Die Kunst der amtlichen Verleumdung

Risikobewertung Das BfR hat es mal wieder auf die Seite 1 der Tageszeitungen geschafft. Ist es auch Wahnsinn, ist es doch Methode, oder Pseudofürsorglichkeit, oder Auftragsarbeit?
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In einer nicht repräsentativen Untersuchung von 221 verschiedenen handelsüblichen Kräutertee- und Teeproben sowie Teedrogen aus dem deutschen Einzelhandel wurden vom Bundesamt für Risikobewertung (BfR) bis zu 3,4 Milligramm Pyrrolizidinalkaloide pro Kilogramm Trockengewicht ermittelt.

In die Schätzung der Exposition wurden folgende Kräuterteesorten einbezogen: Babyfencheltee, Fencheltee, Kamillentee, Kräutertee, Pfefferminztee, Brennnesseltee und Melissentee.

Einige der nachweisbaren Pyrrolizidinalkaloide haben sich als genotoxische Kanzerogene erwiesen, die Gehalte sind zu hoch und sollten möglichst gesenkt werden.Das BfR schreibt:"Wenn sich die ersten Daten bestätigen, ...[könnte ] ein Risiko einer gesundheitlichen Gefährdung, insbesondere bei Kindern, Schwangeren und Stillenden, bestehen." "Allerdings schwanken die Gehalte einzelner Proben auch innerhalb der gleichen Teesorte erheblich," trotzdem wird "Eltern ... vorerst empfohlen, ihren Kindern nicht ausschließlich Kräutertees und Tee anzubieten." (http://www.innovations-report.de/html/berichte/medizin_gesundheit/gehalte_pyrrolizidinalkaloiden_kraeutertees_tees_217016.html)

Nun weiß ja jeder, dass die gängige Handelsform für Kräutertee das 25-kg-Gebinde ist, somit eine akute Gefahr für unzählbare Familien besteht, in denen suchtartig verseuchte Pflanzenextrakte im unkontrollierten Massenversuch an wehrlose Babies, werdende und stillende Mütter und Greise verabreicht werden, damit die Krankenkassenbeiträge nicht umsonst bezahlt sind sondern als Sachleistung wieder in Anspruch genommen werden können.

Greenpeace hat festgestellt "Die übliche Expositionsabschätzung unterschätzt bestimmte Expositionspfade und Realsituationen , wie z.B. das häufige Vorhandensein von Rückständen nicht zugelassener und illegaler Pestizde und die Tatsache, dass derzeit in ca. acht Prozent des vermarkteten Obstes und Gemüses die gesetzlichen Höchstmengen nicht eingehalten werden. "

http://www.greenpeace.de/fileadmin/gpd/user_upload/themen/umweltgifte/greenpeace_chemiecocktail_in_lebensmittel.pdf; vgl auch:

http://www.bfr.bund.de/cm/343/mehrfachrueckstaende-in-obst-und-gemuese-aus-sicht-von-greenpeace.pdf

Bislang galt nach der FSA-Studie, dass pestizidfreie Ernährung keinen zusätzlichen Beitrag zur Gesundheit leistet (vgl. zu den Aussagen und der Kritik daran: http://www.fibl.org/de/themen/lebensmittelqulitaet/fsa-studie-fibl-informationen/fsa-studie-hintergrund.html)

Der Hauptvorteil von Öko-Lebensmitteln ist die fehlende Belastung der Früchte, des Bodens und des Grundwassers mit Pestiziden, Herbiziden, Fungiziden (35494 Tonnen waren es 2005 in Deutschland) und Düngemitteln (3 Mio Tonnen 1999).

Wenn das BfR jetzt wieder sekundäre Pflanzenstoffe als gesundheitsproblematisch hinstellt, ist das eine Verharmlosung dessen, was täglich mit amtlicher Genehmigung an Pestiziden auf dem Acker landet und was an Biomasse (90 Tonnen/qkm, in der Serengeti sind es nur 20 t/qkm) aus der industriellen Massentierhaltung zur Überdüngung von Boden und Gewässer beiträgt. (Jeder möge mal selbst umrechnen, was auf einem Hektar Acker im Durchschnitt ausgebracht wird, von ca 11,8. Mio Hektar Produktionsfläche ist auszugehen.)

Wenn Hersteller von Fenchel- und sonstigen Tees jetzt Umsatzeinbussen haben werden, wird das ein Beitrag zu mehr Gesundheit sein?

War es ein unverzichtbarer Gesundheitsnutzen, dass Gurken und Tomaten unverkäuflich waren, als die Panik vor EHEC die Runde machte?

Der Legitimationsdruck für das BfR muss extrem groß sein, dass aus einer nicht repräsentativen Untersuchung eine Seite-1-Schlagzeile wird.

Wenn der Kenntnisstand "wir wissen noch nichts genaues" ausreicht für eine vollumfängliche amtliche Vorverurteilung ohne Spezifikation, stellt das eine bedenkliche Abkehr von rechtsstaatlichen Prinzipien dar.

Was ist von einem Staat zu halten, in dessen Namen die amtliche Verunsicherung der Bürger garantiert ist, ebenso wie die Investitionssicherheit einiger Anleger , die vermutlich wenig Kapital bei Teeherstellern geparkt haben?

11:06 17.07.2013
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Geschrieben von

bertamberg

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bertamberg

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