Es sind die Unbekannten...

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Wieviele Lesebühnen gibt es in Berlin, auf denen junge Autoren ihre Werke vor einer Handvoll Zuhörer vortragen? Wieviele Menschen, die schreiben, die das, was sie im Leben erleben, in Worte kleiden und anderen präsentieren, nachdenkliches, lustiges, skurilles, eben einfach den ganz normalen Wahnsinn des Lebens, gibt es in dieser Stadt? Und wie schwierig ist es für diese Autoren, wieviel Enthusiasmus erfordert es, immer wieder vor manchmal nur 4, 5 Zuhörern in einem kleinen Raum diese Gedichte und Geschichten zu präsentieren.

Am letzten Donnerstag hatte ich dieses Erlebnis wieder. In der Lichtenberger Lokalpresse angekündigt war eine Lesung in einem Bürgertreff im Wohngebiet Frankfurter Allee Süd. Eine Stunde Programm, eine bunte Mischung aus Gedichten und Geschichten, alltägliches, phantasievolles, lustiges, eben das normale Leben.

Es war ein kleiner Raum, eine gemütliche Atmosphäre, Korbstühle um einen Tisch gruppiert. Vor Beginn des Abends eine kleine Plauderei über Bücher und Schriftsteller, locker und ungezwungen.

Die Lesung war immer wieder unterbrochen von Gesprächen über das Gehörte, ein teilweise lebhafter Dialog zwischen Autor und Publikum, Scherze und Lachen. Eine Lesung , die allen Vergnügen bereitet hat, dem Autor und den Zuhörern.

Es sind die unbekannten Schreiber, welche den Unterbau des Berliner Kulturlebens bilden, welche keine gr0ßen Räume füllen können und wollen. Und, auch das muss erwähnt werden, es sind die unbekannten Veranstalter, die solche Lesungen organisieren, weil sie wissen, dass es in ihrem Einzugsgebiet Menschen gibt, welche sie damit erreichen und ihnen ein Stück Kultur ermöglichen, fernab des Mainstreams, aber auch wichtig und erwähnenswert.

Auch dies gehört zum Berliner Kulturleben, auch wenn es nicht in den Zeitungen und Stadtmagazinen kommentiert wird.

10:58 13.02.2011
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Geschrieben von

rolf netzmann

life is illusion, adventure, challenge...but not a dream
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rolf netzmann

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