fabianvonstechow

Schreiber 0 Leser 0
Avatar
RE: Jugendstrafrecht -- noch zeitgemäß? | 22.02.2011 | 15:19

Zunächst einmal danke ich den vielen Diskutanten für die Denkanstösse. Es ist in der Tat ein Unterschied ob man sich in der Opferrolle befindet oder überlegt was einen menschlichen Umgang ausmacht.
Zunächst einmal zu der Frage der längeren Haftstrafen. Therapielose Haft, wie sie in Deutschland leider die Regel ist bringt zunächst einmal nichts. Das fängt schon bei der U-Haft an, denn wie sollen jemandem menschliche Werte vermittelt werden dem schon der Ansatz menschlicher Zuneigung staatlicherseits verwehrt wird. So können jugendliche U-Häftlinge z.B. in Berlin 2x im Monat für eine halbe Stunde ihre Eltern sehen aber nicht berühren (z.B. umarmen). Man mag nun anwerfen dass denen das recht geschehe, übersieht aber dabei dass härtere Knastbedingungen und längere Strafen eben nicht zu den intuitiv erwarteten Verbesserungen der Rückfallquote oder gar zu Abschreckungseffekten führen.
Beispielhaft sei hier eine Metastudie mit über dreihunderttausend Gefangenen angeführt, die zeigt dass längere Haft sogar zu geringfügig höherer Rückfallquote führt:
www.prisonpolicy.org/scans/e199912.htm
Interessant wäre es auch die Rückfallquoten in Deutschland mit denen in einem Land zu vergleichen in denen weniger drastische Strafen für Jugendliche vorgesehen sind (z.B. Schweiz - maximal 4 Jahre bei Mord).
Das Problem ist glaube ich, dass unkriminelle Menschen der Haft eine Abschreckungswirkung zuschreiben, die so nach der aktuellen Beweislage allenfalls für kleine Delikte (z.B. Verkehrsstraftaten) zutrifft, bei grösseren Delikten aber keine Rolle spielt.
Wenn wir ein zivilisiertes Land werden wollen, gehört für mich dazu, dass wir die Resozialisierungsabsicht bei Jugendlichen ernst meinen und nicht nur als Lippenbekenntnis.
Darum bin ich für eine Verbesserung der Haftbedingungen von Jugendlichen, für eine wirksame Therapie und Bildungsarbeit und für weniger Haft, bzw. Haft nur als letztem Mittel.