Den Kapitalisten zeigen, wo's lang geht? (I)

Verstaatlichung Warum nicht?
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Das Ausland investiert nicht, Kredite gibt es kaum. Trotzdem warnt der IWF vor einer Verschlechterung des Investitionsklimas, die EU sieht ein „sehr negatives Signal“, die spanische Regierung kündigt diplomatische, energiepolitische, handelspolitische und industrielle Maßnahmen an. Es geht nicht um Griechenland, nicht um Portugal, nicht um Irland oder Spanien, sondern um ein Land, dessen Staatsbankrott schon vor mehr als zwei Legislaturperioden erfolgte, und das ohne Hilfe des internationalen Finanzkapitals und seiner Hilfsorganisationen seinen eigenen, am Ende erfolgreichen Weg gegangen ist: Argentinien.

Präsidentin Kirchner hat vor, die Tochter Repsol-YPF des spanischen Konzernes Repsol zu 51% (gegen Entschädigung) zu verstaatlichen. Warum das? Das Unternehmen ist defizitär! Die Produktion ist um 17 bis 31 Prozent zurückgegangen! Will hier ein Staat wieder private Spekulationsverluste sozial abfedern? - Nein, er hat nur die Nase voll davon, dass Aktionäre in den letzten fünf Jahren bis zu 108 Prozent Dividende ausgeschüttet bekommen haben, genauer, von 199 bis 2011 insgesamt 15,7 Milliarden Dollar. In der Branche üblich sind 25% Dividende. Pikant: die überhöhten Dividenden hatten Frau Kirchner und ihr verstorbener Gatte genehmigt gehabt. Kasus knacksus: In Instandhaltung, Förderung und Erschließung neuer Ressourcen wurde nicht investiert.

Die Folge: Argentinien verlor die Autarkie in der Energieversorgung und muss 10 Milliarden jährlich für Treibstoffe ausgeben, obwohl es Ölschiefervorräte von ca. 927 Millionen Barrel hat, nach deren Erschließung es zum Rohölexporteur werden könnte.

Repsol-YPF hat der spanischen Mutter ein Drittel des Gesamtgewinnes erwirtschaftet, die Hälfte der Produktion wie der Energiereserven des Gesamtkonzernes liegen in Argentinien.

Somit kommt die Verstaatlichung unabhängig vom zu zahlenden Entschädigungsbetrag für das Unternehmen der Vertreibung aus dem Paradies gleich“ ( Klaus Ehringsfeld, FR 21./22.4.2012) - dass es das noch gibt, Menschen und Unternehmen im Paradies- ist es nicht ein Hoffnungszeichen, und ein noch größeres, dass die Vertreibung aus dem Paradies möglich ist?!

Think global, act local“ hat auch in Argentinien die Regierungsebene erreicht. Griechenland und die anderen Opfernationen der mafiösen „economic hit men“-Gangs könnten viel von Argentinien lernen. Wenn sie's nur täten, statt sich verjeanclaudejunckern zu lassen!

00:18 27.04.2012
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Geschrieben von

bertamberg

Xundheit! Salut! o! genese! Aufs Ganze gehen, bei Erkennen & Tun, Diagnose & Therapie. Alles ist vollkommen, "wenn das nötige gemacht ist." (Goethe)
bertamberg

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