RUS II: Der zweite Blick

Leben in Russland - fast schon wieder abgereist, lernte ich überraschend Schönheiten und Anziehendes kennen
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Fremdes Land mehrt den Verstand

(russisches Sprichwort)

Nach den ersten etwas unglücklichen Russischen Tagen, nahm ich mir also vor, etwas offenherziger allem zu begegnen - und mich mehr zu erkundigen und auszutauschen. Ich war voll negativer Erfahrungen und Bilder, meine Speicher für schöne und positive Erlebnisse blieben bisher leer.

RUS I: Der erste Kontakt

Der zweite Blick

Endlich Lachen | Gastfreundschaft | Weite | Schönheit | Lebensfreude | Warmherzigkeit

Zum Glück standen ein Ausflug an, eine private Einladung nach Hause und ein Fest. Meine Gastgeberin hatte zum Wochende viel Zeit, ich lernte Freunde kennen, unternahm mehr, machte Ausflüge erlebte die Menschen näher und privat, erfuhr Gastfreundschaft und konnte zufällig kleinen und grossen, sympathischen und fröhlichen Stadtfesten zum Geburtstag und zum Jahrestag der Schlacht um Stalingrad beiwohnen. Nach 4-5 Tagen konnte ich endlich einer meiner drängensten Fragen und fast grösstes persönliches Problem im Umgang mit den Russen auf den Grund gehen.

Russische Umgangsformen und Mentalität

Warum lächelt hier niemand?

Auf mich machten die Menschen in Volgograd nicht unbedingt einen freundlichen Eindruck. Im Vergleich zu Deutschen scheinen die Russen wenig zu lächeln.

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Dies bemerkt man vor allem bei Russen, mit denen man noch nicht bekannt ist. Dies habe einen einfachen Grund lernte ich auf meine Nachfrage:

Während in Deutschland und vielen anderen Ländern ein Lächeln bei der ersten Kontaktaufnahme Freundlichkeit und Offenheit signalisiert, fehlt diese Bedeutung im russischen Umgang miteinander. Fremde Personen werden nicht angelächelt. Ein Lächeln wird von einem Fremden einfach nicht erwartet. Das gilt auch für Personen mit Kundenkontakt wie zum Beispiel Verkäuferinnen, die so leicht einen in unseren Augen unfreundlichen Eindruck machen.

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Das höfliche Lächeln eines Fremden kann sogar als bedrohlich empfunden werden. Der russische Ausdruck он из вежливости улыбнулся, “er lächelte aus Höflichkeit”, ist negativ zu verstehen, die Person lächelt ausschließlich aus Gründen der Höflichkeit, nicht aufgrund einer echten Empfindung, daher ist Misstrauen angebracht.

Im russischen Umgang miteinander drückt ein Lächeln vielmehr Zuneigung aus, so dass es für Fremde nicht in Frage kommt. Das russische Lächeln muss man sich sozusagen verdienen.

http://www.pravda-tv.ru/wp-content/uploads/2014/01/01f39a36db30d8da1953b4e9f7b-740x561.jpgСмех без причины - признак дурачины. “Lachen ohne Grund ist ein Merkmal des Narren.” Und mehr noch: Auf einen Russen kann ein Lächeln feindseelig wirken oder spöttisch.

Das häufige oder andauernde Lächeln von Ausländern wird auch als дежурная улыбка (Lächeln vom Dienst) oder хроническая улыбка (chronisches Lächeln) bezeichnet.

http://t2.gstatic.com/images?q=tbn:ANd9GcQTxuuI8tEQBjddBbDAfylVwyEFanConYYPSVg6DGZj3Y3VaJzpWas wir also als mangelnde Höflich- oder gar Unfreundlichkeit auslegen, ist für Russen eher Aufrichtig-und Ehrlichkeit. Wenn eine Russe lächelt, hat es etwas zu bedeuten. commbehavior.narod.ru

Auf den ersten Blick wirken russische Umgangsformen und Mentalität also verschlossen und für unsere Gewohnheiten gar unfreundlich. Selbst im Lift grüsst man Fremde eher nicht, lächelt nicht. Frauen müssen sich zudem daran gewöhnen, dass sie mit vielfältiger Aufmerksamkeit behandelt werden, aber die Hand geben Russische Männer ihnen nicht ...

Erst wenn eine Beziehung persönlich wird, öffnen Russen sich, können von Herzen lachen und zeigen Gefühle und eine besondere Warmherzigkeit.

Neureiche Groß- und Klein-Oligarchen- oder Mafia-Familien - so erzählten mir einige Russen beschämt - meinen hingegen, ihren Egoismus, ihre kriminellen Rücksichtlosigkeiten, Vordrängeln, Ellenbogen, Arroganz, mit denen sie in RUS aufgestiegen sind, sogar bei ausländischen Urlauben ausleben zu müssen. Erst in den letzten Jahren können sich auch "normale" Russen, der wachsende nicht-kriminelle Mittelstand diese Urlaube leisten.

