Über die Freiheit des Willens

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Es war eher der Zufall, der mich gestern in eine Kaffeerunde führte. Wir waren zuvor einige Zeit gewandert, was die Kontaktscheu beiseite geschoben hatte. Und dem sich entwickelnden Gespräch am Tisch förderlich war. Es ging um technische Konsumgüter; weniger um die, welche sich bereits im jeweiligen Privatbesitz befanden, als um die, die so toll seien, dass sie noch angeschafft werden müssten. Ich hielt diesem – aus meiner Sicht – Konsumentenwahn entgegen, dass wir in den Industrieländern mit unserem Konsumrausch das schlechte Vorbild für die nachholende Entwicklung in den sog. Schwellenländern, aber auch armen Entwicklungsländern seien. Und wir alle gemeinsam für vermeintliche Genüsse den Rohstoffgeber Erde langfristig ausplündern. Nach kurzer Bedenkpause erhielt ich zur Antwort, dass ja keiner kaufen müsse. „Es ist mein freier Wille, ob ich etwas kaufe“ war die dominierende Meinung. Als ich nachfragte, wann Kaufentscheidungen getätigt würden, erhielt ich die Bestätigung – meist nachdem die Werbung auf jene Produkte aufmerksam gemacht habe.

Freiheit des Willens? Ist unser Wille schon so deformiert, dass wir die Manipulation nicht mehr wahrnehmen? Ein Kind, welches auf Weisung etwas tut, was ihm nicht gar zu sehr zuwider ist, wähnt sich ebenfalls frei. Nur ist die Mehrheit unserer Gesellschaft – ich verweise auf die demografische Struktur – längst dem Kindesalter entwichen. Ist unser Wille, wenn es um Entscheidungen größerer Tragweite geht, gegründet im Wissen um die unserer Tat zugrunde liegenden Vorgänge; z.B. Ressourcenverbrauch? Ich kann es mir schlecht vorstellen. Meine Annahme zielt eher auf Denkfaulheit. Anderenfalls wäre zu prüfen, ob die mit vernunftgesteuertem Willen betriebene Ausplünderung der Erde nicht nur Egoismus, sondern strafbare Handlung wäre.

16:03 31.01.2011
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Geschrieben von

Nietzsche 2011

kritisch denkender Ostdeutscher; zur Wendezeit bürgerbewegt; seitdem "Lebenskünstler"
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