Boris Dittrich
10.03.2017 | 15:15 53

Deutschland soll „Ehe für alle“ ermöglichen

Menschenrechte Aus menschenrechtlicher Sicht ist es wichtig, die Ehe in Deutschland für gleichgeschlechtliche Paare zu öffnen und Gleichbehandlung im Eherecht festzuschreiben

Ein Blog-Beitrag von Freitag-Community-Mitglied Boris Dittrich

Deutschland soll „Ehe für alle“ ermöglichen

Foto: Yuri Cortez/AFP/Getty Images

Von Boris Dittrich

„Derzeit sprechen alle davon, dass es gilt, unsere Werte zu verteidigen... Zu diesen Werten gehört neben dem Schutz von Ehe und Familie auch die Gleichberechtigung von anderen Formen des Zusammenlebens“, so SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann in einem Interview mit dem Spiegel vom 5. März.

Er fügte hinzu, dass er die Gleichstellung homosexueller Paare beim nächsten Treffen der Regierungskoalition mit seinem Koalitionspartner, Angela Merkels CDU/CSU, besprechen werde.

Dieser Vorstoß der SPD steht im Zusammenhang mit den Bundestagswahlen im September.

Wenn man mich jedoch fragt, ob ich glaube, dass die Ehe für alle noch unter der jetzigen Regierungskoalition kommen wird, lautet meine Antwort: Nein. Denn ich erinnere mich noch gut an ein Treffen mit Johannes Kahrs, Beauftragter für die Belange von Schwulen und Lesben in der SPD-Bundestagsfraktion, eine Woche vor der Wahl im Jahr 2013. Von ihm wollte ich wissen, ob es der SPD ernst war mit der Ehe für alle - wie sie es in ihrem Parteiprogramm versprach.

Kahrs sah mir in die Augen. „Es wird keinen Koalitionsvertrag ohne die gleichgeschlechtliche Ehe geben. Punkt.“

Dieses Gespräch stimmte mich zuversichtlich. Aber als die SPD und die CDU/CSU nach der Wahl ihren Koalitionsvertrag vorstellten, kam die Ehe für alle darin nicht vor. Außerdem ließ die Regierungskoalition es nicht zu, dass Gesetzesinitiativen anderer Parteien zur Einführung der gleichgeschlechtlichen Ehe aus den eigenen Reihen unterstützt wurden.

Wie sieht die politische Lage heute aus? Alle Parteien im Bundestag sprechen sich für die gleichgeschlechtliche Ehe aus, außer der CDU/CSU. Allerdings haben sich mindestens 13 CDU-Abgeordnete öffentlich für die Öffnung der Ehe ausgesprochen. Einer von ihnen ist Jens Spahn, der außerdem Mitglied des CDU-Präsidiums ist. Am 5. März twitterte er: „Ehe für alle öffnen. Denn es geht um Werte.”

Die Einführung der gleichgeschlechtlichen Ehe würde es Schwulen und Lesben in Deutschland ermöglich, den Menschen zu heiraten, den sie lieben. Und sie würde die Grundrechte aller Deutschen auf Gleichbehandlung und Nichtdiskriminierung stärken.

Aus menschenrechtlicher Sicht ist es richtig, die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare zu öffnen. Die Rechte auf Gleichbehandlung und Nichtdiskriminierung sollten auch in das deutsche Eherecht eingeschrieben werden.

Deutschland sollte sich den Niederlanden, Belgien, Spanien, Portugal, Schweden, Norwegen, Dänemark, Island, Großbritannien (außer Nordirland), Frankreich, Luxemburg, Irland und Finnland anschließen. In all diesen westeuropäischen Ländern gibt es die gleichgeschlechtliche Ehe.

Bis zu den Wahlen sind es noch sechs Monate.

Statt ihren Wählern leere Versprechungen zu machen und diese nach der Wahl zu brechen, sollten die Regierungsparteien sich jetzt dazu entschließen, ihre Position gegenüber der gleichgeschlechtlichen Ehe zu ändern.

Es ist Zeit, dass Deutschland die Ehe für alle einführt. Höchste Zeit.

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.

Kommentare (53)

Mimir 13.03.2017 | 18:29

ich habe wirklich nicht im geringsten etwas gegen schwule / lesbische partnerschaften, allerdings:

EHE ist die verbindung zwischen 2 heterosexuellen personen.

die gleichgeschlechtlichen müssen sich halt einen eigenen begriff definieren und nicht durch gezänk, geschrei und permanentem lästig sein, sich etwas aneignen wollen, was bereits anderweitig vergeben ist.

das macht sie mir erstmals ehrlich unsympathisch.

Baumi12435 13.03.2017 | 19:18

Anscheinend haben sie ja schon ein problem mit Homosexuellen.

Ansonsten würden sie sich ja nicht so gegen die Homoehe wehren, die wir eigentlich als Ehe bezeichnen sollten, da es keinen unterschied macht ob sich ein Mann und eine Frau, oder Zwei Menschen gleichen geschlechts das Ja-wort geben.

Welchen Nachteil würden sie denn erleiden, wenn es eine Ehe für alle gäbe, ich glaube keinen.