Ausflug in die Weiten RUS

Farben | Ruhe | Gespräche | Nähe | Offenheit |

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Wasserkraftwerk Volgograd

Wir unternahmen gemeinsam als erstes einen Ausflug in die nähere Umgebung, vorbei am grössten Wasserkraftwerks Europas (Foto) ... Sonntagsausflüge von 300km Entfernung gelten als Nachbarschafts-Besuche ... Natur kann entspannend sein und Nähe schaffen für Gespräche ... ich lernte 2 Freunde kennen und wir unterhielten uns über meine Eindrücke ... und über ihre Meinungen zu RUS ...

Ich warf vorsichtig meine negativen Erlebnisse ein ... Korruption, Schlaglöcher, hässliche Plattenbauten, Müll, heruntergekommene Häuser, ... ganz vorsichtig ... Ich hatte bei meiner Freundin gelernt:

Kritisiere nicht (oder nur zurückhaltend) Russland allgemein, Bürokratie, Korruption, Alkoholkonsum usw. ... sonst machst Du Dich schnell sehr unbeliebt. Die Russen sind stolz auf ihr Land – das größte der Erde. Sie lieben es. Natürlich kennen und hassen sie die vielen Probleme, die es gibt. Sie selbst untereinander kritisieren und schimpfen auch häufig und äusserst heftig darüber. Aber wehe, Ausländer tun dies. Dann fühlen sie sich verletzt und verteidigen ihr Land mit allem, was sie aufbringen können.

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Wolga-Don-Kanal

Aber ich brauchte ja nur vorsichtig die Stichworte zu geben, und die Kritik kam von allein aus den beiden Russen herausgesprudelt. Zum ersten Mal hörte ich diese Beschwerden ...

"in der Sowjetunion war es besser, heute ist alles vor die Hunde gegangen, Bildung, Medizin, schau dir doch die Strassen an ... alles kaputt, überall Müll ... nachts kann man sich kaum noch auf die Strasse wagen ... die Armen leben viel schlechter als früher, haben viel weniger" ... "alles Verbrecher da oben, Gorbatschow hat uns alles genommen und Jelzin war der schlimmste von all den Verbrechern" ... ich wollte das kaum glauben ...

"Putin?" fragte ich ..

"Ach, ... laut Forbes hat der auch 40 Mrd. $ gestohlen" ...

"Und Demokratie?" fragte ich ... schallendes Lachen.

"Demokratie? Dermokratie heisst das bei uns ... von дерьмо́ die Scheiße [vulg.]" ... "sicher ist Demokratie ein schönes Ideal ... aber was willst du machen, wenn alle, die das Volk wählt, ohnehin nur an sich denken und machen, was die Oligarchen wollen ... Demokratie in RUS bedeutet doch nur, dass du bestimmst, wer das Geld bekommt, damit er das macht, was den Oberen nutzt. Egal, was du machst, wen du wählst, als Volk bleibst du immer in der Scheisse." ...

"Gibt es denn keine Guten?"

"was glaubst du, wie lange einer überleben würde, der wirklich für das Volk gegen die Oberen arbeitet?" ... überleg doch mal was passiert, wenn einer wie Petuchow1 wirklich mal was für das Volk macht?... er wird einfach umgebracht ... oder ... xyz ... oder kritische Journalisten wie zxy ... oder die Politkowskaja ...?

Viel später laß ich einen Kommentar in der Rossijskaja Gaseta, Amtsblatt der russischen Regierung, musste an Wanja denken, und war erstaunt, diesen Fatalismus auch gedruckt zu finden:

"Es ist eine traurige Sache mit der Gerechtigkeit in Russland. Eigentlich müsste man fast die gesamte politische und wirtschaftliche Elite des Landes einsperren, inklusive zahlreicher Figuren, die heute Opposition spielen. Aber das geht natürlich nicht. Wer soll denn dann das Land regieren?"

Wie zur Bestätigung Wanjas Thesen und Ermahnung erreichen wir an dieser Punkt der Unterhaltung, in der Nähe Volgograds direkt an der Wolga, eines der wohl grössten Lenin-Denkmäler RUS.

http://de.academic.ru/pictures/dewiki/77/Monument_to_Lenin_at_the_entrance_of_the_Volga-Don_canal._Volgograd_002.jpg27-Meter-Skulptur von Lenin. Die Gesamthöhe 57 Meter.

"Ich bin froh, dass die Sowjetunion zu Ende gegangen ist, ich war lange in Deutschland, konnte reisen und arbeite heute international im IT-Bereich.." erzählt Wanja ... "aber für viele ist es schwer, sie haben viel verloren, manche alles, und da war niemand, wie bei Euch, der geholfen hat. "

Auf der Fahrt hierher waren in der Tat ziemlich viel дерьмо́ zu sehen ... das Land um Volgograd macht ohne die modernen Gebäude der Stadt und durch viele abbruchreife "Hütten" einen noch ärmlicheren Eindruck... auch wenn es oft einen gewissen Charme entwickelt.

