Hunde aus dem Ausland: Geschäft mit dem Tod

Hunde, Ausland, Geld, Der Hund ist der beste Freund des Menschen, heißt es. Doch bei Geld hört die Freundschaft auf.
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Der Hund ist der beste Freund des Menschen, heißt es. Dass bei Geld die Freundschaft jedoch aufhört, zeigt sich unter anderem in Rumänien. Dort hat sich aus dem Einfangen der vielen Straßenhunde ein blutiges Geschäft entwickelt.

Leben wie ein Hund: Das schockierende Schicksal europäischer Straßenhunde

Pitești ist eine malerische Stadt. Tulpen, stilvolle Parks und mondäne Architektur, eingebettet in die Berge der Walachei. Schaut man hinter die Kulissen, wird die Traumstadt 120 Kilometer westlich von Bukarest allerdings schnell zum Alptraum.
Hier steht Smeura, das größte Tierheim der Welt, das die traurige Realität des Landes enthüllt. Rumänien hat die meisten Straßenhunden in ganz Europa. Etwa 6000 von ihnen leben hinter den Gittern des Heims. Sie sind verängstigt, ausgehungert und oftmals so krank, dass sie nur knapp dem Tod entkommen. Tierärzte und liebevolle Pfleger helfen ihnen, sich von den Strapazen des Streunerdaseins zu erholen und ein Zuhause zu finden. Der Großteil der sich rasant vermehrenden Population kann jedoch nicht von der Station aufgefangen werden und führt ein Leben, das an einen Horrorfilm erinnert. Denn die Hunde haben einen noch viel schlimmeren Feind, als die rauen Straßen Rumäniens: den Menschen. Genauer gesagt die Hundefänger.

Bis zu 250 Euro investieren die Kommunen pro Hund. Davon soll das Tier gefangen, in ein Heim gebracht, kastriert, medizinisch versorgt und gefüttert werden. Was als gute Lösung für Hunde und Land gedacht war, endete in einem blutigen Geschäft mit dem Tod. Banden formierten sich und fingen die Hunde ein.
Nicht jedoch aus Tierliebe, sondern aus purer Profitgier.
Augenscheinliche Tierheime entpuppten sich als Tötungsanlagen, in denen die Straßenhunde bereits kurz nach ihrer Ankunft ermordet wurden. Oft auf äußerst brutale Art und Weise. Das grausame Verbrechen etablierte sich zum lukrativen, kriminellen Gewerbe, dem sich bis heute Menschen anschließen.
Mit fatalen Folgen: Manche Straßenränder sind gesäumt von Hundekadavern und den armen Kreaturen, die die Folter gerade so überlebt haben. Rumänien ist nur ein Beispiel für das grausame Geschäft mit den Straßenhunden. Auch in anderen Länder wie Russland, Ungarn, Griechenland und Spanien leiden die Straßenhunde unter den organisierten Tötungsaktionen.


Tierschützer wollen dem Leid ein Ende setzen


Offensichtlich ist der Plan der Kommunen, die Streuner durch finanzielle Hilfe von den Straßen zu bekommen, nicht ganz aufgegangen. Denn nicht jedes Tierheim ist so seriös und auf das Wohl der Tiere ausgerichtet, wie Smeura in Pitești. Eine Art illegaler und vom Staat finanzierter Blutsport begann. Viele Kommunen sehen jedoch weg und sind schlichtweg froh, das Problem mit den Straßenhunden abgeben zu können.
Solange die Hunde verschwinden, ist es oftmals egal, wie das geschieht. Tot oder lebendig spielt dabei kaum eine Rolle. Da die illegalen Fänger in der Regel nahezu 100 Prozent Profit machen, bieten sie ihre Dienste oft günstiger an, als echte Tierheime. Warum das so ist, interessiert die wenigsten Geldgeber. Was primär zählt ist der Kosten-Nutzen-Faktor.


Um dieses Elend zu beenden und den traumatisierten und unterversorgten Hunden ein schönes, würdevolles Leben zu ermöglichen, setzen sich Tierschützer aus vielen Ländern für die Rettung der Streuner ein. Auch deutsche Hilfsorganisationen fahren regelmäßig nach Rumänien und in die anderen betroffenen Länder, um die Hunde aus den Fängen der Banden zu retten. Hierzulande werden die Straßenhunde dann nach einer anstrengenden und langen Fahrt auf Tierheime mit freien Plätzen verteilt, wo sie professionell versorgt und untersucht werden. Ziel ist die Vermittlung der Hunde, anstatt sie in ihren Heimatländern dem Tod zu überlassen. Was für viele eine Heldentat ist, ist anderen allerdings ein Dorn im Auge.

Sollten wir nicht zuerst unsere eigenen Hunde vermitteln und die Tierheime entlasten?