Bei der öffnung der Ehe geht es alleine darum eine völlige gleichberechtigung Homosexueller zu schaffen und bis dies nicht erfüllt ist, werden wir wohl weiter "unsympathisch" bleiben, denn das Grundgesetzt sagt: Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.

janto ban 18.03.2017 | 15:10

|| Die Rechte auf Gleichbehandlung und Nichtdiskriminierung sollten auch in das deutsche Eherecht eingeschrieben werden. ||

Und, um die Sache abzurunden, auch in Art. 3 Abs. 3 GG Eizug halten.

Aber wie ich zwei Dritteln der bisherigen Kommentare hier entnehme, erntet der Gärtner aus Berlin, was er gesäät hat. Dass die IS-versteherische, sowjetputinistische Freitagslinke sich immer noch nicht traut, den Begriff Homosexuelle Propaganda in die Tastatur zu nehmen, grenzt an ein kleines Wunder. Kommt aber noch. Die "Konservative Revolution" geht ja gerade erst los. Und die Putin-, Erdoğan-, Trump-, Le Pen- und Höcke-Fans werden sich früher verbrüdern, als allen Nichtfreitagslinken lieb sein wird. Und die theoretisch beschlussfähige Mehrheit im Bundestag macht de facto Rechtsradikalen-Kümmererpolitik. Mit allzu liberaler Gesellschaftspolitik könnte man die randalierenden Russlanddeutschen und Deutschtürken noch mehr verärgern. Putin und Erdoğan befehlen - die dt. Bundesregierung gehorcht. Und die Freitagslinke applaudiert. Es ist ein nicht anzusehendes Trauerspiel.

pleifel 18.03.2017 | 15:33

Ist wohl ein geiles Pferd, dass Sie ständig reiten. Damit wird dem berechtigten Anliegen für gleichgeschlechtliche Paare aber ein Bärendienst erwiesen.

"Dass die IS-versteherische, sowjetputinistische Freitagslinke (...)", sorry, aber abstruser kann es kaum noch werden. Ich hatte doch ganz vergessen, dass Israel lieber den IS am Leben erhält als einen intakten syrischen Staat, der doch dann eine Achse des Bösen mit dem Iran bildet.

Ist schon recht kompliziert die Welt, wenn man doch nur endlich legalisiert "poppen" möchte. Was wiederum beweist, wie die Stimmung die Meinung prägt.

Alica 18.03.2017 | 15:50

Putin und Erdoğan befehlen - die dt. Bundesregierung gehorcht.“

Das ist jetzt aber eine gewaltige Übertreibung …
Es gibt in Deutschland immerhin die „eingetragene Partnerschaft“, die der Ehe weitgehend gleich gestellt ist.
Die traditionelle Ehe steht schließlich vor allem deshalb unter besonderem staatlichen Schutz, da sie als Basis für die Gründung einer Familie angesehen und auch gefördert wird.
Homosexuellen Paaren ist es (Achtung böses 'Wort: „biologisch“) definitv nicht möglich, eine eigene Familie zu gründen. Somit liegt eben von vornherein ein klarer funktionaler – und nicht nur äußerlicher - Unterschied vor, der die Unterscheidung sehr wohl rechtfertigt und mitnichten etwas mit willkürlicher Diskriminierung zu tun hat. „Same same but different“ ist eben nicht in jedem Fall „gleich“.

Alica 18.03.2017 | 20:23

Nun, hätte ja durchaus sein können, du glaubst den Humbug noch, den du da geschrieben hast tatsächlich ... da tat halt ein bisschen sachliche Aufklärung not. ;-)

Immerhin weißt du jetzt, dass du mit deinem Partner keine gemeinsamen Kinder produzieren kannst. Ist doch eine tolle Erkenntnis. Denn ohne Kinder ist heiraten heutzutage eh irgendwie - naja - nutzlos. ^^ Und das gilt jetzt zur Abwechslung mal für alle, egal ob homo oder hetero. Ob das nun progressiv, konservativ oder einfach nur vernünftig ist, soll jeder selbst entscheiden. Ich zumindest halte nichts davon, meinen Mitmenschen ein Label aufzudrücken, nur weil mir deren Argumente nicht in den Kram passen. Für mich ist ein Argument entweder wahr, falsch oder nachdenkenswert. Aber doch nicht links oder rechts. Klingt ja wie schwarz oder weiß. ^^

Aber immerhin eines weiß ich: durch die Ermöglichung der „Ehe für alle“, ist die Welt sicherlich nicht zu retten.

moinmoin 18.03.2017 | 22:17

"... Die traditionelle Ehe steht schließlich vor allem deshalb unter besonderem staatlichen Schutz, da sie als Basis für die Gründung einer Familie angesehen und auch gefördert wird."

Traditionell war und ist die Ehe nach meinem Kenntnisstand (formal) nicht mehr und nicht weniger als ein Vertrag, durch den Rechte und Pflichten von Ehepartnern festgelegt werden.

