Friedensappell im FAZ-Verriss

Kritik Nackte Angst treibt Intellektuelle in groteskes Weltbild?
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Nachdem Anna Prizkau jüngst mit ihrem Artikel „Ist halt so, ist die Wahrheit!“ bewiesen hat, dass man heutzutage nicht besser als eine Fünftklässlerin argumentieren muss, um in der FAZ abgedruckt zu werden, legt die Zeitung nun im Kampf um Deutungshoheit nach.


Unter der Überschrift "Denen rutscht doch das Herz in die Hose" widmet sich der Historiker Bert Hoppe der vorbereitenden Aufgabe, den von Horst Teltschik und Antje Vollmer initiierten Aufruf "Wieder Krieg in Europa? Nicht in unserem Namen!" den Lesern so zu erklären, wie sie ihn im Geiste transatlantischer Freundschaft bitte zu verstehen haben. Nämlich als das Werk feiger, verwirrter Hasen.


Vorbereitend ist die Aufgabe deshalb, weil der Friedensappell den Zeilen Bert Hoppes nachgeordnet ist. Der Leser muss ja erst präpariert werden. Immerhin bildet der Friedensappell - in gewissem Sinn - das letzte, wenn auch sehr verspätet präsentierte Wort. Denn mit gewohnter Zuverlässigkeit wurde die Kommentarfunktion nicht zu deaktivieren vergessen.


Einen Friedensappell zu diskreditieren ist natürlich nicht ganz leicht. Auch Herr Hoppe weiß das. Gewiefter als Frau Prizkau ist er allemal: "Friedensappelle sind ja eigentlich immer zu begrüßen", schreibt er zu Beginn.

Mit dem "eigentlich" hat er aber schon die Klammer gesetzt, die er braucht. Über den Umweg, die Verfasser zu diffamieren, will er stoßtruppartig ans Ziel gelangen. Die Verfasser des Friedesappells leiden, erklärt er den Lesern, an einer "grotesk verzerrten Wahrnehmung der Realität", basierend auf "nackter Angst" und einem "überkommene(n) Denkmuster".


Bert Hoppe kritisiert Weicheier, Leisetreter ohne militärische Körperspannung. Begreift das der Leser? Was richtet "nackte Angst" in solch zivil-verschüchterten Hirnen an? Bert Hoppe veranschaulicht:


"Wer zu viel Kriegsangst hat, denkt bei Tannenbäumen gleich an russische Jagdflugzeuge."


Wer nüchterne Sprache mit anschaulichem Beispiel so zu verbinden weiß, legt Ehre für seine Disziplin ein. Wir wollen es festhalten: der Name des deutschen Historikers Bert Hoppe wird nachhallen.


Und schwingt sich nicht der Qualitätsjournalismus der FAZ in neue, höhere und höchste Höhen, wenn er durch die Abbildung von vier russ. Jagdflugzeugen fotodokumentarisch belegt, wie ein Angsthase Tannenbäume sieht?


Was erdreisten sich die Verfasser des Friedensappells? Was bedeutet uns die Erfahrung "einer Generation, für die der Kalte Krieg und die Gefahr eines Atomkriegs zum Alltag gehörten"? Warum soll man die Wiederkehr von Kaltem Krieg, gar die Möglichkeit eines Atomkrieges fürchen, wenn man, Bert Hoppe folgend, doch die Augen auf eine "unabhängige Ukraine" richten kann? Blühende Landschaft, wenn sie erst vom Unkraut der Korruption, der Oligarchen, der Nazis usw. befreit und mit dem Zustrom frischen, europäischen Kapitals gekräftigt ist.


"Heute reicht schon ein Übungsflug russischer Fernbomber über dem Atlantik, damit deutschen Intellektuellen das Herz in die Hose rutscht."


Herr Hoppe ist kein Mann solch intellektueller Denkungsart. Sonst würde er sich vielleicht daran erinnern, dass es, wie vor hundert Jahren, nur zweier kleiner Pistolenkugeln bedarf, um das ganz große Kino (völlig unvorhergesehen übrigens) in Gang zu setzen. Vorausgesetzt, man hat vorher eine entsprechende Atmosphäre der Feindschaft zwischen den Völkern geschaffen. Diese Gemengelage von Recht haben, moralischer Überlegenheit und der Präsenz jener Scharfmacher, die wieder Rüstung und Unnachgiebigkeit fordern. Für unsere Werte natürlich.

06:03 11.12.2014
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