Sparen auf den Kanaren

Sparprogramm Wie die Regierung Rajoy mit dem Rasenmäher alles kürzt...
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Das Sparprogramm der Regierung Rajoy betrifft alle Bereiche des öffentlichen Lebens. Auch die beliebten Ferieninseln der Kanaren sind davon nicht ausgenommen.
AENA heißt die spanische Flughafenbetreibergesellschaft. Sie untersteht als öffentliches Unternehmen dem Verkehrsministerium und schiebt Schulden in Höhe von 13,3 Milliarden Euro vor sich her. 2011 nahm sie insgesamt 97,3 Millionen Euro durch Parkgebühren an allen spanischen Flughäfen ein. Das sind 6,87% weniger als 2010.
Bisher konnten Fluggäste ihre Fahrzeuge an den kanarischen Flughäfen für die ersten 30 Minuten kostenfrei parken. Diese Regelung ist seit dem 01.10. diesen Jahres abgeschafft. Auch die Flughäfen von Ceuta und Melilla auf den den Balearen sind davon betroffen, einzig am Airport von El Hierro gelten weiterhin die ersten 30 Minuten kostenfrei. Allerdings sind die Gebühren immer noch deutlich geringer als an deutschen Airports, so liegt der maximale Preis auf La Palma bei 7,30 Euro/Tag und auf Lanzarote bei 10,80 Euro/Tag.
Doch kostenfreies Kurzeitparken war einmal.
Es gibt nur zwei europäische Regionen, deren Trinkwasserversorgung zu 100% aus Meerwasserentsalzungsanlagen stammt, Lanzarote und Fuerteventura. Seit 1983 subventioniert der spanische Staat diese Anlagen. 2008 waren dies noch knapp 17 Millionen €, 2011 noch 7,2 Millionen. 2012 überwies Madrid noch 4,8 Millionen, 2013 sieht der Haushaltsentwurf keine Subventionierung mehr vor.
Nun befindet sich die "Consorcio de Abasteciemento de Aguas de Fuerteventura" in kommunalem Besitz, was keine Selbstverständlichkeit bedeutet. Auf anderen Inseln wurde und wird die Wasserversorgung zunehmend privatisiert, so berichtet Manuel Miranda, Delegierter der Inselverwaltung im "Consorcio de Aguas". Und er sagt weiter, dass:" der öffentliche Charakter der Wasserversorgung unantastbar und der Wasserpreis auf Fuerteventura seit 15 Jahren nicht gestiegen sei".
Doch der Wegfall der Subventionen sowie gestiegene Strompreise und die Streichung von Förderungen für regenerative Energien werden die Produktionskosten für Wasser auf Fuerteventura weiter steigen lassen. Irgendwann wird sich dies auch in steigenden Wasserpreisen niederschlagen, die private und gewerbliche Endverbraucher zu zahlen haben. Gewerbliche Endverbraucher sind aber auch Hotels, die dies wiederum als steigende Betriebskosten deklarieren und die Preise erhöhen werden.
Etwas anders liegt der dritte Fall auf Fuerteventura. Jandia im Süden und Corralejo im Norden der Insel locken mit kilometerlangen Sandstränden. Das hebt natürlich auch den Wert der dortigen Hotels und Apartementos. El Castillo dagegen hat dies nicht zu bieten und so waren im Haushalt Spaniens für 2012, gestreckt auf 3 Jahre, insgesamt 4,471 Millionen Euro für den Ausbau der Strandpromenade und die Regenerierung des Strandes von El Castillo vorgesehen. Doch schon die für dieses Jahr eingeplanten 171.000 € wurden nicht ausgegeben. Damit liegt das Projekt bis mindestenns 2016 erst einmal auf Eis. Nari Ruiz ist die Bürgermeisterin von Antigua und spricht von "gebrochenen Versprechen" der Madrider Regierung. Schließlich habe das Projekt hohe Priorität für die touristische Entwicklung der Region.
Unvoreingenommene Betrachter sehen das differenzierter. Vier "Elba" - und "Sheraton" - Hotels stehen in der ersten Meeresreihe und würden am meisten von einer Aufwertung des Strandes profitieren und in ihrem Wert steigen. Nur bezahlen wollen sie dafür nicht.
So wird nun kontrovers diskutiert. Statt des, wie Wirtschaftswissenschaftler es bezeichnen, "positiven externen Effekts" einer Finanzierung durch Madrid wird nun über dessen Internalisierung beispielsweise durch erhöhte Grundsteuern, Erschließungsumlagen oder eine erhöhte Gewerbesteuer gesprochen. Und bis 2016 ist dafür auf jeden Fall noch genügend Zeit.
Es sind gemessen an den spanischen Schulden und den Aufwendungen für die Bankenrettung geringe Summen, die die Madrider Regierung hier streicht. Doch gerade die ersatzlose Streichung der Wassersubventionen trifft nicht nur Hotels. Und auch auf Fuerteventura, wenn auch nicht gleich sichtbar, existieren Armut und Obdachlosigkeit. Die Erhöhung der Wasserpreise trifft nicht nur Touristen, sondern auch die einheimische Bevölkerung. Und sie wird die ärmeren Schichten wieder besonders hart treffen.
Doch das ist ja bei fast allen Punkten des Sparprogramms der konservativen spanischen Regierung der Fall.
Wer mehr von den Ereignissen der beliebten kanarischen Ferieninsel erfahren und aktuell informiert sein möchte, dem empfehle ich die Onlineausgabe der auflagenstärksten deutschsprachigen zeitung:

Posted 36 minu

22:10 28.11.2012
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Geschrieben von

rolf netzmann

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rolf netzmann

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