Unsere Tierheime brauchen Unterstützung und Entlastung, darin besteht kein Zweifel. Die Stimmen, die sich gegen die Aufnahme ausländischer Hunde aussprechen, sind daher nachvollziehbar. Betrachtet man das Gesamtbild,wird jedoch klar, aus welchem Motiv heraus die Tierschützer handeln, die regelmäßig ins Ausland fahren. In Deutschland dürfen Hunde nur dann eingeschläfert werden, wenn sie unheilbar krank oder so stark verhaltensauffällig sind, dass sie leiden. Sollte dies der Fall sein, geschieht das Einschläfern dank moderner Veterinärmedizin sanft und schmerzlos. Das trifft laut Gesetz zwar auch auf Rumänien zu, die Realität sieht dort jedoch leider anders aus. Grausam ermordete Hunde stehen dort auf der Tagesordnung. Intervenieren tut außer den Tierschützern kaum jemand.

Die Streuner mit nach Deutschland zu bringen ist für viele also die einzige Chance auf ein Leben ohne Leid, ja sogar die Chance auf irgendein Leben. Denn auf den Straßen verhungern die hilflosen Tiere, sterben an Krankheiten oder werden in die besagten Tötungsanlagen gebracht. Natürlich hätte für jeden vermittelten Hund aus dem Ausland auch einer aus Deutschland vermittelt werden können. In unseren Tierheimen sind die nicht vermittelten Vierbeiner jedoch gut versorgt, was in vielen anderen Ländern nicht gewährleistet ist.
Selbstverständlich ist es den Hunden hierzulande mehr als zu wünschen, dass sie zeitnah ein passendes Herrchen oder Frauchen finden. Das Schlimmste, was ihnen allerdings passieren kann, ist, dass sie länger in ihrer sicheren Unterkunft bleiben müssen. Auf ihre Artgenossen im Ausland wartet hingegen meist entweder der sichere Tod oder unvorstellbares Leid. Es geht also darum, Tierleid zu minimieren. Und zwar länderübergreifend.


Was man vor der Adoption eines Hundes aus dem Ausland wissen sollte


Um einen Hund nach Deutschland bringen zu dürfen, braucht man eine Genehmigung. Ganz egal, ob es sich um einen Tierschutzverein oder eine Privatperson handelt. Wer einen Straßenhund aus dem Ausland aufnehmen möchte, der sollte zuvor überprüfen ob eine Genehmigung des Veterinäramts beim Verkäufer oder Vermittler vorliegt. Auch muss jeder Hund, der einreisen soll, seit 2014 eine Tollwutimpfung haben. Diese beginnt erst nach drei Wochen zu wirken, weshalb das Tier nicht direkt nach dem Impfen mitgenommen werden kann. Vor der zwölften Lebenswoche ist diese Impfung nicht möglich. Hunde können also frühstens im Alter von 15 Wochen einreisen. Jede Tollwutimpfung wird in einem EU-Heimtierausweis protokolliert, der die Daten des Hundes, des Halters und des Tierarztes enthält und ebenfalls seit 2014 Pflicht ist.


Wichtig sind jedoch nicht nur die Gesetze und Formalitäten, sondern auch ein gewisses Hintergrundwissen über Straßenhunde. Ein Hund aus dem Ausland ist nämlich etwas anderes, als ein Hund aus einem deutschen Tierheim. Das liegt in erster Linie daran, dass Straßenhunde meist traumatisiert sind und einen heftigen Überlebenskampf hinter sich haben. Viele sind Menschen kaum oder gar nicht gewohnt und äußerst scheu. Andere haben Gewalt erlebt, kommen aus entsetzlichen Zuständen und müssen es wieder lernen, Vertrauen zu können. Wer sich für einen Hund aus dem Ausland entscheidet, der braucht meist viel Geduld, Einfühlungsvermögen und Zeit. Oftmals auch ein gutes Einkommen, denn die Erziehung in der Hundeschule kann unter Umständen lange dauern.
Es kann leider auch vorkommen, dass ein Hund auf eine intensive medizinische Versorgung angewiesen ist, da sein vorheriges Leben bleibende Spuren und Schäden hinterlassen hat. Entscheidet man sich trotzdem für einen Hund aus dem Ausland, wird man dafür häufig mit ganz besonders tiefer Dankbarkeit und Treue belohnt, sobald der Vierbeiner sein altes Leben hinter sich gelassen und sich an das neue Leben gewöhnt hat.


Kann man nicht genug Zeit, Geld, Geduld und Verständnis aufbringen, möchte die Straßenhunde jedoch trotzdem unterstützen, hat man mehrere Möglichkeiten. Vereine wie TASSO e.V. leben von Spenden und können ohne diese nicht handeln. Kann man sich keinen Hund leisten, kann man immerhin die Arbeit der Tierschützer fördern. Auch eine Mitgliedschaft im Tierschutzverein ist möglich. Wer die Vierbeiner gerne um sich hätte, der kann im Tierheim mithelfen, Patenschaften übernehmen und mit den Hunden Gassi gehen. So werden die Mitarbeiter entlastet, die Hunde freuen sich und man fühlt sich beinahe so, als hätte man selbst eine Fellnase adoptiert.
11:55 11.09.2019
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Birgit Lorz

Als Mutter von 4 Kindern, Hundebesitzerin, Häuslebesitzerin und sonst auch noch vielseitig interessierte Frau habe ich zu vielen Themen eine Meinung.
Birgit Lorz

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