Hartz-IV – Aus der Sicht eines Betroffenen

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Ich kenne nur wenige Hartz-IV-Empfänger, die das Hickhack um die Höhe der Regelsätze noch im Detail verfolgen. Wobei ich einschränkend sagen muss, dass das politische Interesse in dieser sozialen Schicht tatsächlich unterdurchschnittlich ausgeprägt ist.

Politiker, deren Geldbeutel ja auch nach Rücktritt, „Abschuss“ (als Parteivorsitzender) etc. gefüllt ist, nutzen das Thema Hartz-IV zu gern, um sich als Wohltäter zu profilieren; zumal in Wahlkampfzeiten (wann sind in Deutschland mal keine Wahlkampfzeiten?). Nun geht es also um die Frage „Erhöhung um 5 € oder darf’s etwas mehr sein?“.

Meine Sichtweise: Der Auftrag des Bundesverfassungsgerichts lautet, allen Menschen „diejenigen materiellen Voraussetzungen“ zu garantieren, „die für seine physische Existenz und für ein Mindestmaß an Teilhabe am gesellschaftlichen, kulturellen und politischen Leben unerlässlich sind“ impliziert die Frage nach diesen materiellen Voraussetzungen. Fast ausnahmslos – Politiker, Journalisten – werden diese als reine Barleistungen betrachtet. Richtig ist, dass ich Geld benötige, um meine Miete (bruttowarm) und die täglichen Dinge des Lebensunterhalts zu bezahlen. Dafür reichen tatsächlich 5 € mehr. Natürlich muss sich mich hierbei bescheiden, was technische Konsumgüter betrifft. Was manchem Hartz-IV-Empfänger schwer fällt. Um ein Mindestmaß an Teilhabe am gesellschaftlichen und besonders kulturellen Leben zu gewährleisten, sind auch 8 € zu wenig. Dass ich dennoch dieses Mindestmaß . . . – bis jetzt ! – wahrnehmen kann, liegt an der Regelung (im bettelarmen Berlin!), mit dem Sozialticket für 3 € Eintritt Oper- und Theateraufführungenund zu ermäßigten Preisen (teilweise kostenfrei) Museen besuchen zu können.

Fazit: Ich halte eine Einigung auf der Basis einer Erhöhung von 8 € + flächendeckender Möglichkeit des verbilligten Kulturgenusses für realisierbar (im Sinne von Der Realität entsprechend). Allerdings sollte es eine gleitende Erhöhung in Abhängigkeit von der Entwicklung der Wohnkosten sein.

Abschließend sei noch vermerkt, dass es die Sichtweise eines Berliner Single ist.


18:26 19.02.2011
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Geschrieben von

Nietzsche 2011

kritisch denkender Ostdeutscher; zur Wendezeit bürgerbewegt; seitdem "Lebenskünstler"
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mabli | Community