so oft erst in der zweiten Halbzeit das Spiel gewonnen. Spanien verrennt sich nicht 90 Minuten in den Gegenspielern, Spanien hält den Ball, baut vor dem gegnerischen Strafraum fast schon ein Netz auf und wartet so lange, bis sich die Lücke zum tödlichen Pass ergibt.

Die deutsche Mannschaft hat diese Taktik gestern ausgehebelt und diese Räume meist versperrt. So waren die Spanier gezwungen, es mit harmlosen Schüssen aus der zweiten Reihe zu probieren. Deutschland musste eben, da sie den Spaniern nacheifern, der spanischen Spielweise beikommen, indem sie alles neutralisierten. Am Ende entschied eine Standardsituation. Carles Puyol, der Verteidiger, an den keiner dachte. Vielleicht die Ironie des Ganzen.

15:24 08.07.2010
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Geschrieben von

bergkamp

bergkamp liest mit Vorliebe Tageszeitungen (einmal die Woche), Wochenzeitungen (einmal die Woche, im Schnitt) und Sportzeitschrifen. Wenn mal gerade nicht Fußball-WM oder Finanzkrise ist, beschäftigt sich bergkamp auch mit ganz alltäglichen Dingen.
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