Let´s rock again -- die "Toten Hosen" live

Rockkonzert Gestern Abend live in Berlin -- die Düsseldorfer Punkrocker
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Vor mehr als 30 Jahren konnte ich bei Rockkonzerten nicht nahe genug an der Bühne stehen. Dass die nachfolgenden Fans mich immer näher an die Musiker drückten, war mir egal. Und die dröhnenden Ohren noch lange nach dem Ende der Konzerte, verursacht durch die Nähe der Lautsprechertürme, empfand ich als normal. Wobei diese Türme ja aus heutiger Sicht eher kleine Türmchen waren.
Einige Jahre später gefiel es mir weiter von der Bühne entfernt besser. Es war immer noch laut genug, doch nicht so eng und bedrängt. Ich fühlte mich einfach freier. Dem Alter eines Hardcorefans war ich so langsam entwachsen.
Doch eines war immer tabu – ein Sitzplatz. Echte Fans stehen bei einem Rockkonzert genau so wie beim Fußball.
Gestern Abend, die Max-Schmeling-Halle in Berlin. Sie ist die Spielstätte der Handball-Füchse sowie der Schmetterkünstler der Berlin Volleys. Und sie ist der Ort für krachende Rock- Events. Eingeladen zu einem gemeinsamen Jahresabschluss hatten die Düsseldorfer Punkrocker der Toten Hosen. Und ich – saß, mit direktem Blick auf die Bühne und die Lautsprechertürme. Die übernächste Generation der Hardcorefans drängte sich vor der Bühne, wie ich früher, so wollten sie heute ihren Idolen so nahe wie möglich sein.
So ein Logenplatz ist komfortabel, dachte ich. Bequem und gemütlich, genug Platz um das Bier abzustellen und trotzdem habe ich alles im Blick. Und den Innenraum überlasse ich den Jüngeren, die Platz für Pogotänze und, trotz Verbot, ein bengalisches Feuer brauchen. Ich lehnte mich ganz entspannt zurück und genoss mit meiner Frau einen unvergesslichen Abend.
Einheizer waren gestern die „Broilers“,denen die Freude, als Vorband der Legenden auftreten zu dürfen, bei jedem Akkord anzumerken war. Kraftvoller deutscher Rock, schnörkellos und direkt, es war für mich ein Genuss, ihnen zuzuhören.
Um 21.00 war es soweit, Vom nimmt hinter seinem Schlagzeug Platz und beginnt zu trommeln.
Der Opener war natürlich „Ballast der Republik“, wortgewaltig, kritisch und krachender Rock.
Dass die 5 bekennenden Fortuna-Fans die Berliner ob der gescheiterten Relegation aufzogen und Hertha BSC den Titel „Steh auf“ widmeten, gehörte zu den Gastgeschenken der Düsseldorfer wie selbstverständlich hinzu. Aus dem Publikum wurde dabei allerdings ein EISERN UNION in die Höhe gehalten.
In loser Folge wechselten Titel aus dem neuen Album mit altbekannten Hosen Hits. Auf keinem Konzert dürfen “Madelaine“ und die darauf folgenden „Nazis raus“ Rufe der Fans fehlen.
Ein Highlight war Campinos Interpretation des alten Hannes Wader Songs „heute hier, morgen dort“, zunächst in leiser Art, ehe Vom sein Schlagzeug malträtierte sowie Andi und Breiti in die Saiten ihrer Gitarren griffen und diesen Klassiker als Rocksong auf die Bühne brachten.
Wer hat Campino schon einmal nur zu einer Akustikgitarre gehört? Die Unplugged-Konzerte aus dem Wiener Burgtheater fallen mir ein, ohne Verstärker und E-Gitarren.
„Draußen vor der Tür“, Campinos Auseinandersetzung mit seinem Vater, war ein weiteres Highlight dieses Abends. Nur die Akustikgitarre begleitet den Sänger mit leisen Klängen zu einer ausdrucksstarken Stimme, die nur selten so zu hören ist.
„Schönen Gruß, Auf Wiedersehn“ leitete das Ende dieses Events ein, die legendäre Hymne aus der Zeit der Magical Mystery Tours.
Und wie sollte es anders sein, „We´ll never walk alone“ war der letzte Song, die Hymne von der Anfield Road, gesungen vom bekennenden Liverpool Fan Campino. Alle in der Halle stehen, feiern und singen mit. Nach mehr als zwei Stunden verlassen die Musiker ihre Bühne ein letztes Mal, frenetisch gefeiert von den Fans.
Langsam laufen meine Frau und ich durch die Dunkelheit Berlins, umgeben von Hunderten anderer Hosen-Fans. Nur langsam ebbt meine Euphorie ab und weicht einer tiefen und lang anhaltenden Befriedigung.
Es war einfach wieder einmal ein grandioses Erlebnis, die „Hosen“ live zu erleben.
21:26 30.12.2012
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Geschrieben von

rolf netzmann

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