Mit dem staatlichen Schutz von Ehe und Familie ist das so eine Sache, denn in der Praxis ist es nicht (mehr) so, dass sie Basis zur Familiengründung ist. Nicht jeder, der heiratet, will Kinder und viele haben Kinder ohne verheiratet zu sein.

Steuerlich werden kinderlose Ehen begünstigt. Wo aber ist Ihrer Meinung nach der "besondere staatliche Schutz" Alleinerziehender (meist Mütter) mit Kindern?

Diesbezüglich besteht mMn dringender Reformbedarf!

Reformbedarf besteht auch hinsichtlich gleichgeschlechtlicher Ehen (mindestens). Was spricht dagegen, dass gleichgeschlechtliche Partner einen Ehevertrag abschließen können? Auf keinen Fall - wie Sie meinen - dass sie miteinander keine Kinder zeugen können!

Auch heterosexuelle Partner wollen oder können (biologisch) nicht in jedem Fall miteinander Kinder zeugen.

Man(n oder Frau) kann auch Kinder aus einer heterosexuellen Beziehung in eine homosexuelle Partnerschaft mitbringen/ein-, z.B. Und da das so ist, warum sollten Homosexuelle dann nicht auch Kinder adoptieren können bzw. dürfen?


"Homosexuellen Paaren ist es (Achtung böses 'Wort: „biologisch“) definitv nicht möglich, eine eigene Familie zu gründen. Somit liegt eben von vornherein ein klarer funktionaler – und nicht nur äußerlicher - Unterschied vor, der die Unterscheidung sehr wohl rechtfertigt.... "

Nein! Eben nicht - aus zuvor genannten Gründen.

Alica 18.03.2017 | 22:22

Achso, um Gleichstellung geht es dir - wer hätte das gedacht ...
Zumal schwer erkennbar ist, wo die rechtliche Gleichstellung von Homosexuellen noch nicht vollzogen ist.
Nur weil man das eine "Ehe" und das andere "eingetragene Lebenspartnerschaft" nennt, sehe ich die Gleichstellung jedenfalls kaum in Frage gestellt.
Dann kann es dir ja nur noch um das Adoptionsrecht von fremden Kindern (im Inland) gehen. Was btw ja auch für heterosexuelle Paare nicht ganz einfach ist.
Tja, da weiß man halt wirklich noch nicht ganz genau, wie sich homsoxeuelle Elternschaft auf das Kindeswohl auswirkt. Das ist eine sehr große Frage, die eben noch nicht eindeutig geklärt ist.
Und somit weiß man auch nicht genau, ob in diesem Fall die Welt durch mehr "Gleichheit" wirklich gerechter werden würde.

Alica 18.03.2017 | 22:53

Steuerlich werden kinderlose Ehen begünstigt

So pauschal wie Sie das ausdrücken, stimmt das nicht.
Steuerlich günstiger wirkt sich das nur bei Ehepaaren aus, die sehr unterschiedlich verdienen.
Außerdem sind mittlerweile die "eingetragenen Lebenspartnerschaften" steuerlich völlig gleichgestellt. .

Für die Kinder gibt es Kindergeld - wovon Alleinerziehende nicht ausgeschlossen sind. Außerdem hat der nichterziehende Elternteil eine Unterhaltspflicht seinen / ihren Kindern gegenüber.

Was spricht dagegen, dass gleichgeschlechtliche Partner einen Ehevertrag abschließen können?

Sie können - wie schon ein paar mal erwähnt - eine "eingetragene Lebenspartnerschaft" eingehen, die der Ehe weitgehend gleichgestellt ist. Einschränkung siehe weiter oben in meiner Erwiderung an Janto Ban.

Man(n oder Frau) kann auch Kinder aus einer heterosexuellen Beziehung in eine homosexuelle Partnerschaft mitbringen/ein-, z.B. Und da das so ist, warum sollten Homosexuelle dann nicht auch Kinder adoptieren können bzw. dürfen?

Da ist eben noch nicht abschließend geklärt wie sich das auf das Kinderwohl auswirkt.

Wenn es sich um ein leibliches Kind eines der beiden Partner handelt, ist das schon eine etwas andere Sache, denn immerhin entscheidet da ja ein leiblicher Elternteil über das Wohl seines / ihres Kindes.

Metambigo 18.03.2017 | 23:09

".... weiß man nicht, wie sich homosexuelle Elternschaft auf das Kindeswohl auswirkt..."

Wohingegen man weiß, daß sich heterosexuelle und Mamaalleinzuhaus - Elternschaft überwiegend "wohlig" für Kinder auswirkt?

Bei Risiken oder Nebenwirkungen fragen Sie ihren Kinderarzt, Sozialarbeiter, Lehrer, Kindergärtner, Scheidungsanwalt, Psychotherapeuten, Leichenbeschauer und/oder andere in der Sache kompetente Personen, welche Ihnen was über die Auswirkungen "normaler?" Familienstrukturen auf das gemeine "Kindeswohl" erzählen können.

miauxx 18.03.2017 | 23:19

"Zumal schwer erkennbar ist, wo die rechtliche Gleichstellung von Homosexuellen noch nicht vollzogen ist.
Nur weil man das eine "Ehe" und das andere "eingetragene Lebenspartnerschaft" nennt, sehe ich die Gleichstellung jedenfalls kaum in Frage gestellt."

