Hugos qualvoller Tod

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Hugo schwamm bereits seit Jahren im Golf von Mexico umher. Er war ein älterer, doch noch rüstiger Fisch, der die Einsamkeit des allein Umherstreifens liebte. Er kannte sein Revier, auch wenn sich hier in den letzten Jahren einiges verändert hatte. Wo er früher mit anderen frei und ohne Störungen herumtollen konnten, war es enger geworden. Wo früher das blaue Wasser war, die Lagunen und Riffs, war es dunkler geworden. Und es war einsamer geworden, er war viel mehr allein als früher. Die Hindernisse , die das freie, ungestörte Dahingleiten störten, hatten zugenommen, die Ruhe im Wasser dagegen abgenommen. Manch andere Fische waren weitergezogen in die Unendlichkeit des Meeres. Er war geblieben, hier war seine Heimat, hier kannte er sich aus.
Nur heute war es anders, irgendetwas stimmte nicht. Hugo spürte es, und es wirkte bedrohlich. Es ging von diesen Hindernissen aus, die lärmten noch intensiver als gestern. Was war das? Hugos Neugier war geweckt. Er machte sich auf den Weg, er hatte sowieso nichts zu tun. Je näher er kam, umso intensiver wurde das Poltern und das Wasser wurde trüber. Hugo stutzte, so etwas hatte er noch nicht gesehen. Da schwammen schwarze Blasen im Wasser. Sollte er näher heranschwimmen, neugierig wie er war? Neugier und Angst beherrschten ihn, sollte er es wagen? Langsam schwamm er näher. Das sah aus eine kleiner durchsichtiger Luftballon. Hugo stupste ihn an, er schwamm ein Stück weiter, ehe er zerplatzte. Etwas neues erregte seine Aufmerksamkeit, etwas Schwarzes kam auf ihn zu. Was war das schon wieder? Hugo schwamm näher, das musste er sich ansehen. Es war riesig, füllte sein ganzes Blickfeld aus und das Rauschen war intensiver zu spüren. Hugo schwamm auf das Schwarze zu und dieses auf ihn. Noch war es etwas entfernt von ihm, doch es kam ihm immer näher und jetzt ... hatte es ihn erreicht. Hugo merkte, wie seine Flossen schwer wurden und etwas Seltsames floss, kroch, bewegte sich in seine Kiemen und nahm ihm immer mehr an Lebenskraft. Hugo spürte, dass es zu Ende ging und verfluchte wieder einmal seine Neugier. Verdammt, hier kam er nicht mehr lebend heraus, so wie damals, als er sich m Netz verfing. Da dachte er auch, das war es, ehe das Netz an einem Stein zerrissen war und er wieder in die Freiheit schwimmen konnte. Nur jetzt, er spürte, wie sein Körper erschlaffte, er bewegte seine Flossen nicht mehr Das ist also der Exitus, dachte er, dann spürte er nichts mehr. Das Öl hatte sich sein nächstes Opfer geholt und es sollte nicht das letzte sein.

12:30 26.04.2010
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Geschrieben von

rolf netzmann

life is illusion, adventure, challenge...but not a dream
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rolf netzmann

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