Phänomen Sarah Palin, Konrad Ege im aktuellen Freitag

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Sarah Palin ist ein Phänomen. Die mächtige Frau der Republikaner, Ikone der Tea Party Bewegung, fünffache Mutter, demagogisch. Und es spricht einiges dafür, dass sie als Präsidentschaftskandidatin antritt. Die Vorstellung ihres neuen Buches beginn in den US-Bundesstaaten, in denen traditionell die Vorwahlen der GOP beginnen. Sorgsam inszeniert sie sich selber, als konservative Amerikanerin, die als erste Frau in das Weiße Haus einziehen möchte. Wenn Umfragen jetzt ergeben, dass sie mehr Stimmen männlicher Wähler als Präsident Obama bekommen würde, ist das kein Garant für einen Sieg, aber eben doch bedenklich. Selbst wenn Palin nicht kandidieren würde, sie wird im Wahlkampf der Republikaner eine wesentliche Rolle spielen, wie bereits bei den Kongress- und Senatswahlen im November. Dass exponierte Vertreter der Tea Party Bewegung die Wahl in den Kongress nicht geschafft haben, dass die Mehrheit im Senat verfehlt wurde, dass ficht Sahra Palin nicht an. Es war ein Anfang, ein Probelauf für 2012.

Was heisst das für den Präsidenten Obama? Mal davon abgesehen, dass sein republikanischer Kontrahent auch jemand anders sein kann, sollte er sich doch auf Palin einstellen. Nach der Wahlniederlage seiner Demokraten und der Verlust der Mehrheit im Kongress muss er mit den oppositionellen Republikanern kooperieren. Die Ratifizierung des START Vertrages mit Russland hat gezeigt, dass es noch politische Vernunft in Washington gibt. Die Chancen stehen gut, dass Obama weitere Erfolge gelingen werden. Zeigen seine Massnahmen zur Ankurbelung der Wirtschaft positive Effekte, und das ist das Wichtigste für die Bevölkerung, dann wird dies ihm und seinen Partei weiter Aufschwung geben.

Hinzu kommt, dass Palin bisher alles vermied, woran sie festgenagelt werden könnte. Keine Aussagen dazu, wie die Wirtschaft der USA wieder angekurbelt werden soll, keine Aussagen dazu, wie die USA ihre führende Rolle in der Welt verteidigen wollen, zu Welthandel, Bankenkrise, der Rolle des Dollar in der Welt, von Umweltschutz ganz zu schweigen. Alles soll so bleiben wie es war, wie es ist, traditionelle amerikanische Werte werden verteidigt, starr, als ob es Dogmen wären. Keine Weiterentwicklung, Anpassung an neue, reale Bedingungen.

In einem anderen Blog habe ich darauf hingewiesen, dass auch ein Präsident McCain vieles genau so wie Obama getan hätte, einfach, weil es sachlich notwendig war.

Wie sich die Vertreter der Tea Party, welche jetzt in den Kongress gewählt wurden und vorher so gegen das Washingtoner Establishment wetterten, jetzt, als Teil eben dieses Establishments , verhalten werden, wird letztendlich auch Auswirkungen auf eine Kandidatur Palins haben.

Bisher zeigt sich Palin als flexibel. Ohne konkret zu werden. Wettern gegen das Washingtoner Establishment und den Präsidenten, das ist kein Programm. Darin liegt aber eine Chance für Obama, jetzt zu zeigen, was er möchte und was er kann. Gelänge es ihm, die Arbeitslosigkeit deutlich zu drücken, würde dies neue Wähler bedeuten. Kämen dazu noch diejenige, welche sich seit 2008 von den Demokraten und Obama frustiert abgewendet haben, zurück, wären dies gute Vorraussetzungen für eine Wiederwahl.

Zurück zu Sarah Palin. Sie ist das Aushängeschild der Tea Party, verdient viel Geld mit ihren Büchern und ihrer eigenen Fernsehshow. Sie inszeniert sich gekonnt, hat ein gut funktionierendes Netzwerk aufgebaut. Damit ist sie eine mögliche Konkurrentin für Obama. Und sie wird dazu gelernt haben, sich auf mögliche Rededuelle besser vorbereiten und schulen lassen, bereist jetzt bereits das Ausland.

Konrad Ege zieht einen Vergleich zu dem unbedarften und uninformierten Ronald Reagan, der später auch ins Weiße Haus einzog. Damit Palin dies nicht auch schafft, wäre es jetzt notwendig, sie da zu packen, wo sie am leichtesten zu packen ist, bei konkreten Aussagen. Ihre Demagogie entschärfen, Ihre Aussagen auseinandernehmen, argumentativ dagegen halten.

Noch ist es nicht zu spät dafür. Let´s start, Mr. Präsident.

03:43 25.12.2010
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Geschrieben von

rolf netzmann

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rolf netzmann

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