Gleichstellung heißt Gleichstellung und kann kein "Nur weil ...", also Abstufungen enthalten. Du widersprichst dir also. Alles in allem sagt dein Kommentar aber nichts anderes als: Der Schwule solle doch ruhig sein, was will er denn noch!?

Das Institut der Ehe, wie es, wenn auch nicht expressiv verbis, durch die Gesetzgebung sowie durch konservative Politiker "definiert" wird, entspricht im Grunde einer uralten, traditionellen Auffassung. Es ist sozusagen ein Relikt, dass von der Lebensrealität längst überholt wurde. Wenn, dann müsste es darum gehen, die Bevorteilung der Ehe als Zugewinngemeinschaft an sich zu überdenken. Ich verstehe, dass eine heterosexuelle Lebensgemeinschaft auch wirtschaftlich bevorteilt wird, wenn sie Nachwuchs gebiert. Dass der wirtschaftliche Zugewinn (für die Ehe aus Mann und Frau) jedoch allein gewährt ist, weil eine Ehe eingegangen wird, ist jedoch kaum einsichtig. Um einem Mißverständnis vorzubeugen: Ich meine keine Geburtskontrolle an Ehepaaren, sondern finde das Konzept der Ehe als wirtschaftliche Zugewinngemeinschaft so zweifelhaft. Dieser Push scheint mir nicht mehr zu sein, als ein verwaltungstechnischer Anreiz, die historische Insitution Ehe in einer modernen Welt zu retten.

Die Motive Homosexueller, der klassischen Ehe gleichgestellt zu werden, werden sicher auch ganz verschieden sein. Den einen wird es ebenso wie vielen gemischtgeschlechtlichen Paaren um die Kohle gehen, den anderen vielleicht eher um's Prinzip, wieder andere wollen wohl eher den feierlichen Aspekt genießen, ihrem Liebesbund etwas Sakrales beigeben, und sogar in einer Kirche heiraten. Letzteres ist mir in jedem Falle - ob hetero oder homo - auf jeden Fall der sympathischste Fall. Von einer Ehe als wirtschaftlicher Zweckgemeinschaft - und dahin definiert das Gesetzt die Ehe ja eigentlich - ist so oder so nicht viel zu halten.

Alica 19.03.2017 | 00:32

"oder andere in der Sache kompetente Personen, welche Ihnen was über die Auswirkungen "normaler?" Familienstrukturen auf das gemeine "Kindeswohl" erzählen können."

Ist schon klar, dass es unter den sogenannten "ganz normalen Familien" auch jede Menge problematische gibt. Aber das ist hier nicht das Thema. Es ist in Deutschland schließlich auch für heterosexuelle Ehepaare wahnsinnig schwierig, ein Kind zu adoptieren. Da wird vorher alles mögliche und unmögliche geprüft, was eben in "ganz normale Familien" nicht geprüft wird. Der Staat kann und darf potentiell "ungeeignete" Eltern" nicht daran hindern, eigene Kinder in die Welt zu setzen. Dass sie welche adoptieren dürfen, kann er allerdings schon verhindern.

Und wie gesagt, die Frage welche Auswirkungen homosexuelle Eltern auf das Kindeswohl haben, ist noch nicht endgültig geklärt. Darüber kann mit keinem "whataboutism" hinweg gesehen werden.



Metambigo 19.03.2017 | 01:08

"...noch nicht endgültig geklärt."

Aber ein bißchen schon. Gibt ja bereits mehrere Studien zu "Regenbogenfamilien", die nix gravierend negatives zu den "Auswirkungen" berichten können.

"...potentiell ungeeignete Eltern..."

Und dazu zählen Sie gleichgeschlechtliche Elternanwärter?

Dann aber nicht wegen (wie bei deren heterosexueller Variante) überprüfbarer "Eignungskriterien", sondern doch wohl offentsichtlich wegen vorhandener Ressentiments, die mit "noch nicht geklärten Auswirkungen" kaschiert werden.

Welche (eventuellen) negativen Auswirkungen wären denn denkbar für Sie?

Alica 19.03.2017 | 01:27

Gleichstellung heißt Gleichstellung und kann kein "Nur weil ...", also Abstufungen enthalten. Du widersprichst dir also.

Nein, ich finde nicht, dass ich mir wirklich widerspreche, weil die praktische Gleichstellung von homosexuellen Paaren mittlerweile so weit fortgeschritten ist, dass es so gut wie keine Unterschiede mehr zu Ehepartnern gibt.
Dass die Lebenspartnerschaft im Gegensatz zur traditionellen Ehe nicht vom GG geschützt ist, finde ich wie gesagt nachvollziehbar, weil bis heute die meisten Ehen mit der Absicht eine Familie zu gründen, geschlossen werden. Woran dem Staat ja schon etwas liegen dürfte.

Es ist sozusagen ein Relikt, dass von der Lebensrealität längst überholt wurde.