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Eine Babuschka verkauft Engelsflügel vor einem Wodkaladen in Uryupinsk in der Region Wolgograd. © petr lovigin, 2012, Courtesy Clair° Galerie

http://farm8.staticflickr.com/7203/7020002907_c0225d4edb_b.jpg© petr lovigin, 2012

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© petr lovigin, 2012

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© petr lovigin, dans la rue a krasnoslobodsk”, 2010 [region de volgograd]

Besonders auf dem Russischen Land ist die Lage wohl noch nicht viel besser geworden, herrscht immer noch ziemliche Depression. Ich erinnerte, was ich 2003 in Die ZEIT gelesen hatte:

Wer in Priorzernja die russische Seele sucht, wird eine gedemütigte, verzweifelte, sehnsüchtige finden. Früher, da war Kommunismus, und das war ein Segen fürs einfache Volk. "Wir sind das einfache Volk", sagt Fjodor. Früher gab es Wohnung, Schule, Studium. Alles umsonst. Da blühten Wissenschaft und Medizin. Da kannte man keine Drogen und wusste nichts von Mord auf Bestellung. Breschnjew ist der Held des einfachen Volkes, Gorbatschow der große Verbrecher. Nach der Perestrojka sei alles niedergegangen. Wer einen kleinen Garten in die "Scheißokratie" retten konnte, durfte von Glück reden.

1Der Bürgermeister von Neftejugansk Wladimir Petuchow wurde 1998 am Geburtstag von Michail Chodorkowski – am 26. Juni erschossen. In 1997 hat YUKOS mit Massenentlassungen der Arbeiter begonnen und wohl illegale Besteuerungsoptimierung benutzt. Die Vorgesetzten der Steuerinspektion Neftejugansk und der Steuerinspektion des Bezirks Hanty-Mansijsk unternahmen aber nichts. Daraufhin hat Petuchow den Hungerstreik erklärt und von Yukos verlangt, den angesammelten Rückstand in Höhe von 1,2 Trillionen Rubel zu tilgen. Der Gouverneur von Hanty – Mansijsk versprach Aufklärung. Jedoch wurde der Petuchow wenige Tage später erschossen. Vom Volk wurde das als “ Geschenk an das Geburtstagskind” Chodorkowskij gewertet. Aber alle Proteste blieben erst einmal folgenlos ..

Wir hatten aber nicht nur politische Gespräche, sondern auch persönliche über Berufe, Lebenserwartungen, Hoffnungen oder Hobbies. Und so bekam ich dann auch schnell Einladungen für Ausflüge, das off. Stalingrad-Programm aber auch zum Jagen oder Fischen.

Ein Russischer Abend

Gastfreundschaft | Poesie | Musik | Lachen | Gefühle | Herzlichkeit | Wodka

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Ich glaube schon erwähnt zu haben, dass man sich in RUS meist zu Hause und im Vergleich zu DEU viel seltener in Kneipen oder Restaurants trifft. Russische Freundeskreise habe ich als sozial übergreifend erlebt. Für viele sind Bierpreise von 5 EUR oder einzelne Essen für 15-20 EUR unerschwinglich ... bei 300-400 EUR Lohn/Monat für staatliche Ärzte, Lehrer oder Polizisten. Auch deshalb besuchen sich Russen gegenseitig eher privat.

http://www.photography-now.com/newsimages/zrus141.jpgVon aussen sehen die Mehrfamilien-Häuser meist sehr heruntergekommen und ungepflegt aus. Wenn man irgendwo eingeladen ist, wird man dann meist überrascht, dass die einzelnen Wohnungen dagegen meist gut gepflegt und gar nicht ärmlich eingerichtet sind.

Ein Paradoxon, dass sich dadurch erklärt, dass der Staat in den letzten Jahren über 85% seiner Wohn- Immobilien an die Mieter verschenkt aber vergessen hat, das Gemeinsame wie Fassaden, Flure oder Aufzüge irgendwie zu regeln. Zivilgesellschaftliches Engagement, das die individuellen Interessen zum Wohl der Gruppe bündelt, ist nach 70 Jahren sozialistischer Planwirtschaft kaum ausgeprägt. Es gibt keine Verwaltung, die das in die Hand nehmen könnte. Die Eigentümer - ehemalige Mieter, die ihre Wohnung geschenkt bekommen hatten - wollen oder können sich nicht an Kosten für Sanierungen oder Verschönerungen beteiligen. Und so bleiben meist diese dringend benötige Maßnahmen aus.

http://www.photography-now.com/newsimages/zrus144.jpgMan sagt den Russen oft nach, sie leben im gestern (Träumen von der Vergangenheit) und morgen (Hoffnung auf ein besseres Leben) ... bei Einladungen trifft das sicher nicht zu, da zählt nur heute: Geldbeutel und Kühlschrank werden geplündert, gleich ob beide gestern leer waren oder morgen wieder sein werden, Hauptsache heute biegt sich der Esstisch unter all den köstlichen Lasten ... viel Fleisch, Piroggen, Salate, immer (einfacher) Kaviar ... bei alltäglichen Besuchen trinkt man Bier zB zu Trockenfisch (unten) oder Flusskrebse, die man "illegal" kiloweise in irgendeiner Wohnung kauft. (oben)

http://www.photography-now.com/newsimages/zrus143.jpgUnd auch im Vergleich zu Rau-, Unhöflichkeiten fremder Menschen auf der Strasse oder in den Geschäften waren die Russen, die ich kennenlernen durfte, privat dann völlig anders. Ich erlebte Offenheit, Lebensfreude, Warmherzigkeit und Zuneigung, ... Offenheit war nach einigen Getränken sowieso kein Problem mehr ... und schließlich habe ich ja genau darauf auch die ganzen Tage gewartet ... wenn man Nähe miteinander gewonnen hat, kommt schnell der Russische Kosenamen. Dabei wird statt des normalen Vornamens eine der vielen Kurzformen benutzt. Die Kurznamen drücken vor allem zusätzlich Sympathie und Freundlichkeit aus: Alexander wird zuSascha, Sanja, Schura, Saschenka, Saschok, Schurotschka ... Anatolij zu Tolja, Toljenka .. mich nannten sie Mikhail, Mischa, Mischutka oder Mischjenka .. So lieb und lustig die Namen klingen, verlief auch mein erster Russischer Abend voller Schlemmen, Trinken, Lustig sein ... mit Lachen, Liedern und Gedichten ...

