Von Road Trips und Igeln

MS DOCKVILLE 2013 Wir leben, essen, schlafen und kreieren gemeinsam in einem mehrwöchigen Prozess eine neue und eigene Welt

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Von Road Trips und Igeln

Foto: Tim Kaiser

Das MS DOCKVILLE Kunstcamp zieht seit Jahren verschiedene Persönlichkeiten unterschiedlicher Herkunft immer wieder in seinen Bann und lädt zum gemeinschaftlichen Schaffen ein. Wir leben, essen, schlafen und kreieren gemeinsam in einem mehrwöchigen Prozess eine immer neue eigene Welt. In den folgenden Wochen wollen wir AkteurInnen des MS DOCKVILLE Kunstcamp-Kosmos’ vorstellen und anhand ihres persönlichen Werdegangs das Treiben auf dem sich permanent verändernden Gelände der Wilhelmsburger Elbinsel veranschaulichen.

Beginnen wollen wir mit Martin. Als erster Gast des „Roskilde Road Trip Hamburg“, dem Startschuss zum international-künstlerischen Austausch zwischen MS DOCKVILLE Kunstcamp und dem dänischen Roskilde Festival, stand Martin im April neugierig als einer der Ersten vor unseren Pforten. Gehüllt in feinsten Roskilde-Zwirn und voller Tatendrang stürzte sich der langjährige Roskilde-Fan, der seit über 15 Jahren jedes Jahr das Festival besucht, auf Workshops, Performances und Konzerte. Aktiviert durch den Aktionismus des „Road Trips“ wurde Martin schnell Teil der vor Ort lebenden, arbeitenden und feiernden Gemeinschaft. Bald war klar: Martin gehört fest zum Team! „Es ist schön, nicht nur auf ein Produkt hinzuarbeiten, sondern den gesamten Weg dorthin, den Prozess, als Ergebnis zu verstehen“, so der im „echten“ Leben gelernte IT-Fachmensch. https://fbcdn-sphotos-h-a.akamaihd.net/hphotos-ak-prn1/540706_148091285368855_2143997945_n.jpgNachvollziehbar, dass der Einstieg für Roskilde-Freund Martin leicht gefallen ist, gibt es doch diverse Gemeinsamkeiten zwischen dem dänischen Großfestival mit Tradition und dem MS DOCKVILLE Kunstcamp. Beide vermitteln nicht nur Musik, sondern erschaffen gestützt durch die kreative Zusammenarbeit mit zahlreichen Freiwilligen ein temporäres künstlerisch geprägtes Lebensgefühl, welches sich immer wieder aufs Neue entwickelt und gedeiht. Der gemeinschaftliche Kreationsprozess ist hierbei der verbindenden Kernfaktor und Knotenpunkt unserer interaktionsreichen Kooperation. Mit Leidenschaft und Herzblut engagierte sich Martin beim „Road Trip“, verließ sein gewohntes Büro-Umfeld und tauchte ein in den Kunstcamp-Prozess.https://fbcdn-sphotos-d-a.akamaihd.net/hphotos-ak-ash3/1044133_477604992332011_1424228405_n.jpg

So war es nur logisch, dass Martin vom MS DOCKVILLE Kunstcamp eingeladen wurde, gemeinsam vor Ort auf dem Roskilde Festival an der Umsetzung der performativen Skulptur „CHURCH OF BEER“ teilzunehmen. Ende Juni machte er sich gemeinsam mit der Kunstcamp-Crew, dem Architektenkollektiv „umschichten“ und den New Yorker Performancekünstlern Jeremy Wade und Miguel Gutierrez, auf in Richtung Dänemark. Für Martin ein ganz besonderes Erlebnis: „Mit dem eigenen Auto auf das gelobte Land fahren“. Er wird vom Festival-Fan zum Createur und erschließt Bereiche, die ihm zuvor verwehrt blieben: Backstage planen und arbeiten, gemeinsam mit dem Künstler- und Kunstcamp-Team in einem Raum schlafen, leben und kommunizieren. Eine starke Gruppenidentität entsteht. https://fbcdn-sphotos-f-a.akamaihd.net/hphotos-ak-prn1/1013193_477253125700531_2117932716_n.jpgGemeinschaftliches Einstimmen auf den folgenden Church-Service, morgendliche Aktivierungsperformances zu Madonnas „Like a Virgin“ und Gruppen-Nacken-Kraulungen schweißen zusammen und erwecken längst vergessenes Klassenfahrtfeeling.http://imageshack.us/a/img836/6181/1avf.jpg

Zurück in Hamburg währt das gewachsene „Wir“ weiter: Martin baut gemeinsam mit dem Team und „umschichten“ am Igel, dem temporären Schlafraumkonzept für alle Beteiligten des MS DOCKVILLE Kunstcamps und wird den Sommer gemeinsam mit uns verbringen. Zusammen mit HandwerkerInnen, KünstlerInnen, OrganisatorInnen und HelferInnen hat Martin seinen festen Platz im gemeinschaftlichen Kunstcamp-Treiben gefunden. Man könnte sagen, wir haben zueinander gefunden. Fragt man Martin, was er noch zu diesem ganzen Bohai in seinem vollkommenen Ausmaß zu sagen hat, antwortet er nur entspannt in gediegener Manier: „Wenn mir beim Lattennageln noch was einfallen sollte, melde ich mich!“ – Ein recht passendes Schlusswort, wie wir finden! Ein riesiger Igel aus Holz, in dem man auch noch schlafen kann, baut sich immerhin nicht von allein. Martin: Chapeau!https://fbcdn-sphotos-g-a.akamaihd.net/hphotos-ak-prn1/64399_147850285392955_1410629442_n.jpg

Text: Michael Schlykow

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