Das finde ich nicht. Wie gesagt die meisten Paare, die eine Familie gründen wollen, schließen immer noch eine Ehe. Es stimmt allerdings, dass der Wunsch "eine Familie zu gründen" zurück gegangen ist.

Die Motive Homosexueller, der klassischen Ehe gleichgestellt zu werden, werden sicher auch ganz verschieden sein. Den einen wird es ebenso wie vielen gemischtgeschlechtlichen Paaren um die Kohle gehen,

Ja, aber "kohlemäßig" gibt es ja jetzt schon keine Unterschiede mehr. Das Ehegattensplitting wird auch auf Lebenspartner angewendet. Wurde 2013 beschlossen und zwar rückwirkend!

Von einer Ehe als wirtschaftlicher Zweckgemeinschaft - und dahin definiert das Gesetzt die Ehe ja eigentlich - ist so oder so nicht viel zu halten.

Nein ich glaube eben gerade nicht, dass das Gesetz die Ehe dahingegend definiert. Sondern die wirtschafliche "Privilegierung" mittels des Ehegattensplittings ermöglicht es dem Ehepaar doch nur, sich Kinder wirtschaftlich leisten zu können, weil ein Partner u. Umständen eine zeitlang weniger arbeiten möchte, um sich um die Kinder kümmern zu können. Die Crux ist jasoweiso, dass heutzutage ein Durchschnittsgehalt gar nciht mehr reicht, um eine Kleinfamilie durchzubringen - auch nicht zeitweise. Da wird einem kaum mehr eine Wahlfreiheit gelassen, wei einfach beide arbeiten MÜSSEN. Dann auch noch das Ehegattensplitting abzuschaffen, wäre nur ein Grund mehr, keine Kinder mehr zu bekommen.

"Ehe als Zugewinngemeinschaft"

Warum "Zugewinngemeinschaft" ein Anreiz für die Ehe sein soll, verstehe ich nun gar nicht. Das ist doch eher ein praktischer Hinderungsgrund. Vor allem, wenn man sich nicht so ganz sicher ist, ob die Ehe auch wirklich halten wird. Wenn nicht, dann muss der besser verdienende Partner ja dem anderen etwas abgeben ...
Aber man kann ja auch Gütertrennung wählen ;-)

Es existieren einfach zuviele Mythen, warum Ehe sich kohlemäßig so dicke lohnen würde - tut sie nämlich gar nicht. Der Staat spart dadurch unendlich viel an Sozialtransfers. Unter anderem übrigens deshalb, weil es gar nicht so viele Vollzeitarbeitsstellen gibt wie es arbeitsfähige Individueen gibt.

Metambigo 19.03.2017 | 03:14

"... der offizielle Grund..."

Können Sie denn die legitimierten Verkünder/ Vertreter, also die politischen Entscheidungsträger, dieses einen? "offiziellen" Grundes quellenmäßig dingfest machen und deren diesbezügliche Argumentation(en) belegen ? Und hält letzteres Ergebnissen wissenschaftlicher Studien dazu stand ?

Ansonsten ist es wohl doch? eher eine persönliche - weltanschaulich durch ein theologisch untermauertes Menschenbild? - geprägte Meinung.

Alica 19.03.2017 | 04:06

na gut, dann ist eben der offizielle politische Streitpunkt. ^^

Studien gibt es eher für die Unbedenklichkeit der Gleichstellung bei Adoptionen, aber da wird eben die Methodik stark in Frage gestellt.
Ich persönlich denke, es ist vor allem ein ideologische Frage. Also es gibt sowohl gute Gründe dafür als auch dagegen. Ich selber weiß nicht so richtig , wie man mit solchen Dilemma-Situationen umgehen soll.
Warum sollte es okay sein, allen homosexuellen Paaren, die gemeinsame Adoption zu verweigern? Ich denke, da muss - wie bei den heterosexuellen Paaren auch - eine individuelle Prüfung stattfinden.

miauxx 19.03.2017 | 17:45

"Nein ich glaube eben gerade nicht, dass das Gesetz die Ehe dahingegend [als wirtschaftliche Zweckgemeinschaft] definiert."

Sondern?

"Warum "Zugewinngemeinschaft" ein Anreiz für die Ehe sein soll, verstehe ich nun gar nicht. Das ist doch eher ein praktischer Hinderungsgrund. Vor allem, wenn man sich nicht so ganz sicher ist, ob die Ehe auch wirklich halten wird."

Ja eben!

"Das Ehegattensplitting wird auch auf Lebenspartner angewendet. Wurde 2013 beschlossen und zwar rückwirkend!"

Ah, okay.

Heinz 19.03.2017 | 18:23

Halbheiten

Die Form der Ehe ist global sehr unterschiedlich. Wenn du schon mit dem globalen Menschenrecht argumentierst, dann doch bitte ganz, also alle Formen sind hier zuzulassen.

Ursprünglich war die Ehe als Naturrecht entstanden, um die Aufzucht der Kinder zu gewährleisten. Inzwischen ist die Ehe eine Partnerschaft geworden, in der auch Kinder vorkommen können, aber nicht müssen.

