Sportrhetorisches (1): Vom Verlieren

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Seit dem WM-Aus der Deutschen Mannschaft (siehe hier) ist etwas zurückgekehrt, was auch den Sportjournalismus überflutet: Die Niederlagen-Rhetorik.

Der FOCUS-Autor Daniel Müksch schreibt kreidet die "mutloseste Niederlage der DFB-Elf" der "Angst vor der eigenen Courage" an. Der Südkurier und die Lübecker Nachrichten verwenden ebenfalls das Adjektiv "mutlos" für die Beschreibung des Auftritts der Löw-Schützlinge in Durban.

Die Beschreibung einer "mutlosen" Spielweise ist noch halbwegs verständlich. Will meinen: Die Mannschaft vermied risikoreiche Vorstöße, hatte eine eher defensive Grundausrichtung, kam zu wenigen Chancen. Leuchtet ein, auch wenn die Frage bleibt, ob es wirklich viel mit Mut zu tun hat, den Ball öfters nach vorne zu spielen.

Eher unfreiwillig komisch ist die "mutloseste Niederlage" von Müksch. Wer keinen Mut hat, hat keinen Mut. Steigern lässt sich das nicht. Und ob die Niederlage, also das Spielergebnis keinen Mut besitzt, ist eine Frage, die sich auf einer metaphysischen Ebene abspielt. Als Überschrift ist das nur bedingt tauglich.

Interessant ist auch die "Angst", der "Respekt" nach Niederlagen. Der Respekt wurde von der Presse vor dem Spanien-Spiel angesprochen: Habt nicht zu viel Respekt vor dieser Mannschaft! Nach der Niederlage vollzieht der maskuline Respekt dann eine eindrucksvolle Wandlung hin zur femininen Angst. Die Angst bedeutet nichts anderes als Schwäche, ein Wort, das für die euphorisierende Berichterstattung der vergangenen Wochen dann vielleicht doch zu heikel war. Sagen wir es lieber durch die Blume.

Was Müksch allerdings mit "Angst vor der eigenen Courage" meint, bleibt dem Leser verborgen. "Courage" ist die französische Übersetzung von "Mut" - wir erinnern uns, die Eigenschaft, die Müksch in seiner Überschrift der Niederlage abspricht, wohl die DFB-Elf meinend. Wer Angst vor etwas hat, was nicht da ist, kann am Ende nur verlieren.

18:49 09.07.2010
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Geschrieben von

bergkamp

bergkamp liest mit Vorliebe Tageszeitungen (einmal die Woche), Wochenzeitungen (einmal die Woche, im Schnitt) und Sportzeitschrifen. Wenn mal gerade nicht Fußball-WM oder Finanzkrise ist, beschäftigt sich bergkamp auch mit ganz alltäglichen Dingen.
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