Germany Theater

Theater es ist ein interessantes Theater, was uns Deutschen hier geboten wird
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Es ist ein Trauerspiel, das gegenwärtig auf der Deutschen Staatsbühne gespielt wird. Die Akteure kommen aus Berlin und Karlsruhe, aus Köln und München-Pullach. Und die Zuschauer sehen gelangweilt, interessiert, verachtend oder apathisch zu.
Eine Dame betritt die Bühne. Ein Lichtkegel erfasst sie. Sie ist die Tochter eines früher sehr bekannten Provinzschauspielers und hat den Sprung in das Rampenlicht der Metropole scheinbar mühelos gemeistert. Aus dem schwarz-.rot-goldenen Ball in ihren Händen fließen in einem stetigen Strom Münzen und Geldscheine. Doch je mehr sie ihn aufpustet, um so mehr droht dieser Strom zu versiegen. Stirnrunzelnd sieht die Regisseurin aus dem Nordosten der Republik der Aufführung zu. Immer tiefer graben sich die Zornesfalten in ihr Gesicht. Wann wird sie diesem Treiben ein Ende bereiten und diese Dame wieder in die Provinz befördern?
Drei ältere Männer waschen sich in einem Trog die Hände in Seifenlauge. Wie auf Kommando drehen sie sich gleichzeitig um, sehen mit starrem Blick in das Publikum und murmeln:"Geheim bleibt geheim". Hinter ihnen stehen in U-Form aufgestellte Tische. Die Männer legen ihre Aktenkoffer ab und nehmen Platz. Herren und Damen mit einem großen weißen "P" auf dem Rücken versuchen die mit Zahlenschlössern gesicherten Koffer zu öffnen. Vergeblich... Die drei älteren Männer mimen inzwischen die berühmten Affen, nichts sehen, nichts hören, nichts reden.
Der nächste Akt. Acht Männer und Frauen mit roten Roben betreten langsam die Bühne. "Die deutsche Souveränität war nie in Gefahr", verkünden sie mit ernster Miene, während sie sich tief vor einer von der Decke herabschwebenden Europafahne verneigen. In der linken Bühnenecke steht ein kleiner Mann mit runder Brille und Halbglatze. Er ballt die Fäuste und schüttelt heftig mit dem Kopf.
Der Tod erscheint auf der Bühne. Seine Lakaien tragen schwarze Särge und stellen sie ab. Ein Gebirge baut sich auf, die Musik verbreitet eine getragene und sentimentale Stimmung. Männer mit langen schwarzen Bärten und Maschinenpistolen stürmen in den Zuschauerraum. "Tod den Ungläubigen" skandieren sie. Auf der Bühne verbrennt langsam eine schwarz- rot-goldene Fahne. Dunkler Rauch steigt auf.
Was wäre das Theater ohne seine abgehalfterten Stars, deren Zenit längst überschritten ist? Eine elegant gekleidete Dame Ende 30 löst sich aus dem nur langsam abziehenden Rauch. In der Hand hält sie ein Buch. In kleinen Buchstaben sind die Worte zu lesen -- "19 Monate im Schloß...". Doch die Zuschauer verlassen den Saal bereits in Scharen.
Im Foyer stehen sie, nippen an Bier und Wein und reden -- über Germany 2012.
18:33 14.09.2012
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Geschrieben von

rolf netzmann

life is illusion, adventure, challenge...but not a dream
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rolf netzmann

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