http://russian-exotica.narod.ru/images/box-vodka2.jpgMan trinkt nicht weniger als 50 Gramm in einem großen Schluck und nicht still in sich hinein, sondern in der Runde und im Takt der Trinksprüche. "Trinken ohne Trinkspruch ist Trinksucht", besagt ein altes russisches Sprichwort. Und so wird gedichtet und getextet oder gar gesungen. Gleich nach dem Schlucken muss man in etwas Salziges oder Scharfes beißen oder sogleich mit dem Essen beginnen. Wodka wird immer zum Essen, nicht davor und nicht danach getrunken. Wem kein Trinkspruch einfällt, der sagt einfach: "За здоровье! [sa sdarow'je]", "Zum Wohl" . Das bei uns bekannte „Na zdorowje!“ [na sdarow'je] bedeutet "wohl bekomm's" ist vielleicht für Bedienungen angebracht, aber nicht als Trinkspruch ... auch nicht, sein leeres Wodkaglas über die Schulter werfen ... da brechen alle Russen in lautes Gelächter aus.

http://www.photography-now.com/newsimages/zrus146.jpgDie Gespräche waren sehr sehr offen, herzlich, engagiert, es ging um Leben, Alltag, Sorgen, Wünsche, Vergleiche mit Deutschland. Im Gegensatz zum o.g. Ausflug waren es an diesem Abend überwiegend Frauen und so bestimmten naturgemäß ihre Themen die Gespräche. Ich erfuhr, warum in RUS immer noch so früh geheiratet wird, warum es 10-15% weniger Männer als Frauen gibt, und was das für das Leben in RUS bedeutet, über hohe Scheidungsraten, wie sich die Situation seit 1991 verändert hat, was sie vom Leben erwarten, was sich ändern soll ..

Auch wenn natürlich einiges übersetzt werden musste ... der Mix aus Russisch, Englisch, Deutsch funktionierte irgendwie ganz gut. Auch wenn gegen später ermüdet fast nur noch Russisch gesprochen wurde, fühlte ich mich stets gut aufgenommen und mittendrin. Man trinkt in Russland übrigens auch брудершафт (bruderschaft) Bruderschaft.

Das offizielle Fest

Veteranen-Ehrungen | Toten-Gedenken | Militär-Parade | Mamaev-Kurgan

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Veteranen Ehrentribühne (ersatzweise vom 9. Mai) ©kopaev.org/

Im September hatte sich die Stadt rausgeputzt. Man feierte am Wochenende sowohl Geburtstag als auch den Jahrestag der Beginn der Schlacht um Stalingrad. Meine Gastgeberin und ich fühlten uns allerdings nicht in der Lage, an den offiziellen Feierlichkeiten teilzunehmen. Die Bilder waren uns aber auch so präsent über Zeitungen, TV und durch eigenen Besuch des Wahrzeichens der Stadt, der riesigen Mutter-Heimat Statue auf dem Mamaev-Kurgan - das Wahrzeichen RUS für den Großen Vaterländischen Krieg.

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"Wenn man vom historischen Wert der Stalingrader Schlacht für das moderne Russland spricht, so lässt sich erwähnen, dass die Geschichte der Sowjetunion ein untrennbarer Teil der historischen Entwicklung der Russischen Föderation ist. Obwohl die Sowjetunion aus der politischen Weltkarte verschwunden ist, werden aber die Heldentaten von Millionen sowjetischer Soldaten, die die Welt vom Faschismus befreit haben, nie aus dem Gedächtnis ihres dankbaren Nachwuchses verdrängt werden"
battle.volgadmin.ru - rus./ dt. / engl.

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Ein Russisches Fest...

Tanz | Gespräche | Lachen | Gefühle | Herzlichkeit | kein Wodka

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Nach verschiedenen Schätzungen nahmen an dem zweitägigen Programm der Feierlichkeiten mehr als eine halbe Millionen Volgograder teil, und Zehntausende kamen für einen Urlaub mit Kindern oder ihren Familien. Einige Repräsentanten auch aus der Partnerstadt Köln. Zum freien Galakonzert des russischen Popstars Anita Tsoi kamen etwa 50 Tausend Zuschauer.

