Ebola? Zwischen Nichtstun und Überversorgung

Medizindarwinismus 1 Nach HIV kommt jetzt das zweite Virus aus Afrika - Behandlungsmethoden, die als kausal gegen den Virus gelten, sind zur Zeit nicht in Sicht, bestenfalls in Erprobung.
Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Ein Blogger schrieb mir besorgt wegen meiner Ansicht, man könne auch ernsthaft erkrankte Menschen homöopathisch behandeln: "Durch selbst phytotherapeutisch völlig unwirksame Mittelchen (mit Ausnahme des Placebo-Effekts) auf sich selbst zurückgeworfen, ist der Erkrankte auf das angewiesen, was sein Körper zu leisten vermag: Eine brutalere darwinistische Auslese ist überhaupt nur im Krieg darstellbar."

Trotz des Fehlurteils hinsichtlich der Unwirksamkeit stellt sich die Frage: Ist das denn nicht bei vielen viralen Erkrankungen so, dass trotz und auch wegen der üblichen Behandlung der Körper auf sich selbst zurückgeworfen ist ?

Beispiel 1: Bei 90 Prozent aller Infekte sind Viren die Auslöser, die Patienten verlangen und erhalten aber überwiegend gegen Viren unwirksame Antibiotika: Bei 32 % aller gesetzlich Versicherten findet mindestens eine Antibiotikabehandlung pro Jahr statt. 2012 gab es 40 Millionen Verordnungen von Antibiotika, Platz 2 der TOP TEN Medikamente.

Beispiel 2: Sechshundertausend Patienten pro Jahr fangen sich einen mitunter antibiotikaresistenten Krankenhauskeim, nach Schätzungen sterben 15 Tausend davon an solchen Krankenhausinfektionen. Experten schätzen: Nur ein Drittel davon wäre durch bessere Einhaltung von Hygieneregeln vermeidbar. Also wären selbst bei bester Hygiene allein in Deutschland 10000 Opfer jährlich wegen "darwinistischer Auslese im Krankenhaus" zu beklagen?

Krieg hat viele Gesichter. Die westafrikanische Ansicht: Hunger, Bürgerkrieg(sfolgen), Ebola, Seuche, Ärztemangel, Mangel an allem. Wer als Therapeut an Ebola erkrankt, darf von Glück sagen, wenn er in die Welt der ehemaligen Kolonialherren ausgeflogen wird: Abstammungsdarwinismus.

Das Hamburger Profil: Der erste Ebola-Patient Deutschland wird als geheilt entlassen. Kosten: dreihunderttausend Euro.

Die Frankfurter Perspektive: Ca .100 Ärzte zuzüglich Pflegepersonal betreuen einen Ebola-Kranken und erklären sich nicht gerüstet dafür, einen zweiten Ebola-Kranken in ihrer Isolierstation aufzunehmen. Der wird nach Leipzig weitergereicht.

Als die Frankfurter Ärzte ihren Patienten geheilt entlassen können, erklärten sie, das körpereigene Immunsystem habe den Virus besiegt, nicht ihre Behandlung. Wir wissen nicht, was sie an Behandlung durchgeführt haben. Zumindest hat der Patient genug zu essen und zu trinken bekommen (auch wenn die Krankenhauskost heute immer noch mitunter zur Mangelversorgung führte, bliebe man nur lange genug da).

Selbst wenn die Ansicht vertreten wird, es sei eine rein symptomatische Therapie: Falls jeweils eine solche unterbliebe, wäre u.U. das Weiterleben nicht möglich gewesen. Im Klartext: Wenn z. B. einem hypovolämischen und/oder hämorrhagischen Schock, Diarrhö, inneren Blutungen, gram-negativer Sepsis nicht mit Infektionsprophylaxe und -therapie, Dialyse, Ersatz von Gerinnungsfaktoren und Hormonen, Flüssigkeitsersatz und sonstigen Gegenmaßnahmen begegnet würde, hätte auch das beste Immunsystem keine Chance.

Ist nicht die polit-medizin-darwinistische Maßnahme, die Ebola-Länder mit den Problemen weitgehend allein zu lassen politisch untragbar und ein humanitärer Skandal? Warum mussten ca. 9994 andere Ebolakranken auf eine adäquate Behandlung weit unter dem Luxus einer solchen medizinischen (Nicht-)Betreuung verzichten ?

Aber wenn 50 Millionen Flüchtlinge nur europäische Abwehrreaktionen hervorrufen statt die Hilfsbereitschaft zu vervielfachen, sind ein paar zehntausend Ebolakranke eine "quantité négligeable", wenn sie zuhause bleiben, ebenso wie 10000 Krankenhaustote : Das ist politisch relevanter Wirtschaftsdarwinismus.

Wie brüllte der Alte Fritz seine Grenadiere aufmunternd an: "Hunde, wollt ihr ewig leben?"

21:03 17.11.2014
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

bertamberg

Xundheit! Salut! o! genese! Aufs Ganze gehen, bei Erkennen & Tun, Diagnose & Therapie. Alles ist vollkommen, "wenn das nötige gemacht ist." (Goethe)
bertamberg

Kommentare 1

Avatar
Ehemaliger Nutzer | Community