Die Grünen als Volkspartei?

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Nach den jüngsten Umfragen von zwei Wahrsagungsinstituten würden, wenn morgen Wahlen wären, sowohl in Berlin als auch im Bund etwas 20% der Wähler den Grünen ihre Stimmen geben. Das ist der höchste jemals ermittelte Wert für die Öko - Partei. Öko-Partei? Wenn dies so wäre, würde ich in die Hände klatschen, nur ist das alles nur Konjunktivismus.

Die Grünen sind längst keine ökologische, das Land vorwärtstreibende Partei mehr wie in den Jahren nach ihrer Gründung, als sie die politischen Konstellationen durcheinanderwirbelten. So stellt Cem Özdemir auch fest, dass die Grünen trotz der guten Umfragewerte keine Volkspartei sind, weil sie ja in 3 Landtagen gar nicht vertreten seien. Was aber bewwirkt dann diese Zustimmung?

Die Grünen wirken von den 3 Oppostionsparteien nach außen am Geschlossensten. Keine innerparteilichen Flügelkämpfe, konsequent die Bundesregierung attackierend und profilierte Politiker, die das politische Geschäft perfekt beherrschen. Während bei der Rente mit 67 die SPD mühsam einen innerparteilichen Kompromiss zwischen ihren beiden Spitzenmännern Steinmeier und Gabriel sucht, während die Linke sich selber auseinandernimmt, weil ihr Co - Vorsitzender Klaus Ernst nach Meinung mancher Mitglieder und Funktionäre zu viel Geld verdient und der bayerische Landesverband im Chaos versinkt, haben die Grünen eine positive Außenwirkung.

Außerdem profitieren Sie von der anhaltenden Schwäche der Bundesregierung und ihrem Drängen auf eine rot - grüne Minderheitsregeriung in NRW, wo sie deutlich gezeigt haben, dass sie mit der SPD das Wagnis eingehen wollen und eine Renessaince von Rot-Grün anstreben.

Andererseits kleben Sie in Hamburg an der Macht und stecken dort eine Schlappe nach der anderen ein. Nach dem liberalen und weltgewandten Ole von Beust werden sie auch unter dem strammen Law and Order Politiker Ahlhaus die Macht der Christdemokraten stützten, und dieser wird , weil er die Grünen an der Elbe braucht, diese halbwegs pfleglich behandeln.

Das grüne Stammwählerpotential liegt nach Einschätzung der Wahrsagungsinstitute bei etwa 8%, immer noch. Ob es wirklich dauerhaft zu steigern ist, wird auch davon abhängen, ob außer einer gelungenen medialen Inszenierung inhaltlich etwas geboten wird, was neue Wähler an die Partei binden kann. Nur auf die Schwäche der Regierenden zu setzen ist auch keine perspektivreiche Strategie.

12:45 20.08.2010
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Geschrieben von

rolf netzmann

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rolf netzmann

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