Bei wem ist der Aufschwung angekommen?

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Merkel:

Der Aufschwung ist endlich bei den Menschen angekommen.

Das ist eine ganz schön zynische Sichtweise, wenn man bedenkt, dass er nur bei der Oberschicht angekommen ist. Selbst im schwarzen Haus- und Hofblättchen der WELT konnte man sich den Fakten nicht verschliessen. Angesichts dieser Tatsache fragt man sich doch, wer für unser Regierung Mensch ist und wer Humankapital? Denn das Humankapital hat nicht gewonnen, es wurde immer stärker belastet (das stelle ich gleich noch etwas in Abrede) und die Löhne sind immer weiter gesunken. Folge: Immer mehr Menschen in Armut. Wo ist der Aufschwung, ihr Pappnasen? Beim Prekariat sicher nicht!

Erst zur Mehrbelastung: In absoluten Zahlen mag das stimmen. Aber irgendwie ist es auch blöd das der Regierung anzulasten. Die haben die Steuern ja nicht erhöht, die Prozente sind die gleichen geblieben. Bei einer negativen Lohnentwicklung ist das aber für den Einzelnen spürbarer. Insofern nur einen teilweisen Widerspruch. Mal abgesehen davon sind die Krankenkassengebühren gestiegen, zumindest für die Meisten. Das Lustige ist jetzt aber, dass CDU/CSU/FDP immer noch 51% in den Umfragen haben. Sie können das auch bequem Rot-Grün anlasten, haben die doch vom CDU-U-Boot in der SPD, Gerhard Schröder, sich die Agenda 2010 aufs Auge drücken lassen. Einer der Hauptbefürworter ist schon gar kein SPD-Mitglied mehr, Clement entrann einem Verfahren durch Austritt und macht jetzt fleißig Werbung für Ideen der "Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft". Man sollte den Begriff "soziale Marktwirtschaft" mal schützen und mit bestimmten Kriterien versehen. Denn sonst kann jedes asoziale Arschloch seinen Verein damit schmücken ohne auch nur einen Hauch von sozial in seinen Ideen zu haben.

Also der Aufschwung ist da angekommen, wo er immer ankommt. Ganz oben. Das sind die Leute, die in der Krise immer noch Gewinne machen und die gleichzeitig aufgrund der Krise Lohnzurückhaltung fordern. Aber wenn so eine Krise vorbei ist und ein Gewerkschafter mal laut über Lohnerhöhungen im Promillebereich nachdenkt, heisst es wieder, man müsse sich ja für die nächste Krise wappnen und überhaupt die Globalisierung würde auch schon am neuen Porsche Cayenne nagen, man habe sich ja schon für den Dieselmotor entschieden, der verbraucht ja doch etwas weniger. Zum Glück kann man den als Dienstwagen abschreiben.

Man könnte die Aussage Merkels auch anders interpretieren. Der Aufschwung der oberen 10% (hier ein Link zur Ästhetik der Vermögensverteilung, von Georg Schramm) ist bei den unteren 90% negativ angekommen. Das Kapitalkapital (analog zu Humankapital) hat zugelegt und wer seinen Hintern jeden Morgen um sechs aus dem Bett hebt, um für 8+x Stunden vor seinem Chef den Bückling zu machen, kriegt am Monatsende einen feuchten Händedruck als Dankeschön. Aber um solche Missstände endgültig abzuschaffen wird ja im Herbst die FDP mit 14-15% an die Macht geumfragt. Dann braucht der Chef seinem Arbeitnehmer nicht mal mehr einen Händedruck geben, dann kann er ihn direkt von der ARGE als Sklave bestellen. Dann gibts mittags eine warme Suppe und eine Scheibe Brot und an Weihanchten auch mal Gulasch und man braucht sich mit sowas Lästigem wie Lohnauszahlung und Arbeitnehmerrechte gar nicht mehr befassen. Vielleicht werden dann auch wie in China so Schlafkojen direkt neben der Fabrik gebaut und die Sklaven werden dann mit elektronischen Fussfesseln daran gehindert das Werksgelände zu verlassen. "Halt, 245! Wo willst du hin. Sofort zurück! Hier kommt niemand raus!". Wer hat eigentlich immer gelogen, es würde nicht so schlimm werden? Das wird schon wieder, die Löhne steigen auch wieder, ja bei der zu erwartenden Inflation.

Also im Herbst bloß nicht SPD/CDU/CSU wählen. Mit Einschränkungen die Grünen, alternativ die Linken oder die Piraten. Meinetwegen auch den Wahlzettel ungültig machen, wenn das genug machen, hat es auch irgendwann einen positiven Effekt.

18:45 12.08.2009
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Geschrieben von

bkhdk

Ich finde es wird von Tag zu Tag schlimmer...
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