Der Ekstase Code

MS DOCKVILLE 2013 Die Symbiose aus KünstlerInnen, HelferInnen und Publikum ist ein wichtiges Standbein des MS DOCKVILLE Kunstcamps.

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Der Ekstase Code

Foto: MS Dockville

Passend dazu, nach dem Motto „Einblicke in den MS DOCKVILLE Kunstcamp Kosmos“, wollen wir im Folgenden unseren Fokus auf eine besonders polarisierende Kunstcamp-Persönlichkeit und ihr bewegendes Konzept aus dem Bereich Performative Kunst richten.

It‘s not a classical presentation format, but the activation of an audience by including them into the actual making of the event. Clean-cut seperations between the performer and spectator as they exist in the proscenium stage format are obliterated [...].“ Jeremy Wade, 2013

Der in Berlin lebende New Yorker Performancekünstler Jeremy Wade begleitet uns mit seinem interaktiven Performance-Konzept „MAXIMUM SERVICE“ nun schon das zweite Jahr und ist 2013 ein stark präsenter Part unserer Familie. Durch seine publikumsaktivierende Darbietung erleben wir ein Gefühl von Einigkeit und Vertrauen und rücken alle ein gutes Stück näher zusammen. „MAXIMUM SERVICE“ – das bedeutet, sich fallen zu lassen, gemeinsam mit einer Gruppe völlig Unbekannter ein gegenseitiges Vertrauen zu entwickeln, persönliche Grenzen zu überschreiten und einander viele kleine Momente der behaglichen Ekstase zu schenken. „I want to take people of all kinds into situations they won‘t ever get in their everyday life and make them feel each other.“, so der studierte Choreograph. Basierend auf einer Mixtur aus sozialer sowie kirchlicher Dienstleistung und Elementen theatralischer Schaustellung zog Jeremey Wade erstmalig beim VOGELBALL, dem buntgefiederten, queeren Maskenball auf dem MS DOCKVILLE Kunstcamp, im letzten Jahr KünstlerInnen, HelferInnen und BersucherInnen in seinen Bann. Jeremy war also unsere erste Wahl, um auf dem Roskilde Festival eine neue Religion mit ganz eigenen ekstatischen Geboten einzuführen. Gemeinsam mit Performance-Power-Bündel Miguel Guiterrez und der MS DOCKVILLE Kunstcamp-Crew wurde mit der „CHURCH OF BEER“ im Juli erfolgreich eine neue Glaubensrichtung etabliert. Als „Church Ladies in Drag“ boten die beiden queeren Aktionisten, Kraft des selbstverliehenen geistlichen Amtes, ihre Dienste an.

Der „MAXIMUM SERVICE“ sieht keinen geplanten Ablauf vor, er funktioniert gruppeninhärent und lebt von entstehenden Dynamiken. Dabei kann eine spontane Vermählung, ein Exorzismus oder ein sogenannter „Cuddle Pile“ synergetisch in „Deep Aerobics“, eine enthusiastische, atemraubende sportliche Gemeinschaftserfahrung der besonderen Art, übergehen. Ist Jeremy Wade persönlich beim diesjährigen Kunstcamp nicht anwesend, lebt seine Kreation, das Konzept des „MAXIMUM SERVICE“, im Schaffensprozess und den performativen Darbietungen während des öffentlichen Kunstcamp-Programms weiter. An mehreren Tagen wird der Berliner Performancekünstler Daniel Cremer Jeremys ekstatisches Konzept erneut aufleben lassen und es in, für uns, ganz besonderer Kulisse zelebrieren. Der Innenhof des Igels, dem temporären Wohnraumprojekt für das MS DOCKVILLE Kunstcamp Team – erdacht und entwickelt vom Stuttgarter Architektenkollektiv Umschichten und den Stararchitekten –, dient Cremer dabei als Bühnenraum, um die KunstcampbesucherInnen partizipativ in einen Sog aus Gefühlsüberschwang und Begeisterungstaumeln zu hüllen.

http://img821.imageshack.us/img821/2521/pfw.png Wir freuen uns sehr, diese positivistische Philosophie weiterführen zu können und erkennen in ihr jede Menge Parallelen zum künstlerischen Schaffen, Leben und Arbeiten in den Gefilden des MS DOCKVILLE Kunstcamp Kosmos. Kernaspekte, wie besonders enge soziale Berührungspunkte im außeralltäglichen Kunstcamp-Alltag, die Bedürfnisse des gemeinsamen „Entstehenlassen“ und Gemeinschaft während dieser intensiven Phase des künstlerischen Prozesses, sind stark geprägt von Gruppenerfahrung. Man könnte sagen, das MS DOCKVILLE Kunstcamp lebt in seinem kreativen Tempus vom „MAXIMUM SERVICE“ mit seinen Höhen und Tiefen, seinen berauschenden und besinnlichen Momenten und einem stets vorhandenen Gemeinschaftsgefühl. Wir haben viel von Jeremy gelernt und freuen uns, unseren BesucherInnen mit Daniel Cremers nicht weniger mitreißenderen Auslegung des „MAXIMUM SERVICE“ ein weiteres Mal eine solche Must-Have-Felt-Experience bescheren zu dürfen!
Text: Michael Schlykow

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MS ARTVILLE 2015. Am Bau unserer Kunststadt sind KünstlerInnen und Kollektive aus der ganzen Welt beteiligt.

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