Das System verändert sich

Mensch vs.Natur wie der Homo Sapiens langsam das organische System der Natur verläßt
Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community
Hurra, wir leben noch. Der Weltuntergang wurde verschoben, die Erde kreist immer noch um die Sonne und der Homo Sapiens kann weitermachen wie bisher.
Doch nehmen wir mal an, es wäre gestern wirklich zur Apokalypse gekommen und einige wenige Menschen hätten diese überlebt.
Diese Hypothese wirft viele Fragen auf. Wo wären sie geblieben und wie hätten sie die Erde verlassen? „Beam me up, Scotti!“, wurden sie in einer Hülle aus ihnen unbekannter Materie in die für Flüge im Hyperraum konzipierte Raumschiffe der Extraterrestrians gebeamt? Oder erwachten sie ohne jede Erinnerung in einer anderen Dimension? Blieben sie auf der Erde als Warnung für andere Zivilisationen, ihre Welt sorgsamer als wir zu behandeln? Wurden sie allein gelassen in einer lebensfeindlichen Umgebung,in glühender Hitze durch eine nur noch marginal existierende Ozonschicht? Oder in einer neuen Eiszeit mit Tieren, die durch eine gleichzeitig abgelaufende genetische Veränderung bisher nicht auf der Erde lebten?
Egal, wo sie sich befunden hätten, die Fragen nach dem Damals wären bald aufgekommen.
„Früher war alles besser“, dieser Satz hätte in dieser fundamental anderen Wirklichkeit keine Bedeutung.
Wir wissen heute, dass der point of no return immer näher rückt, dass wir uns auf einem gefährlichen Weg befinden und das Gleichgewicht der Natur immer mehr zerstören. Doch nichts hält uns davon ab, diesen Weg, wider besseren Wissens, weiter zu gehen.
Nehmen wir also einmal an, einige Dutzend Menschen hätten die Zerstörung der Erde überlebt.
Wie würden sie die Vergangenheit bewerten? Als vertane Chance vielleicht, im Einklang mit der Natur zu leben. Als Eintreffen der Prophezeiung vielleicht, dass Gott diejenigen bitter bestraft, die sein Werk nicht in Ehren halten. Oder als unausweichliche Konsequenz menschlichen Handelns, das schon lange jede Achtung vor der Schönheit und Einzigartigkeit der Natur verloren hatte. Egal wie diese Wertungen auch ausfallen würden, sie hätten alle eines gemeinsam. Es wären Wertungen einer für immer verlorenen Vergangenheit.
„Früher war alles besser“, ist auch so eine, noch dazu pauschale, Wertung.
Früher war alles besser, früher war alles gut, da hielten alle noch zusammen, die Bewegung hatte noch Mut. Früher, hör auf mit früher, ich will es nicht mehr hörn, früher war es auch nicht besser, mich kann das alles nicht störn.... dieser Beginn einer Punk-Hymne drückt das Gefühl des im Heute lebens sehr deutlich aus.
Die Menschen neigen zur Verklärung. Und je instabiler und unsicherer die Zeiten auf den Einzelnen wirken, um so mehr nimmt dieser Drang zu. Wir erinnern uns wehmütig an die Vergangenheit, in der noch Ordnungsprinzipien wirkten, die wir heute vermissen. Wir verklären diese Vergangenheit wie bis heute die „goldenen Zwanziger“, obwohl wir wissen, dass die 20-er Jahre des letzten Jahrhunderts auch von Not und Elend, von Arbeitslosigkeit und Kriminalität und am Ende sogar von einem immer offener zu Tage tretenden Faschismus geprägt waren.
Die wenigen überlebenden Menschen würden ihre Vergangenheit mit Sicherheit nicht verklären. Zu radikal wäre der Bruch in ihrem Leben, als dass sie dieser Versuchung erliegen würden.
Sie würden, zu spät, erkennen, dass die Achtung vor dem Leben und der Natur eine Grundvoraussetzung für das eigene störungsfreie Leben darstellt.
Und doch liegen die Maya mit ihrer Vorhersage nicht so verkehrt, wie wir heute glauben wollen. Die größten Gefahren für die Menschheit liegen in uns selbst, in unserem Irr-Glauben, dass wir dank unserer Intelligenz die Natur beherrschen können. Sie liegen in unserem Nicht-Erkennen unseres Platzes in einem organischen System, in dem der Homo Sapiens nur eines von mehreren Elementen darstellt. Und weil dieser Mensch die Funktionsfähigkeit dieses Systems immer stärker beeinträchtigt, wird er seinen Platz in ihm verlieren. Das System verändert sich und wird, vielleicht, irgendwann ohne uns Menschen auskommen. Eine Erde in Harmonie, ohne eine renitente Lebensform, die keine Regeln kennt außer einer einzigen, dass sie allein die Regeln festlegt. Das ist auch eine schöne Vorstellung.
Ein Beamen in eine bessere?? Welt oder eine andere Dimension existiert als Alternative nicht.
Das Aussterben unserer Zivilisation beschleunigen wir Menschen schon lange.
Und ob wir dabei von nicht nur technisch, sondern vor allem auch zivilisatorisch höher entwickelten Wesen beobachtet werden, wer will dies vollständig ausschließen?
19:21 22.12.2012
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

rolf netzmann

life is illusion, adventure, challenge...but not a dream
Schreiber 0 Leser 1
rolf netzmann

Kommentare 7

Avatar
Ehemaliger Nutzer | Community
Avatar
Avatar
Avatar