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Es gab über 80 begleitende Veranstaltungen. Jeder Stadtbezirk hatte sein eigenes zusätzliches Fest, wo dann lokale Tanz- und Musikgruppen vor ihrer Familie, Freunden und Nachbarn auftraten.

http://www.photography-now.com/newsimages/zrus153.jpgVon alter Folklore über Rock'n Roll bis Salsa und Pop gab es so ziemlich alles zu sehen und war in einer sehr unbeholfenen, aber engagierten Art oft sehr sympathisch.

http://www.photography-now.com/newsimages/zrus155.jpgÜberraschend für mich war, dass ein Stadtfest weitgehend ohne Alkohol stattfand, wo die Russen doch nicht zu Unrecht als trinkfreudig gelten. Aber das schien für sie nicht der rechte Anlass zu sein, nicht privat genug, nicht von Essen begleitet ... Beim Konzert jedenfalls gab es für 50.000 Besucher einen einzigen Bierstand und bei dem musste ich jeweils kaum 2 Minuten anstehen ...

Nach dem Konzert und auch schon tagsüber bildeten sich überall in der Stadt kleinere Bühnen, Gruppen, wo Musik gespielt und getanzt wurde.

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Schon auf dem Platz begannen Hunderte nach dem Konzert zu tanzen und meine Freund und ich wurden von einer Gruppe älterer Frauen zu mehreren Sirtaki-ähnlichen Rundtänzen zwangsverpflichtet.

Den ganzen Tag über gab es verschiedene Oldtimer-, Flug-, Musik-, Tanz-Shows, überall diese kleinen Fest-Gruppen, um gemeinsam zu tanzen, zu singen. Ich lernte eine Gruppe Jugendlicher kennen, die mich sehr interessiert - endlich mal auf Englisch - nach Germania und Berlin ausfragten. Sie luden mich ein, wir gingen in den Supermarkt, weil Alkohol ja nicht verkauft wurde und hatten eine spassige Stunde zusammen.

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Besonders bewegend war für mich aber ein Zusammentreffen mit einer über 80jährigen Babuschka.

http://www.photography-now.com/newsimages/zrus160.jpgSie hatte in der Schlacht um Stalingrad ihre gesamte Familie, Eltern und Bruder verloren. Als sie mitbekam, dass ich Deutscher bin, wollte sie unbedingt mit mir tanzen und mit feuchten Augen murmelte sie immer wieder so etwas wie "Все в порядке!" Alles ist in Ordnung. ...

Überhaupt nahmen mir die Russen jedes ungute Gefühl, als Deutscher im ehemaligen Stalingrad. "Es waren nicht die Deutschen", beruhigten sie mich "es waren die Faschisten, aus allen möglichen Ländern, auch aus den eigenen..."

Und so war der Jahrestag der Schlacht von Stalingrad auch für mich ein freudiges Fest, das sich über 2 Tage erstreckte, und das bei vielen wohl noch privat feuchtfröhliche Fortsetzungen fand.

Artikel 112 des russischen Arbeitsrechts: "Bei Zusammenfallen von Wochenende und arbeitsfreien Feiertagen, wird das Wochenende auf den nächsten Arbeitstag nach dem Feiertag verschoben."

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Und während sonntägliche Feiertage in Deutschland quasi verloren gehen, ist man da in Russland pragmatischer: dann ist Montag frei. Und wenn Donnerstag gefeiert wird, ist am Freitag auch alles geschlossen. Die Russen nennen das похмелый день ("pochmely djen", Katertag). Gegen einen ordentlichen Kater - da ist man sich in Russland einig - hilft übrigens nur Eines: Weitertrinken! Es ist also ganz normal, das Russen früh um zehn mit Bier in der Hand über die Straße laufen.2

Russen

spät lächelnd | rauh | emotional | warmherzig | eigen | melancholisch

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Über 130 verschiedene, grössere Völker, über 30 Amtssprachen, fast 10.000 Kilometer Entfernung von links nach rechts, 4.000 von oben nach unten ... was kann man überhaupt Verbindendes über Russen sagen?

"Mit dem Rucksack durch Russland!", stöhnte mein Vater zum Abschied. "Pah! Du schaffst es nicht einmal zu deiner zweiten Station! Du kannst dich nicht vordrängeln! Du kannst nicht brüllen! Du kannst nicht schmieren!", schrie er. Dass man mit Lautstärke nicht weiterkommt, habe ich seit dem Konflikt-Management-Kurs in der siebten Klasse verinnerlicht. Ich glaube an Schlangestehen und elektronische Tickets. Ich trinke Wasser aus der Leitung, was kein Russe tun würde. Ich lerne gern Menschen auf der Straße kennen. Bisher hat die Welt ganz gut nach diesen Spielregeln funktioniert. Kriege ich es hin, neue zu lernen?

fragte sich Wlada vor ihrer ersten grossen RUS-Reise quer durch das ganze Land, von der sie im SPIEGEL berichtete. 3

Ich bin nach Kurz-Aufenthalt in Moskau nur nach Volgograd weitergeflogen, einer der neben Moskau (12 Mio) und Petersburg (4 Mio) rund ein Dutzend Russischen-Millionenstädte. In Volgograd begegnet man sicher nicht selten Russen, die - wie von Wladas Vater beschrieben - äußerlich kühl und rauh erscheinen. Doch die meisten entpuppen sich im tieferen Kontakt als sehr menschlich, verständnisvoll, warmherzig und geduldig. Jedenfalls habe ich bislang immer solche emotionalen Erfahrungen mit "normalen" Russen gemacht.

