Wer hat Angst vorm Mindestlohn?

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In der Diskussion um die "faulen Hartz-IVler", die zur Zeit in einige Presseerzeugnissen eines bestimmten Verlages breitgetreten wird, geht eines unter. Man kann Zwangsarbeit einführen, wenn man dieses harte Wort verwenden möchte. Es gilt aber eine Bedingung. Es muss einen vernünftigen Mindestlohn geben. Sobald der gezahlt wird, kann man auch von jemandem verlangen, arbeiten zu gehen. Denn das Auskommen ist ja gesichert. Das können dann auch staatlich geschaffene Stellen sein, wie die Parkpflege oder Aufsicht über Schulklassen oder was auch immer. Wenn allerdings, wie in der aktuellen Diskussion, gefordert wird, dass der Hartz-IV-Empfänger für mehr oder weniger nichts arbeiten gehen soll, nur damit der Staat seiner Fürsorgepflicht nachkommt. dann ist das reiner Irrwitz. Die Konsequenz wäre doch, wenn 2-3 Millionen Arbeitslose in einen angespannten Arbeitsmarkt drängen, dass dem Lohndumping Tür und Tor offen steht. Da man davon ausgehen kann, dass die neoliberalen Segensversprecher im Hintergrund schon an der endgültigen Abschaffung des Kündigungsschutzes feilen, heisst das dann für unzählige Menschen ein Dasein als besserer Tagelöhner zu fristen.

Wenn aber der Mindestlohn eingeführt wird und die Leute zur Arbeit gezwungen werden, dann wird sehr schnell Eines offenbar werden. Wir haben mittlerweile so eine Produktivität erreicht, dass man auf Millionen Menschen verzichten könnte (rein ökonomisch betrachtet). Es wird überhaupt nicht für jeden eine Arbeitsstelle für 9 oder 10 Euro die Stunde erschaffbar sein. Das würde das Ende des Lügengebäudes der angeblich so faulen Arbeitslosen bedeuten. Lieber erzählt man den Leuten, bei Niedriglohn stockt der Staat auf. Ich, als Steuerzahler, möchte aber niemandem den Lohn aufstocken, dessen Arbeitgeber zur Gewinnmaximierung den Lohndrücker markiert.

Lieber füttere ich mit meinem Lohn die ALGII-Empfänger durch, als, dass hier die endgültige Ausbeutung eingeführt wird.

Roland Koch hat nach meiner Ansicht nur zwei Möglichkeiten:

1. Einführung der Zwangsarbeit ohne Mindestlohn mit den oben beschriebenen Konsequenzen, des Lohndumpings.

2. Einführung der Zwangsarbeit mit Mindestlohn ohne die Konsequenzen von 1., dafür mit der Offenbarwerdung der Überflüssigkeit großer Bevölkerungsteile, im ökonomischen Getriebe.

Genau vor der in 2. beschriebenen Konsequenz haben die Mächtigen (BDI, INSM, etc.) doch Angst. Das würde nämlich bedeuten, dass es keine Vollbeschäftigung mit Lohnzahlung geben kann und man ein Grundeinkommen einführen müsste. Was den Irrsinn dieser Wirtschaftsexperten nur behindern würde.

Das Ergebnis wird sein, es wird nichts passieren. Wir werden keinen Mindestlohn bekommen, kein Grundeinkommen und keine Zwangsarbeit. Es wird so weiter gehen wie bisher. Alle paar Monate wird die Sau Hartz-IV wieder mal durch den Blätterwald gejagt, aber eine Systemumstellung findet nicht statt. Für Leute wie Roland Koch wäre das auch uninteressant, da sie von dem Aufeinanderhetzen der Menschen viel mehr profitieren. Das steigert nämlich auch das Desinteresse an Politik und das ist das was er will. Es soll sich keiner mehr dafür interessieren, was die mit der Wirtschaft regeln, die Leute sollen es einfach nur fressen.

10:56 25.01.2010
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Geschrieben von

bkhdk

Ich finde es wird von Tag zu Tag schlimmer...
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