Frida Kahlo -- eine Retrospektive

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Frida Kahlo war die einzige bedeutende mexikanische Malerin, die ausserhalb ihres Heimatlandes Anerkennung fand. Mit diesen Worten wird der Besucher im Berliner Martin-Gropius Bau zu der Retrospektive der von 1907 - 1954 lebenden Künstlerin eingeladen. Frida Kahlo war Autodidaktin, sie begann im Alter von 18 Jahren eher zufällig zu malen, während der Rekonvaleszenz nach einem schweren Busunfall, bei dem sie sich eine sie ihr gesamtes Leben behindernde Rückenverletzung zuzog. In den ersten beiden Räumen sieht der Zuschauer Fotos aus verschiedenen Etappen und Orten ihres Lebens. Sie zeigen die Künstlerin in New York, das sie immer wieder besuchte und wo sie mehrere Austellungen hatte, in ihrem Geburtshaus, dem Blauen Haus, das sie Zeit ihres Lebens bewohnte, mit Freunden und immer wieder mit dem Mann, mit dem sie zwei mal verheiratet war, dem Maler Diego Riviera, 19 Jahre älter als sie. Die Ausstellung ist chronologisch angeordnet, die ersten von ihr gemalten Bilder zeigen Schulfreunde und Freundinnen, sind Selbstportraits oder Zeichnungen ihres damaligen Wohnumfeldes. Auffallend ist durch die ganze Ausstellung, dass Frida Kahlo verschiedene Techniken beherrschte, Tusche genauso wie den Bleistift oder, was ihr Mann meisterhaft konnte, Wandmalerei. Die Ausstellung zeigt beim Gang durch die Räume ihre künstlerische Weiterentwicklung, sie beschäftigt sich intensiv mit indischer Mythologie und den indianischen Wurzeln des mexikanischen Volkes. In Stilleben verarbeitet sie unter Einbeziehung mythischer Elemente ihre eigenen Lebenskrisen, die ewigen Seitensprünge ihres Mannes, ihre Äffären mit anderen Künstlern. Zu erleben ist eine verletzbare, feinfühlige Frau auf der Suche nach sich selbst und dem Sinn ihres Lebens, die immer wieder mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen hatte. 1937 lernt sie eine junge Psychologiestudentin der Universtät Mexiko-Stadt kennen, die ihr Malereien von psychisch kranken Menschen zeigt. Es entwickelt sich eine intensive Freundschaft, die bis zu ihrem Tod anhält. Als sich ihr Mann das zweite Mal von ihr scheiden lassen möchte, gerat die sensible, gesundheitlich angeschlagene Kahlo in eine tiefe Lebenskrise. Ihre Freundin, inzwischen ausgebildete Psychologin bittet sie, zu Gefühlen wie Hass, Bitterkeit, Freude, Wut, Eifersucht und anderen kleine Zeichnungen anzufertigen, welche in dieser Ausstellung in einem separaten Raum zu sehen sind, ein beeindruckendes Bild einer tief verletzten Frau, sehr berührend und zum Nachdenken anregend.

Obwohl Frida Kahlo sich selber nie als Surrealistin gesehen hat, wurde sie schon zu ihren Lebzeiten zu den bedeutendsten Surrealisten grechnet.

Alles in allem eine Ausstellung, deren Besuch auf jeden Fall zu empfehlen ist, wegen der Ästhetik der Bilder und einer Künstlerin, die uns auch heute noch vieles zu geben hat.

16:04 10.07.2010
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Geschrieben von

rolf netzmann

life is illusion, adventure, challenge...but not a dream
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rolf netzmann

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