Der Rat der Götter

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Um möglichen Missverständnissen vorzubeugen – nachfolgend geht es nicht um den gleichnamigen DEFA-Film, sondern um ein Projekt des schwerreichen Nicolas Berggruen („Gewicht des Lebens“ im Spiegel Heft 07/2011).

Es ehrt Herrn Berggruen, wenn er seinen Reichtum nicht nur nutzt – wie viele Damen und Herren der sozialen Oberschicht -, um damit Großmannssucht auszuleben.

Sein Projekt „Rat für Nachhaltigkeit“ ist angesichts der politischen wie auch wirtschaftlichen und ökologischen Zustände in der westlichen Welt nur zu begrüßen. Und auch sein Verdruss über die Parteiensysteme scheint mir sehr verständlich. Nun soll es also ein „Rat der Weisen“ richten. Einschränkend muss allerdings darauf hingewiesen werden, dass es Vorläufer gibt. Damit ist nicht Platons Wunsch, dass die Könige Philosophen seien, gemeint, sondern die Tätigkeit des Club of Rome. Es sollte Herrn Berggruen doch zu denken geben, warum diesem „Rat“ letztlich doch wenig praktischer Erfolg – ausgenommen der Aufschwung der Debatte - beschieden war.

Die erste Maßnahme eines auf Kalifornien begrenzten „Rates“ war zudem ein Paket fiskalischer Eingriffe, die ohnehin erfolgt wären.

Wenn ich dann lese, dass im geplanten „Rat für Europa“ Leute wie unser Ex-Kanzler Schröder sitzen sollen, dann bleibe ich skeptisch ob des Erfolgs von Berggruens Ziel. Personen wie Schröder – und andere – sind ja Symbolfiguren für Lobbyismus und nicht für Weisheit. Im Gegensatz zu Berggruen sind Lobbyisten nicht gewillt, auf ihre Pfründe zu verzichten.

Ein besseres Händchen in der Bestückung seiner Räte muss Berggruen wohl noch aufwenden.

10:00 08.02.2011
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Geschrieben von

Nietzsche 2011

kritisch denkender Ostdeutscher; zur Wendezeit bürgerbewegt; seitdem "Lebenskünstler"
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