Die Enden der Parabel 70 - 100

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Weiterlesen, auch wenn es sich für mich immer noch schwierig liest, doch an den etwas ungewöhnlichen Schreibstil des Autors habe ich mich inzwischen gewöhnt. Es zieht mich langsam hinein in eine Zeit, die ich bisher nur aus Geschichtsbüchern kenne, es erweitert meinen Horizont. So manches mal muss ich innehalten, das Gelesene wirken lassen, um es anzunehmen. Die Intensität der Sprache, die vielen unterschiedlichen Protagonisten, wer ist wer, wer arbeitet wo, wer betreibt was, es wirkt immer noch verwirrend. Manches wirkt mystisch, irreal auf mich, die Versuche mit den Hunden, das parapsychologische des Ltn. Slothrop.

Ich lasse mich treiben, nehme es auf, lasse es sinken. Wem ist es von Euch bereits passiert, dass in heutigen realen Alltagssituatioen plötzlich eine Sequenz des Buches aus dem Unterbewusstsein auftaucht, sich in die Nervenbahnen des eigenen Gehirns bohrt und fordert, beschäftige dich jetzt mit mir. Ich habe es erlebt, ein Zeichen dafür, wie mich dieses Buch fasziniert, wie es mein Unbewusstes Handeln beeinflusst. Ein Zeichen dafür, wie tief es mich seinen Bann zieht.

Seite 99:

" Aber eine Rakete hat plötzlich eingeschlagen. Eine schreckliche Detonation, ganz dicht beim Dorf: das Gefüge der Luft, der Zeit ist verwandelt-der Fensterflügel nach innen gedrückt, wo er mit hölzernem Quietschen zurückprallt, um erneut gegen die Wand zu schlagen, während das ganze Haus immer noch bebt. Ihre Herzen hämmern. Die Trommelfelle, von Luftdruck zum Zerreißen gespannt, klingeln schmerzhaft. Der unsichtbare Zug donnert über den Dachfirst davon...

Sie sitzen jetzt genauso starr wie die gemalten Hunde, schweigend, seltsam unfähig, einander zu berühren. Der Tod steht in der Küchentür und beobachtet sie, eisern und geduldig, mit einem Blick der sagt: Versucht mal, mich zu kitzeln."

Kompakt, bildgewaltig, mit einer sprachlichen Intensität beschreibt Pynchon den Irrsinn des Krieges in diesen Worten. Bis hierher für mich die Zeilen, die mich am meisten berührt haben.

Der Text ist Teil eines Projekts:
Wir lesen gemeinsam Thomas Pynchons "Die Enden der Parabel".

18:21 27.08.2010
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Geschrieben von

rolf netzmann

life is illusion, adventure, challenge...but not a dream
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rolf netzmann

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