Der Traum von Slavoj Žižek

Easy Rider Wo ist Amerika
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In den USA könnte man den Wohlstand besser verteilen, klar, schöne Vision a la Bernie Sanders, aber solange es Rassismus gibt, diese in Form von Kluften der Möglichkeiten des Einzelnen, werden Leute diskriminiert, sei es nur durch miese Bezahlung, weil sie keinen anderen Job bekommen, sei es wegen schlechter Bildung oder weil einfach die alten gut bezahlten GM Jobs durch Walmart Jobs ausgetauscht wurden, 85% der Waren von Walmart kommen aus China.

Und was wäre die amerikanische Kreuzfahrtindustrie ohne die Philippinen? Diese 24 Stunden 7 Tage die Woche Maschine läuft wie geschmiert, ist eine Gelddruck Maschine, oben diniert die Mittelklasse, möglichst auf einem Trip, den sie mit Rabatten erworben haben, viele an Bord werden nach einem Trinkgeldsystem entlohnt. Entertainment at his best. Broadway Shows, Casino, das große Fressen. Im Bauch des Schiffes schuften Chinesen in der Wäscherei. Micky Arison von Carnival Cruise, der hat zwei Jachten, ist Besitzer von Miami Heat. Nichts zeigt die Kluft besser als eines der Schiffe der Tourismusbranche.

Dieser unglaubliche Reichtum auf der einen Seite und die Chancenlosigkeit für weite Kreise der Bevölkerung wird kaum zu überbrücken sein, wenn auch Slavoj Žižek der naive Denker hofft, die Erodierung des System würde den Druck nicht mehr aushalten, und unter Trump käme es zu Krisen, dann zu einer Versammlung der linken Kräfte. Das ist so, wie darauf zu hoffen, die USA werden untergehen wie das römische Reich.

Die Übernahme des Weißen Haus wird ähnlich pragmatisch sein wie unter George W. Bush, als Geschäftsleute, Lobbyisten die Regierungsgeschäfte übernahmen, u.a. Hardliner wie Dick Cheney und Rumsfeld. Das waren alle Pragmatiker und suchten ihren geschäftlichen Vorteil, angetrieben von der Philosophie, man muss nur in die Hände spucken und man kann es schaffen. Dies hat Governor Huckabee eindrücklich im CNN Interview gesagt: Es geht Trump um die, die auf dem Zement stehen, die Schmiere an den Händen haben. Hier wird die alte einfache Formel der Pioniere beschworen, zieh nach Westen, du wirst schon das Paradies finden, arbeitet fleißig und betet, suchet so werdet ihr finden. Und das zeigten dann die Wild West Filmen. Die Guten können die Bösen besiegen.

Die Grundprobleme der Gesellschaft werden nicht einfach beseitigt, mit Investitionsprogrammen, die Gier wird nicht ausgerottet durch Wahlkampfreden, da alles viel tiefer sitz, in den Köpfen und Seelen der Menschen. Der alltägliche Rassismus lebt. Der muss nicht unbedingt nur mit Schwarzen zu tun haben. Das ist grell beleuchtet im Film Easy beleuchtet: Rednecks in einem Pickup , der Beifahrer bedroht Billy mit einem Gewehr und fordert den „langhaarigen Hippie“ auf, sich die Haare schneiden zu lassen. Billy reagiert mit einem ausgestreckten Mittelfinger. Daraufhin schießt der Typ, Billy stürzt getroffen zu Boden. Wyatt bremst ab und kehrt zu Billy zurück, bedeckt ihn mit seiner Lederjacke und fährt los, um Hilfe zu holen. Der Pickup hat inzwischen gewendet, steuert auf Wyatt zu. Auch auf ihn wird geschossen, das Motorrad fällt und explodiert anschließend am Straßenrand. Die Kamera wendet sich ab und dreht in den Himmel. Das kann man symbolisch sehen, über allem steht Gott. Auf dem Filmplakat prangert: Ein Mann sucht Amerikaner, er kann es nicht finden.

Trump sagen einige, fördert den Rassismus, braucht er nicht, der war ewig schon da, täglich, viele sagen, der Übergriffe auf Schwarze sei angestiegen, weil viele Weiße einen schwarzen Präsidenten nie akzeptieren werden, die Situation an der mexikanischen Grenze hat mit Armut zu tun. Und ganze Armeen von Agenten, Spezialkommandos haben den Drogenverkehr nicht verhindert, und kein amerikanischer Bauunternehmer wird ein Haus nicht bauen, weil die Villa mit Drogengeld finanziert wird. Viele Indianer vegetieren in Reservaten, kein As kümmert sich um die, außer Aktivisten. Um die wirtschaftliche Macht zu zementieren wurden Kriege wie im Irak geführt, bis zum heutigen Tag schaffen Veteranen wie die Kriegsteilnehmer im Vietnamkrieg sich nicht zu integrieren. Die Wunden sitzen tief, sehr tief, vielleicht gibt es das Amerika gar nicht, von dem Trump redet? Vielleicht ist es wie in dem Film. Wo ist Amerika?

Trump ist kein Psychoanalytiker, hat aber versprochen, den Ärmsten zu helfen. Wenn er was machen wollte, könnte er konkret ein soziales Programm auflegen, den Mindestlohn anheben. Damit bekäme Slavoj Žižek recht, dass aus der Gefahr das Rettende erwächst, einer seiner Träume wäre erfüllt, Linke neigen aber häufig zu Illusionen: „Es geht mithin nicht darum, Trump zu wählen – nicht nur sollte man einen solchen Halunken nicht wählen, man sollte an solchen Wahlen gar nicht erst teilnehmen. Es geht vielmehr darum, kühlen Sinnes zu erwägen, wessen Sieg besser für das Geschick des radikalen emanzipatorischen Projekts ist, der von Clinton oder der von Trump?“

Wow. Soweit kann ich nicht denken. Was passiert, wenn niemand wählt?

10:02 14.11.2016
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