Denken wir die real existierende Ehe weiter, die vielfach nur kurz besteht und dann geschieden wird, dann könnte ich mir durchaus vorstellen, den Scheidungsvertrag gleich in den Ehevertrag zu integrieren und eine TimeSharingEhe einzuführen.

janto ban 19.03.2017 | 20:39

|| Gleichstellung heißt Gleichstellung und kann kein "Nur weil ...", also Abstufungen enthalten. ||

Kurz und bündig. Danke.

Aber zu dem Sakralen für den Liebesbund und das Heiraten in einer Kirche. Wir reden hier natürlich erst mal "nur" über die vor Gevatter Staat geschlossene, zivile Ehe. Das andere heißt zwar auch Ehe, ist aber ein Sakrament (wie Taufe, Kommunion, Firmung, Konfirmation, und letzte Ölung), wonnich.

gelse 20.03.2017 | 05:03

>>Ich verstehe, dass eine heterosexuelle Lebensgemeinschaft auch wirtschaftlich bevorteilt wird, wenn sie Nachwuchs gebiert.<<

Das ist, Fortpflanzungsfähigkeit vorausgesetzt, keine grosse Leistung. Ökonomische Begünstigung des Paares, egal wie es dann mit dem geborenen Kind umgeht, ist sozial gesehen kontraproduktiv. Nicht das Kinderzeugen, sondern das Wohl des Kindes sollte im Vordergrund stehen. Wer es gerne formal hätte:
"(1) Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit, soweit er nicht die Rechte anderer
verletzt und nicht gegen die verfassungsmäßige Ordnung oder das Sittengesetz verstößt."
Das Recht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit gilt entweder von Geburt an oder es existiert nicht.
Daran muss die Unterstützung der Eltern geknüpft werden und nicht an die Fortpflanzungsfähigkeit.

Alica 20.03.2017 | 13:48

Ökonomische Begünstigung des Paares, egal wie es dann mit dem geborenen Kind umgeht, ist sozial gesehen kontraproduktiv.

Ich bin mir nicht sicher, wie das zu verstehen ist: Soll ggf. bei irgendwie "falschem" Umgang - s. dazu auch meine nächste Frage -das Kindergled und das Ehegattensplittinggestrichen werden - oder wie?

Daran
muss die Unterstützung der Eltern geknüpft werden und nicht an die Fortpflanzungsfähigkeit.

Und wie (und von wem) soll das denn überprüft werden?!?


Alica 20.03.2017 | 14:55

"Sondern?"

Nun, die Ehe ist doch wohl als ein bewusstes, freiwilliges Versprechen gedacht, "in guten wie in schlechten Zeiten" füreinander einzustehen. Da kommt auch Erich Fromms "Kunst zu lieben" mit ins Spiel bzw. das Bewusstsein, dass "lieben" nicht nur ein Gefühl, sondern vor allem ein Tun-Wort ist.

Ich habe den Eindruck, dass das vielen gar kein Gedanke wert ist.

Heutzutage ist man sich - insbesondere die aufgeklärten Zeitgenossen – lediglich darüber bewusst, dass die anfänglichen schönen Gefühle. die als "Liebe" interpretiert werden, sich im Laufe der Zeit verändern. Deshalb scheuen sich wohl viele, den Bund der Ehe noch einzugehen bzw. halten ihn für „verlogen“ oder so.

Dass stabile Ehen und Familien für eine Gesellschaft aber von Vorteil sind und deshalb vom Staat (noch) finanziell gefördert werden, liegt ja wohl auf der Hand.
Gerade auch deshalb, weil eine stabile, liebevolle Beziehung der Eltern eine gute Voraussetzung für das gesunde Heranwachsen von Kindern ist.
Womit ich aber keinesfalls sagen will, dass eine „stabile, liebevolle Beziehung“ nicht auch ohne Trauschein möglich ist oder dass der Trauschein ein Garant dafür sei. Das ist er ja eben gerade nicht - wie an der hohen Scheidungsrate zu erkennen ist.

Moorleiche 20.03.2017 | 14:59

"Ehe soll nur "amtlich zertifizierte Paarung" sein? Und "legalisiertes Poppen", ist hier ja auch schon gefallen ...
Das schockiert mich ehrlich geagt ein bisschen, wenn so etwas Zeitgenossen äußern, die sich für "aufgeklärt" halten."

Finde ich auch. Ehe wird oft auch von der Seite der Beschränkung her definiert, was m.E. den Punkt verfehlt.

Ich stehe bezüglich des Gesamtthemas irgendwo in der Mitte.

Die Ehe für alle finde ich unproblematisch.

Für mich ist heterosexuelle Gemeinschaft, die Kinder ohne Umwege produzieren kann und ihre Kinder optimal versorgt, der gesellschaftliche Idealfall.

Die heterosexuelle Gemeinschaft kann ihre Kinder nicht ohne Umwege produzieren und daher nicht ideal. Aber nicht ideal ist nicht schlecht, sondern einfach nur nicht ideal.

