auf dass ich dort nie hänge...

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Ich war vor kurzem in einem Gerichtsgebäude, wollte etwas erledigen. Wie es bei deutschen Behörden üblich ist, bekam ich eine Wartenummer und durfte auf einer langen Bank in einem noch längeren Flur Platz nehmen. Über dieser Bank hing eine grosse Pinnwand, an welche viele Beschlüsse dieses Gerichtes gepinnt waren. Weil ich ja Zeit hatte, begann ich diese zu lesen. Da waren Zustellungsbescheide an Personen, deren momentaner Aufenthaltsort dem Gericht unbekannt ist , Ankündigungen von Zwangsversteigerungen und... Bekanntmachungen von Insolvenzen. Da wurde öffentlich und für jeden sichtbar mitgeteilt, dass über das Vermögen eines Menschen jetzt ein Rechtsanwalt wacht, weil dieser Mensch pleite ist. Hinter jedem dieser mehr als ein Dutzend seelenlosen Blätter Papier steht ein persönliches Schicksal, eine Scheidung, eine gescheiterte Selbstständigkeit, Arbeitslosigkeit. Viele dieser Menschen haben lange gekämpft gegen diese Insolvenz und werden jetzt öffentlich vorgeführt. Rechtlich ist das zweifellos in Ordnung, dass diese Beschlüsse öffentlich ausgehängt werden,, nur habe ich mir heute so überlegt, wie diese Menschen sich fühlen müssen, wenn ihr Schicksal so öffentlich ausgebreitet wird. Auf dass ich dort nie hänge....

13:29 21.04.2010
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Geschrieben von

rolf netzmann

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rolf netzmann

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