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"Wenn ein Russe sein Wodkaglas erhebt und einen Trinkspruch ausbringt, stecken hinter seinen Worten stets aufrichtige Gefühle", erzählte der Regisseur des Filmes „Lasst uns trinken!" Benny Jaberg aus der Schweiz der Zeitung Moskowskije Nowosti. Genau das, so Jaberg weiter, vermisse er bisweilen in der Schweiz, echte Gefühle. "

Wenn man mit einem Russen eine gute Kommunikation aufbauen will, diese "echten Gefühle" zu erfahren, ist es sehr wichtig, zu einer tiefen, vertraulichen Beziehung zu kommen. Man sagt „von Seele zu Seele sprechen können” ist das wichtigste für die Russen. Sie brauchen immer ziemliche Nähe zueinander, sie wollen immer viele persönliche Sachen über einander wissen. Sie mögen es nicht wenn jemand sich nicht öffnet. Es wird quasi verlangt, das man die eigene Seele öffnet, und nur dann wird man ihm vertrauen können.

http://www.photography-now.com/newsimages/zrus145.jpgIch habe Frauen und Männer gesehen und viele auch kennengelernt, bei denen ich das sichere Gefühl hatte, dass sie trotz alltäglicher Härten und Defizite deutlich dichter an der Natur des Menschen, näher bei sich persönlich und näher am Wesentlichen des Lebens dran waren, dass sie Lebensfreude und -glück mehr im Miteinander und Persönlichem fanden.

Ich habe natürlich auch Menschen gesehen, die ganz genauso wie viele im Westen ihr Glück in Karriere und Konsum suchen, und auch Schicksale gesehen, bei denen ich bezweifle, ob sie diese idealistische Sicht auf das Glück bei allzu grosser Armut noch leben können. Aber die Mehrheit zeigte das oben beschriebene Wesen.

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Ich spürte viele gute Energien, familiäre und freunschaftliche Gemeinschaften, Frieden und unmittelbare, überschäumende Lebensfreude. Ich sah Russen, die sich erst einmal anschrien und aufplusterten, als würden sie sich sofort prügeln, um dann wenige Momente später in völliger Ruhe und Frieden ihrer Wege gingen, nicht selten zusammen, nachdem sie sich gezeigt hatten, wer sie jeweils sind und wollen, aber doch im Grunde ähnlich.

http://www.photography-now.com/newsimages/zrus201.jpgIch spürte einen besonderen Charakter. Frauen und Männer aus Osteuropa sind, im Gegensatz zu uns, in bescheidenen Verhältnissen aufgewachsen. Besonders Frauen haben von Kind auf gelernt, genügsam und sparsam zu sein. Sie sind eher häuslich und trotzdem immer auf ihr Äußeres bedacht. In Volgograd hat fast die Hälfte der Frauen einen Hochschulabschluss und die meisten arbeiten.

Die berufliche Karriere ist ihnen dennoch nicht so wichtig. Das gilt aber auch für Männer. 'Egoistische' Selbstverwirklichung auf Kosten etwa der Familie im westlichen Sinn ist beiden eher fremd. Überhaupt lässt sich so etwas feststellen, wie ein Kollektives Seelenwesen, zumindest bei den älteren Russen und der Mehrheit, die (noch) nicht individuellen, westlichen Idealen folgen, sondern dem Gemeinwohl Vorzug geben statt auf individuelle Freiheiten zu bestehen. Aber es ist auch so ziemlich gegensätzlich zu der Einstellung, dass jeder seines Glückes Schmied sei. Russen neigen wohl eher dazu, die Verantwortung über ihr Leben dem Staat zu geben, und dadurch auch vieles eher zu ertragen als selbst anzupacken. Einerseits spüre ich dabei eben diesen positiven Gemeinsinn, anderseits aber auch eine gewisse Apathie, Störendes anzupacken oder zu ändern. Viele werden das mit dem Gemeinsinn noch aus dem DDR-Alltag kennen. Wenn man Hilfe braucht, ruft man keinen Handwerker, sondern Nachbarn, Freunde helfen aus, oder jemand kennt einen, der einen Vetter hat ...

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Mich persönlich haben die Menschen in dieser Stadt sehr berührt ... in persönlichen Gesprächen, in Straßenszenen, beim gemeinsamen Tanzen, auf den Festen, aber vor allem auch im Alltag zu Hause oder auf den Märkten, am Strassenrand und in der Marschrutka. Ein wenig konnte ich die berühmte russische Seele erspüren und mich von ihr erwärmen lassen, auch wenn ich sie als Novize sicher kaum erklären kann.

"Ja, ich weiss, diese Völkerscharen, die sich durch Moskaus Straßen bewegen, haben nicht ihr Auto um die Ecke stehen, die meisten wohnen zu eng, viele von ihnen hätten gern westliche Schuhe, einen westlichen Hut oder eine westliche Bluse, aber ich bin mir nicht sicher, ob sie - plötzlich in den Westen versetzt - fröhlicher oder entspannter wären. Nur wenige Emigranten sind hier so glücklich, wie wir sie gern hätten. Es fehlt ihnen etwas - nein, nicht die russischen Schuhe, Hüte, Blusen: es fehlt ihnen - mag man die gesamte russische Literatur in einen Computer füttern, um endlich herauszufinden, was das ist - es fehlt ihnen Rußland. Ich nehme an, es fehlt ihnen, um fröhlich zu sein, und es fehlt ihnen möglicherweise sogar, was ihnen d o r t fehlte. Ich werde mir nicht anmaßen, die russische Seele zu ergründen, ich möchte nur feststellen: Es gibt sie." - Heinrich Böll, 1976

„Горячее русское сердце” (das heiβe russische Herz)

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armenycasa - Ausflug mit Tanzschulfreunden meiner Gastgeberin

Russisches Leben...

