Der Reisepass als Organspendeausweis?

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In der heutigen Berliner Morgenpost ist es auf der Seite 2 nur ein kleiner Beitrag. Bei Pässen, die neu ausgegeben werden, soll gleichzeitig eingetragen werden, ob der Inhaber Organspender ist. Ensprechende Überlegungen gibt es von Gesundheits - und Rechtspolitikern der Unionsfraktion. Weil Pässe, genauso wie in Zukunft Führerscheine, nur noch befristet ausgegeben werden, könne so nach und nach die gesamte Bevölkerung erfasst werden.

"die gesamte Bevölkerung erfasst", mir klingeln die Ohren. Ich habe selber einen Orgenspendeausweis, nur meine ich, dass dies eine sehr individuelle Entscheidung ist, die jeder Bürger mit sich ausmachen muss. In einem Personaldokument, wie es ein Reisepaß darstellt, hat dies nichts zu suchen. Wir haben es hier mit einer weiteren Idee zu tun, uns Bürger zu entmündigen, die Sammelleidenschaft des Staates schlägt hier gleich mehrere Purzelbäume. Erstens, ein Personaldokument sollte wesentliche persönliche Daten enthalten. was hat die Bereitschaft, im Falles eines Ablebens Organe zu spenden, damit zu tun? Zweitens würde dies bedeuten, dass eine so amtlich dokumentierte Bereitschaft nicht oder nur mit einem bürokratischen Aufwand revidiert werden kann. Wo bleibt hier das Recht, über sich selber zu bestimmen? Und drittens greift der Staat hier in ein Thema ein, was gerade erst in die öffentliche Diskussion kommt, wo noch ein erheblicher Aufklärungsbedarf besteht. Ich bin überzeugt davon, dass viele Bürger, wenn sie bei der Beantragung eines neuen Passes gefragt werden, ob sie Organe spenden wollen, überhaupt nicht in der Lage sind, die Tragweite eines "Ja" abzuschätzen. Aus eigener Erfahrung weiss ich, dass es einer intensiven Beschäftigung mit diesem Thema bedarf, um ruhigen Gewissens sich dafür zu entscheiden. Was hier halbausgegoren überlegt wird, zäumt das Pferd massiv von hinten auf.

Fazit, die tatsächlich geringe Zahl von Organspendern und real existierende lange Wartelisten mit Menschen, welche ein Spenderorgan brauchen, wird hier für eine Aktion missbraucht, die uns wieder ein Stück mehr zum gläsernen Bürger macht und tief in sehr Persönliches eingreift.

Wer mehr über Organspende wissen möchte, hier der Link zur DSO, der Deutschen Stiftung für Organspende:

dso.de/

04:22 15.09.2010
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Geschrieben von

rolf netzmann

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rolf netzmann

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