Ein heterosexuelles Paar kann seine Kinder auch weniger als optimal bis sehr schlecht versorgen und es ist locker denkbar, dass ein homosexuelles Paar, das sich mit dem Thema Nachwuchs notgedrungen viel intensiver beschäftigen muss, in vielen Fällen vielleicht sogar besser geeignet sein, als bei einem heterosexuellen Paar, bei dem ein Kind auch schon mal ein „Verkehrsunfall“ sein kann.

Das Wohl des Kindes sollte hier Vorrang haben und ungeeignet scheinenden homosexuellen Paaren kann man die Nachkommenschaft deutlich mehr erschweren, als heterosexuellen.

Die Frage nach der Kontrolle ist begründet, da gut gemeinte und oft schlecht gemachte Überregulierungen fast immer ein Übel sind.

Da Homosexuelle bei der Frage nach Nachkommen immer den größeren Druck haben, sollte man das Thema m.E. liberal behandeln und ihnen keine größeren Steine in den Weg legen. Jedoch hat die Gesellschaft das Recht die heterosexuelle Partnerschaft mit Vorrang zu behandeln.

Ob ein Vorrang der einen automatisch eine Benachteiligung anderer bedeutet, weiß ich nicht. M.E. nicht zwingend.

Bin hier aber nicht betonhart festgelegt.

Moorleiche 20.03.2017 | 15:11

"Gerade auch deshalb, weil eine stabile, liebevolle Beziehung der Eltern eine gute Voraussetzung für das gesunde Heranwachsen von Kindern ist.
Womit ich aber keinesfalls sagen will, dass eine „stabile, liebevolle Beziehung“ nicht auch ohne Trauschein möglich ist oder dass der Trauschein ein Garant dafür sei. Das ist er ja eben gerade nicht - wie an der hohen Scheidungsrate zu erkennen ist."

Das scheint mir etwas am Punkt vorbei.

Stabile, liebevolle Beziehungen kriegen heterosexuelle und homosexuelle Paare ebensogut hin, wie heterosexuelle und homosexuelle Paare lieblose Beziehungen eingehen können.

Der kritische Punkt ist, neben der Fortpflanzung, die Frage, ob Kinder tatsächlich Vater und Mutter brauchen. So weit ich weiß, weiß man das einfach nicht.

Alica 20.03.2017 | 15:53

Das scheint mir etwas am Punkt vorbei.

Ja, das ist tatsächlich ein Neben-Punkt , der sich daraus ergeben hat, weil ja hier manche das Konzept "Ehe" an sich anzweifeln Insbesondere auch die finanzielle Förderung durch den Staat.

Der kritische Punkt ist, neben der Fortpflanzung, die Frage, ob Kinder tatsächlich Vater und Mutter brauchen. So weit ich weiß, weiß man das einfach nicht.

Ob Kinder Mutter und Vater für ein gesundes Heranwachsen bauchen - genau das ist der strittige Punkt, der bis jetzt noch nicht geklärt ist, weil einfach die Datenerhebung dazu noch unzureichend ist.

Alica 20.03.2017 | 16:09

Die Ehe für alle finde ich unproblematisch.

"Ehe für alle" ist eben insofern nicht ganz unproblematisch, weil man eben noch nicht weiß, ob Kinder "Mutter und Vater" brauchen. Haben Sie ja weiter unten selber angemerkt.
Deshalb gibt es in Deutschland die eingetragene Lebenspartnerschaft, die der Ehe weitgehend gleichgestellt ist. Nur beim Adoptionsrecht gibt es da eben noch die Einschränkung, dass es homosexuellen Paaren nicht erlaubt ist, gemeinsam fremde Kinder zu adoptieren.
Einfach ausgedrückt bedeutet das: Wenn "die Ehe für alle" möglich ist, dann entfällt automatisch die Einschränkung beim Adoptionsrecht .
Die homosexuellen Paare, die kein Kind adoptieren wollen sind quasi heute schon mit Ehepartnern gleichgestellt.

Ob ein Vorrang der einen automatisch eine Benachteiligung anderer bedeutet, weiß ich nicht. M.E. nicht zwingend.

Es ist dann eine Benachteiligung, wenn klar erwiesen ist, dass Kinder für ein gesundes Heranwachsen nicht "Mutter und Vater" brauchen.

Alica 20.03.2017 | 16:14

Nachtrag:

Stabile, liebevolle Beziehungen kriegen heterosexuelle und homosexuelle Paare ebensogut hin, wie heterosexuelle und homosexuelle Paare lieblose Beziehungen eingehen können.

Ja, klar. Genauso wie ein Trauschein kein Garant für eine liebevolle, stabile Beziehung ist, verhält es sich mit der sexuellen Orientierung. Ich dachte, das wäre jedem klar und müsste man nicht auch noch extra betonen.

Moorleiche 20.03.2017 | 16:54

""Ehe für alle" ist eben insofern nicht ganz unproblematisch, weil man eben noch nicht weiß, ob Kinder "Mutter und Vater" brauchen. Haben Sie ja weiter unten selber angemerkt."

Ja, stimmt.

