Auch eine Art von Volksverdummung

Die Patin Gertrud Höhler hat die Chance verpasst, die Demagogie der Merkel Politik zu entlarven
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Michael Angele schreibt im aktuellen FREITAG über "Die Patin", das neue Buch von Gertrud Höhler.

http://www.freitag.de/autoren/michael-angele/angela-merkel-und-doktor-mabuse

Gertrud Höhler ist eine profunde Kennerin politischer und ökonomischer Entscheidungsprozesse in Deutschland. Und die Kanzlerin wird nicht nur von ihr als konturlos beschrieben. Wenn Höhler schreibt, "die schwer lesbare Kanzlerin lebt tendenziell immer undercover", so ist das sicherlich keine Beschreibung einer transparenten und offenen Regierungsarbeit.
Nun wirkt es nur auf den ersten Blick paradox, dass in der Woche, in der das Buch erschien, die CDU in der wöchentlichen Forsa-Umfrage auf sagenhafte 39% kletterte.
Pusht Höhler damit die Kanzlerin, weil ja auch Negativwerbung Erfolg produzieren kann? Diese Lesart wäre zu einfach.
Schon seit mehr als zwei Jahren sieht sich die "german iron lady" Kritik nicht nur der politischen Opposition, sondern auch namhafter Wirtschaftswissenschaftler ausgesetzt, Beispiel Eurobonds. Weder ihren persönlichen noch den Umfragewerten ihrer Partei hat dies bisher geschadet.
Die Kanzlerin hat unmerklich den Kerninhalt ihrer Politik mit ihrer eigenen Person verknüpft. So wie ihre Politik in der Eurokrise vorgeblich alternativlos ist, so wird sie von der Mehrheit der Deutschen als alternativlos angesehen, was sich regelmässig in den Beliebtheitszahlen im Vergleich zur SPD-Troika dokumentiert.
Nun hat es die politische Elite Deutschlands schon immer verstanden, ihre hegemoniale Politik dem Wahlvolk als altenativlos darzustellen. Hier reiht sich Merkel in eine dunkle Tradition ein. Und dies wider besseres Wissen, denn auch der deutschen Regierungschefin sind die ökonomischen Fakten selbstverständlich bekannt. Doch ihre öffentlichkeitswirksam zelebrierte Politik des Verteidigens des deutschen Wohlstands verfängt bei der Mehrheit der Deutschen immer noch. Die Betonung typisch deutscher Tugenden wie Fleiß, Ausdauer und Gründlichkeit wird in einen Kontext mit denfaulen und korrupten Südländern gesetzt, die von Deutschland alimentiert werden müssen.
Gertrud Höhler hätte in ihrem Buch diese gefährliche Demogogie, die der Merkel`schen Politik innewohnt, entlarven können. Ihre Kenntnisse wie auch ihre Fähigkeit, sich sprachlich brilliant auszudrücken, hätten sie dazu befähigt. Diese Chance hat Höhler verstreichen lassen. Mehr noch, ihre Mystifizierung der Kanzlerin, man schaffe "Anklänge an die geheimbündlerische Welt", wird eher dazu führen, dass Merkel ihre Politik der Volksverdummung ungestört weiter betreiben kann.
In der heutigen Zeit aber ein Buch über die Kanzlerin zu schreiben, ohne ihre Politik kritisch und sachlich zu analysieren, ist auch eine Art von Volksverdummung.

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Geschrieben von

rolf netzmann

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rolf netzmann

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