Härte | Poesie | Lachen | Gefühle | Herzlichkeit | Wodka

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Wie oben schon angedeutet, habe ich hauptsächlich nur mit Frauen natürlich aus Volgograd näher und persönlich über ihr Leben offen sprechen können: Russische Mädchen heiraten früh, häufig im Alter von 20-25 Jahren, auch weil sie sonst nicht von Zuhause loskommen.

Sie gehen mit romantischen Vorstellungen in die Ehe und werden oft von der Realität des russischen Alltags eingeholt. Wie im Westen ist die Scheidungsrate hoch. Doch viele ertragen auch eine bedingt glückliche Ehe, denn alleinstehende Frauen mit Kindern haben es schwer. Die Wohnung der Eltern ist meistens zu klein, um zurückzukehren und ein eigenes Zuhause ist (mit Nachwuchs) finanziell nur selten denkbar.

http://www.photography-now.com/newsimages/zrus197.jpg"Nur 20% der Männer zahlen Unterhalt für die Kinder", erzählte mir eine Freundin. "Man muss die Männer auch erstmal finden. Und dann arbeiten sie oft noch grau, dh, das meiste ihres Gehalts wird schwarz in bar bezahlt, davon bekommen wir natürlich nichts und Frauen steht nach einer Scheidung sowieso kein Unterhalt zu." Den Umbruch von der Sowjetunion in das heutige Russland und die Ukraine haben Frauen trotzdem oft besser bewältigt als die Männer. (2/3 der Ingenieure sind Frauen!) Viele Männer sind mit dem Verlust ihres Arbeitsplatzes und dem Zusammenbruch der alten, vertrauten Strukturen und dem neuen Wettbewerb nicht zurechtgekommen.

"Nimm doch allein die ganzen Funktionäre, die Millionen Arbeiter, deren Firmen nicht mehr rentabel waren, oder die, deren Arbeit in der Privatwirtschaft keiner mehr wollte. " erzählte mir meine Gastgeberin, die selbst als Linguistin noch in der Sowjetunion promovierte, aber im Neuen Russland darin nicht arbeiten konnte. "Frauen schlugen sich so irgendwie durch, trieben Handel, verkauften Gemüse ... Aber viele Männer flüchteten wohl gerade auf dem Land in Alkohol, da, wo es gleich gar keine Alternative mehr gab, viele auch in die Kriminalität. Wir hatten ja alle nicht mehr genug zu essen! Für Kriminelle waren das Goldgräberzeiten, die konnten verdienen, 10mal mehr Morde als vorher!" Die Lebenserwartung der Männer sank auf 57 Jahre, die Geburtenrate halbierte (!!) sich.

Das hat sich wohl in den letzten erfolgreicheren Jahren wieder deutlich gebessert. Auch zusehens mehr Männder finden (wieder) ihren Platz, haben Arbeit und Perspektive zurück bekommen.

http://u.jimdo.com/www54/o/s697d661d703ecfe2/img/ia94756cdc0e43e57/1348645918/thumb/image.jpgDer Alltag russischer Frauen ist dennoch immer noch hart. „Nur Hausfrau” zu sein, gibt es traditionell nicht. Alle haben ihren Beruf und müssen mitverdienen. Die Mehrfachbelastung durch Arbeit und Familie ist deutlich höher als in westlichen Ländern. Familienfreundliche Regelungen und Teilzeitarbeit sind weitgehend unbekannt, die Arbeitstage lang und Zeit für Hobbys, Lesen, Sport usw. bleibt kaum. Die knappe freie Zeit wird mit der Familie und Freunden verbracht.

Bei allen Russischen Härten im täglichen Leben, im Stadtbild oder kann man dennoch oft Normalität und grosse Lebensfreude entdecken. Anziehend für mich ist die Einfachheit und Natürlichkeit der Wünsche, die Genügsamkeit und Bescheidenheit. Im Beisammensein mit den Liebsten, in öffentlichen Plätzen, bei Picknicks mit Freunden, bei kleinen Vergnügungen, oft werden auch Feste für die Bürger Volgograds angeboten.

Zumindest scheint es für mich so zu sein, dass die meisten Bürger der ehemaligen Sowjetunion viel aus den Fehlenden gemacht und gelernt haben, ihre Lebensfreude nicht an materiellen Dingen festzumachen. Ich habe sehr viele solcher Russen kennengelernt, aber auch ein paar gesehen und gesprochen, bei denen das Materielle unerwünscht oft hochkommt, weil es nämlich allzu sehr am Geld fehlt.

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© kopaev.org/

Zum Schluss noch einmal ein paar bildliche Eindrücke. Dank an Alex Kopaev, der bei vielen Erlebnissen, an denen ich teilnehmen konnte, stimmungsvolle Bilder machte.

