Wir waren auf der Biermeile

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Freitagnachmittag, gegen 15.30, meine Freundin und ich wandern auf der Berliner Biermeile an der Karl-Marx-Allee entlang. 2,2 km lang, Aussteller aus mehr als 80 Ländern, exotische Brauereine, Rock`n Roll auf den Bühnen, Würstchenbuden, es riecht nach Nackensteaks und Gerstensaft. Leichter Nieselregen, doch die weit ausladenden Äste der Bäume bieten einen Schutz, wir werden nicht so nass. Schlendern, treiben lassen, das Fluidum geniessen, aufnehmen. Die grossen deutschen Brauereien interessieren uns nicht, Warsteiner und Becks gibt es überall zu kaufen. Der Reiz sind die kleineren, regionalen, die für uns unbekannten. Der erste Halt ist bei Diamant Bier, eine Magdeburger Brauerei, die ein Stück Erinnerung birgt, wurde ich doch in Magdeburg geboren. Auf den Grünflächen sind Tische und Bänke aufgebaut, wir sitzen und hören Kalles Combo zu, ein Ein-Mann- Unterhalter, der Titel von Simon and Garfunkel, Bob Dylan oder den Stones singt. Gemütlichkeit zieht ein. Wir bleiben lange sitzen, ehe wir weiter ziehen. Schließlich suchen wir die Vietnamesen, die diesjährigen Special Guests des Internationalen Bierfestivals. Es dauert noch einen Stop beim belgischen Erdbeerbier, ehe wir den vietnamesischen Stand erreichen. Auf der anderen Strassenseite befindet sich ein vietnamesisches Reisebüro, geschicktes Marketing. Wir ordern Fassbier und werden enttäuscht, den fernöstlichen Gerstensaft gibt es nur aus der Flasche. Egal, dann eben aus der Flasche, und er schmeckt. Mild auf der Zunge leicht, ein Genuss. Ein kräftiger Schauer treibt uns unter das Dach des Standes, das als Pagode aufgebaut ist.Es geht weiter, wir wundern uns über die wenigen Stände mit Süßwaren, es passt irgendwie nicht zu Bier. Wir werden jedenfalls etwas deftiges essen. Ziemlich am Ende der Meile entdecken wir "Rockbier", was ist das ? Es sei lecker für Frauen, erfahren wir von einer jungen Dame, die uns ein Glas anbietet. Klar, dass wir probieren, und es schmeckt. Auf unsere Nachfrage wird uns erzählt, dass es eine spezielle Rezeptur, entwickelt von jungen Leuten, sei, und die Bamberger Brauerei es jetzt produziere. Sollten wir uns als Geheimtip merken....

Wir schlendern die Meile wieder zurück Richtung Alexanderplatz. Es ist voller geworden, wird mehr gedrängelt, wir sichten die ersten kleinen Gruppen alkoholisierter Männer. Nun ja, auch das gehört dazu. An einem Stand mit deftigem Essen stoppen wir, Bier macht hungrig. Fleisch, eingelegt in eine firmeneigene Soße, natürlich bleibt der Inhalt geheim, dazu Sauerkraut und frisches Landbrot, lecker. So langsam neigt sich der Besuch dem Ende zu, noch eine Abschiedsbier, ein dunkles bayerisches, und wir ziehen nach Hause. Die ersten Polizeistreifen, inzwischen ist es 19.30, patroullieren mit wachsamen Blicken auf der Meile, wir lauschen noch den Stones und Status Quo, deren Songs von einer Band gecovert werden. Es kribbelt in den Beinen, wir tanzen mit, einfach so, ausgelassen und fröhlich.

Es war ein schöner Nachmittag, und die nächste Biermeile kommt bestimmt, Anfang August 2011.

09:44 09.08.2010
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Geschrieben von

rolf netzmann

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rolf netzmann

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