ick fahr dann mal tanken... und einkaufen

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Heute morgen hörte ich in den Nachrichten eines Berliner Rundfunk Senders den neuesten Vorschlag unseres Bundeswirtschaftsministers.Weil es in Österreich so schön funktioniert und die Preise drückt, will er es auch in Deutschland einführen, dass Lebensmitteldiscounter in ihr Sortiment auch Super, Super plus und Diesel aufnehmen. Genannt wurden namentlich Aldi und Lidl, weil die österreichische Aldi Tochter es so wunderbar vorexerziert.

Wie soll das praktisch aussehen? Vor meinem Lidl um die Ecke wird gebuddelt, die unterirdischen Tanks werden eingelassen, die Zapfsäulen aufgestellt und eine Anbindung zum bereits vorhandenen Parkplatz gebaut. Erst das Auto volltanken, danach einkaufen. Nach den Vorstellungen des Ministers soll dies den Wettbewerb fördern und für niedrigere Preise sorgen.

Wie wird die Realität aussehen? Lidl und Aldi sind straff marktwirtschaftlich organisiert, sprich, sie müssen genau so Profit erwirtschaften wie jedes andere Unternehmen. Wenn also die großen Tankstellenketten die Preise anziehen, vor Ferienbeginn, Wochenenden oder Feiertagen, werden die Aldi und Lidl Spritshops dies genau so tun, weil sie den Sprit genau so von den Mineralölkonzernen einkaufen müssen. Von einer Steuerreduzierung für die Discounter-Tankstellen hat der Minister nichts gesagt, also müssen sie alle auf dem Spritpreis liegenden Steuern genau so wie die " richtigen" Tankstellen an den Staat abführen. Dass sie, eventuell, die Preise um 1 - 3 Cent unter denen von Aral oder Total halten werden, ist auch keine Neuerung, dies machen freie Tankstellen schon seit Jahren.

Worum geht es also? Es entsteht der Eindruck, dass der Minister den Lebensmittel-Discountern eine neue Einnehmequelle eröffnen möchte. Diese dürfte auch reichlich genutzt werden, kann doch der Verbraucher so einen Weg sparen und zwei Einkäufe zugleich erledigen. Dass Aldi und Lidl heute schon keine reinen Lebensmitteldiscounter, gibt es solche überhaupt noch?, sind, weiss auch jeder. Von Kleidung und Schuhen bis zu hochwertigen Konsumgütern wie TV-Geräten und Laptops reicht das Angebot. Insofern würde eine Erweiterung um den Massenbedarfsartikel Sprit ja sogar sinnvoll sein.

Nur muss der Bundeswirtschaftsminister uns Verbrauchern dies als eine Idee verkaufen, welche den Preis dauerhaft senken soll?

Ehrlicher wäre es, wenn er sagen würde, dass er den Discountern eine neue, dauerhafte und profitable Einnahmequelle erschließen möchte.

Nur, welcher Politiker ist schon so ehrlich?

08:09 17.01.2011
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Geschrieben von

rolf netzmann

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rolf netzmann

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