"Einfach ausgedrückt bedeutet das: Wenn "die Ehe für alle" möglich ist, dann entfällt automatisch die Einschränkung beim Adoptionsrecht ."

Ich sehe es insofern gelassen, weil das Adoptionsrecht ja viele Bedingungen recht hart prüft. Gesetzt, es wäre günstiger, dass Kinder Vater und Mutter haben und in deren gemeinsamem Umfeld leben, glaube ich, dass die möglichen Schäden, die eine weniger als optimale Konstellation dann darstellte, von der Restriktion durch die Prüfung der Adoptionsbedingungen aufgehoben würde.

Es ist zwar denkbar, dass die Schäden in der Erziehung ohne Vater und Mutter größere wären als die Vorteile einer sehr guten homosexuellen Konstellation, aber das ist Spekulation (könnte ja auch sein, dass ein homosexuelles Umfeld beesser wäre) und mehr als Spekulation über etwaige Schäden haben wir ja auch nicht zur Verfügung.

Aber ich glaube, im Kern sind wir hier weitgehend der gleichen Meinung.

Alica 20.03.2017 | 17:51

Ich sehe es insofern gelassen, weil das Adoptionsrecht ja viele Bedingungen recht hart prüft.

Ja, ich persönlich neige dieser Sichtweise auch zu.

Erschwerend wirkt sich in dieser Hinsicht allerdings der Umstand aus, dass längst nicht so viele Kinder zur Adoption freigegeben werden wie zur Zeit schon allein von heterosexuellen Paaren nachgefragt werden., die dafür qualifiziert erscheinen.
Da siegt dann im Einzelfall halt wohl doch wieder die "richtige" Ideolgie.

janto ban 21.03.2017 | 03:17

Ja ja. Ich bleibe dabei, dass die Kapriolen, die hier (und immer in der dFC, wenn's ums Thema geht) geschlagen werden, allein dazu da sind, um gegen die "Ehe für Alle" und gegen Gleichstellung zu sprechen. Denn was interessieren inhaltliche Fragen zum Sinn oder Unsinn der zivilen Ehe in diesem Zusammenhang..? Antwort: nix. "Ehe für Alle" bedeutet lediglich, alles für alle gleich anzulegen: gleich sinnig/unsinnig. Aber das will die Freitagslinke nicht. Das ist der ganze, leicht durchschaubare Witz an der Sache.

gelse 21.03.2017 | 04:06

>>Ich ziele doch gerade kritisch auf den Aspekt der Ehe als wirtschaftliche Zweckgemeinschaft.<<
Schon klar.
Ich wollte das nur noch mal unterstreichen mit dem Hinweis auf Art. 2 GG. Oder man kann ja auch sagen: „Bei der Wahl der Eltern sollte ein Kind sehr sorgfältig vorgehen, denn mit einem Missgriff an dieser Stelle kann ein Kind sich das ganze Leben versauen“. Da schüttelt aber die Mehrzahl der glücklicheren Dödel gleich den Kopf.

gelse 21.03.2017 | 04:18

>>Und wie (und von wem) soll das denn überprüft werden?!?<<
Das ist die ungeklärte Frage.
Wahrscheinlich wäre es besser, das Gefangensein in der Kleinfamilie zu lockern. Wobei natürlich nichts dagegen spricht dass Menschen Paare bilden, das ist ja Privatsache der Einzelnen, in die niemand hineinregieren muss.
Staatliche Förderung aber sollte sich auf die Entwicklungschancen aller Kinder konzentrieren. Weil, wer mal geboren wurde Bürger im Sinne des GG ist.
Wie sich bessere Gleichheit der Entwicklungsbedingungen verwirklichen lassen, darüber muss diskutiert werden: Dass ich kein fertiges Patentrezept vorlegen kann heisst ja noch nicht, dass der Grundgedanke falsch wäre.

Alica 28.03.2017 | 13:56

Wie sich bessere Gleichheit der Entwicklungsbedingungen verwirklichen lassen, darüber muss diskutiert werden

„Bessere Gleichheit der Entwicklungsbedingungen“ - tja, wie das verwirklicht werden könnte, ist tatsächlich bis heute noch eines der ganz großen Rätsel. Zumal „mehr Gleichheit“ ganz sicher nicht immer „besser“ für alle ist. Auch das frühe "Outsourcing" von Kleinkindern in Krippen ist da nicht für alle Kinder gleich gut. Da spielt nämlich die individuelle Persönlichkeit der Kinder eine große Rolle. Deshalb halte ich wenig davon, bestehende Strukturen so zu verändern, dass die pöse, pöse „Kleinfamilie“ mehr und mehr zum Auslaufmodell wird, selbst wenn sich diese - im Allgemeinen – als förderliches Umfeld für die Entwicklung von Kindern erwiesen hat. „Mehr Gleichheit“ kann ebenam leichtesten damit hergestellt werden, die Bedingungen für alle gleich schlecht zu machen. Mir persönlich ist so eine Denke komplett unverständlich. Diese Art von bornierter Gleichmacherei gab btw auch den Ausschlag, meine Mitgliedschaft zur Gewerkschaft zu kündigen.