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Einfahrt in die City

http://www.photography-now.com/newsimages/zrus156.jpgAusgehen © kopaev.org/

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bei der Ehrenwache

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Abends an der Wolga © kopaev.org/

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westliches Vergnügen: Top-Modell gesucht © kopaev.org/

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Flash-Mob für bessere Bibliotheken © kopaev.org/

http://z6.d.sdska.ru/2-z6-15939324-fa9d-403c-ab7d-562918c1f7c9.jpgintensive Gläubigkeit: bei einem Kirchenbesuch tragen alle Frauen Kopftuch, es wird sich 100mal bekreuzigt, verbeugt, Ikonen geküsst..

http://www.photography-now.com/newsimages/zrus150.jpgDemonstration gegen höhere Stromkosten © kopaev.org/

http://u.jimdo.com/www54/o/s697d661d703ecfe2/img/i0e08188d354b2150/1348557724/std/4mal-mehr-als-in-deutschland-kostet-ein-kilometer-strasse-in-wolgograd-folgen-von-extremer-witterung-und-vor-allem-korruption.jpg

4mal mehr als in Deutschland kostet ein Kilometer Strasse in Wolgograd - Folgen von extremer Witterung und vor allem Korruption.

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Demonstration für mehr Fahradwege © kopaev.org

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Marschrutka - Kleinbus - Ruftaxi - DAS russische Verkehrsmittel

http://www.photography-now.com/newsimages/zrus173.jpgwer Geld hat fährt SUV, Sportwagen überleben die Strassen nicht

http://u.jimdo.com/www54/o/s697d661d703ecfe2/img/i9b558ae470db63d0/1348473262/std/gedenken-ist-allgegenwärtig.jpgGedenken an die Helden

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Die Allee der Helden

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am Ende der Allee der Helden © kopaev.org/

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Skulptur inmitten eines Wohngebietes

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Kinderfest © kopaev.org/

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Seit den Sowjetzeiten ist der 1. September – oder der „Tag des Wissens“ – der Tag, an dem die Schulen offiziell ihre Pforten öffnen, ein großes Fest.

http://www.photography-now.com/newsimages/zrus177.jpgKinderfest © kopaev.org/

http://www.photography-now.com/newsimages/zrus179.jpgDie richtige Marschrutka findenhttp://www.photography-now.com/newsimages/zrus178.jpgHäuschen der Sicherheit

http://u.jimdo.com/www54/o/s697d661d703ecfe2/img/iaf128b1765608a31/1348266268/std/image.jpg Restaurant mit 15 Aussenplätzen zum intimen, auch mal lautem Feiern.

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Am Wolga-Don Kanal © kopaev.org/

http://www.photography-now.com/newsimages/zrus189.jpgAm Wolga-Don Kanal © kopaev.org/

wer seine Seele zu Hause läßt, ...

Ich wünsche den russischen Menschen, dass die Härten weniger werden, bzw. sie genug Kraft haben, sich dagegen selbst zu wehren und ihr Leben einfacher als bisher bewältigen.

Natürlich ist es unmöglich, in einem Monat ein Land zu begreifen, in dem man innerländlich Roaminggebühren zahlt und das sich über neun Zeitzonen erstreckt. Es ist ein riesiges Land voller riesiger Fehler und riesiger Herzen, es verströmt unglaubliche Emotionen und Sehnsüchte und macht seine Menschen und ihre Lebensart anziehend und liebenswert. Ein Leben reicht nicht, um es zu begreifen.

Dafür habe ich mich selbst besser verstanden. 3

Vor meiner Reise bin ich auf 2 Zitate gestossen, die mich wegen ihres Pathos schmunzeln ließen, ... aber ich kann nicht anders ... als sie zu bestätigen:

Mit Verstand kann man Russland nicht begreifen,
Mit allgemeinem Maβstab kann man es nicht messen
An Russland kann man nur glauben.
Fjodor Tjuttschew 28.11.1866

Dieses Land, diese Menschen, dieser Himmel, unter dem sich soviel Schicksal vollzogen hatte, waren nur zu entdecken, wenn das Herz mitsprach. Rußland mit dem Verstand zu begreifen, ist eine Utopie … wer seine Seele zu Hause läßt, wird in Rußland immer ein Fremder bleiben.
Liebe am Don
von Heinz G. Konsalik

1 Kleine Erkundung der russischen Seele: Über Elend und Hoffnung, Musik, Liebe, Suff, die Rückkehr zum Glauben und die Sehnsucht nach dem Zaren von Christian Schüle - DIE ZEIT Nº 42/2003

2 Norbert Schott: Geschichten eines Deutschen, der seit über 10 Jahren freiwillig in Sibirien lebt

3 Wlada in Russland - Wlada Kolossowa, 24, russisch stämmig - Reisereportage im SPIEGEL

4 Einige Bilder © kopaev.org/

5 Russlands Seele - Russlands Stolz - MDR Folgen 1-5

Danke an Norbert Schott, Wlada Kolossowa, Alex Kopaev, dem Russland-Forum und allen Russen, die so freundlich zu mir waren
07:14 09.05.2014
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

berlino1010

Russland-Versteher in Ausbildung
berlino1010

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