Deeskalation ist die erste Bürgerpflicht: Zum Israel-Iran-Konflikt

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In der Rubrik “Meinung” der Frankfurter Rundschau vom 13.4.2012, S. 10 erschien folgender Beitrag, den ich hier dokumentiere, weil er deutlich macht, dass ein Atomschlag Irans gegen Israel den Preis hätte, dass es keinen Staat Palästina geben könnte, sondern nur ein desaströses Untergangsszenario.

Das iranische Regime wird zur Zeit vom Westen als Feindbild aufgebaut, ebenso wie Saddam Hussein als Feindbild aufgebaut worden ist, ebenso wie die Taliban in Afghanistan etc etc.

Die Durchsetzung geostrategischer Interessen mit militärischen Mitteln ist in Indochina gescheitert, in Somalia, in Afghanistan, im Irak, warum soll es jetzt im Falle des Iran gelingen? Die Bevölkerungen diese Länder zahlten und zahlen in erster Linie den Preis des militärischen Eingreifens.

You call it law and order I call it dirty money

You lock the young ones down or send 'em off to war”

(Ry Cooder, No Hard Feelings, aus Pull up some dust and sit down))

Not in my name!

bertamberg

"EINSPRUCH

Falsche Entrüstung

Iran wird auf Israel niemals eine Atombombe werfen

Seite 4: ,,Eine gestörte Beziehung zu Israel" von K. Doemens, Seite 77: ,,Dichter und Maulheld" von U. Vorkötter (FR vom 5.4.) und Seite 11 ,,Der alte Mann und die Ehr" von M. Tkalec (FR vom 6.4.) :

Ein Sturm der Entrüstung" (Karl Doemens) ist losgebrochen. Chefredakteur Vorkötter wirft Grass vor, er sehe in Ahmadinedschad nur einen Maulhelden, dessen Verfehlungen er aber nicht erwähne. Wie schon Doemens in seinem Begleittext zur Veröffentlichung von Grass' Gedicht übergeht er das dem Maulhelden nachfolgende Wort ,,unterjochte". Wer, wenn nicht ein Diktator unterjocht sein Volk? Der Diktator ist nicht “nur” ein Maulheld, er ist auch ein Maulheld, wenn er über Israel schwadroniert. Dessen Hetze über Israel ist bekannt und muss im Gedicht nicht noch einmal aufgelistet werden. Teil dieser Hetze ist die Drohung, Israel zu zerstören. Zu diesem Zweck will Iran die Atombombe. Mit einer Atombombe soll Israel "von der Landkarte getilgt" werden, Israel will also durch die Explosion einer Atombombe zerstört werden. Um dies zu verhindern, beansprucht Israel das Recht auf einen Erstschlag zur Vernichtung iranischer Atomanlagen. Dies müsse bald geschehen, weil das Zeitfenster nur noch kurze Zeit offenstehe. Diese Beschreibung ist allgemein akzeptiert und wird von Erstschlaggegnern wie Vorkotter als Ausgangspunkt für eine Lösung betrachtet.

Aber die Definition der Lage ist falsch. Als erstes ein Blick auf die Landkarte. Israel ist ein sehr kleines Land. 20 Prozent seiner Bewohner sind Palästinenser / Araber, also Muslime. In Jerusalem steht der Felsendom, eines der wichtigsten Heiligtümer des Islam. Ist eine Atomexplosion vorstellbar, die zwar Juden und Klagemauer vernichtet, aber Muslime und den Felsendom verschont? Und glaubt jemand, dass ein sich als muslimisch verstehender Staat Tausende Muslime ermorden und ein solches Heiligtum zerstören kann?

Was Ahmadinedschad vernichten möchte, ist der Staat Israel, um ihn durch einen palästinensischen, muslimischen Staat za ersetzen. Das Gebiet, das ein muslimischer Staat werden soll, erst atomar zu verseuchen, um es anschließend zu bewohnen, ist

vollig widersinnig. Falls der Iran tatsächlich versuchen sollte, den Staat Israel zu vernichten, müsste er dies mit anderen Mitteln als einer Atombombe tun. Dies wäre dann eine andere Bedrohung, die andere Abwehrmaßnahmen erforderte.(…)

Und Maritta Tkalec entlarvt Grass' Absicht, die ,,Schuld der Generation Grass" aufzuwiegen. Das ist die Schuld derjenigen, die bei der Machtergreifung der Nazis fünf Jahre alt waren. Liegt nur unter ,,gepflegter deutscher Gedenkkultur" eine ,,moralische Güllegrube"?

Während die Empörung über das Gedicht ... Wellen schlägt, kündigt Israel den Bau einer größeren Zahl neuer Siedlungen an. Kümmert das jemand?

Walter Berger, Heidelberg

21:40 13.04.2012
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Geschrieben von

bertamberg

Xundheit! Salut! o! genese! Aufs Ganze gehen, bei Erkennen & Tun, Diagnose & Therapie. Alles ist vollkommen, "wenn das nötige gemacht ist." (Goethe)
bertamberg

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