Virtual Love

Der Gonzo-Blog Wie das Internet die Liebe revolutioniert hat...
Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Unter Offlinern und selbst unter vielen Internetnutzern, oder sagen wir Internetbenutzern, gibt es die weitverbreitete These, dass virtuelle Beziehungen weniger echt wären als die Beziehungen im sogenannten Real Life. Im Grunde ist es nicht nur eine These, zumindest nicht für diese den Sozialen Netzwerken eher misstrauisch bis verächtlich gegenüberstehenden Leutchen. Für sie ist es eine Tatsache. Jede Diskussion überflüssig! Kein normaler Mensch kann dies ihrer Meinung nach anders sehen als sie. Nun, ich bin wohl kein normaler Mensch, (Den Verdacht hatte ich selbst ehrlich gesagt schon lange) denn meine Erfahrung ist eine Andere. Es gibt eine menge Menschen, die ich zwar noch nie persönlich getroffen habe, denen ich mich aber seelisch näher und verbundener fühle, als vielen Leuten die ich schon jahrelang persönlich kenne. Es ist mir sogar schon passiert, dass ich mich in eine Frau die ich noch nie persönlich getroffen habe verliebt habe. Spätestens jetzt werden die Offliner und die Social Network hassenden Internetbenutzer wohl schallend lachend die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. Aber was will man in einem Internetfeindlichen Land wie Deutschland schon erwarten. Einem Land in dem sich schizophrene Menschen den Anti-Internet-Song von Udo Jürgens downloaden und sich auf ihrer Facebook-Pinwand permanent darüber beschweren, wie scheisse Facebook doch ist. Social-Networks kacke finden liegt in Deutschland sowieso gerade im Trend wie Jutebeutel und zu enge Hosen. Selbst die alte Anke Engelke konnte beim deutschen Publikum vor nicht allzu langer Zeit noch einmal punkten als sie sagte, sie verfluche den Tag, an dem der ganze Dreck (gemeint waren Facebook, Twitter und Co) erfunden wurde. Jetzt muss man bei Anke Engelke dafür noch ein gewisses Verständnis haben. Denn erstens war sie eine große Anhängerin von Gaddafi und Mubarak und zweitens trifft sie ihre Fans einfach lieber persönlich im Altersheim. Aber dennoch kommt sie mir ein bisschen vor, wie eine Steinzeitfrau die den Tag verflucht an dem das Feuer erfunden wurde. Aber die greise Engelke hat uns ein wenig vom eigentlichen Thema weggeführt. Schließlich wollte ich eigentlich gerade von Internetbeziehungen erzählen und warum diese meiner Meinung nach oft tiefer und lebendiger sind als viele Beziehungen im Real Life. Zum einen liegt es natürlich ganz einfach daran, dass das www deutlich größer ist als der doch, selbst bei einem sehr kontaktfreudigen Menschen der sehr viel rumkommt, vergleichsweise eingeschränkten Mikrokosmus des eigenen Umfeldes. Die Chance im weltweiten Netz jemanden kennenzulernen, der die eigenen Interessen, Ansichten und Leidenschaften teilt ist daher naturgemäß deutlich größer. Zum anderen schreibt man, zumindest gilt das für mich, mit jemandem mit dem man sich im Internet via Chat oder Privatnachrichten austaucht deutlich offener, ehrlicher und emotionaler, als man mit ihm von Angesicht zu Angesicht sprechen würde. Vor allem in der Kennenlernphase. Deshalb lernt man Menschen auf diese Weise auch intensiver kennen. So entstehen wirklich tiefe seelische Verbindungen, und aus so einer tiefen seelischen Verbindung kann eben auch echte, wahre Freundschaft oder gar Liebe werden. Ich stelle sogar die These auf, dass die Wahrscheinlichkeit seine wahre Liebe, und ich meine jetzt wahre Liebe im Sinne von Seelenpartner, im Internet kennenzulernen größer ist als im RL. Und zwar weil man bei jemandem mit dem man erst mal nur schreibt, ausschließen kann, dass es sich bei den Gefühlen die man für diesen Menschen entwickelt, um eine rein bio-chemische Reaktion handelt, die ja zum Beispiel sehr stark auf der Wahrnehmung von Gerüchen und Gesten hervorgeht und daher nicht wirklich etwas mit tiefer seelischer Verbundenheit zu tun hat, auch wenn man es selbst in diesem Moment oft glaubt. Aber vielleicht haben diese Internetbenutzer und Offliner gar nicht so sehr das Bedürfnis nach einer tiefen seelischen Verbundenheit wie unser Eins… Warum sollte eine Frau die im wahren Leben Türsteher und Sparkassenangestellte datet im Internet nach einem tiefsinnigen Seelenpartner suchen? Warum sollte ein Typ, der sich in der Disko immer direkt in die größte Schlampe verliebt, auf der Suche nach einer guten Gesprächspartnerin sein? Von daher ist es wohl schon ok so wie es ist. Jedem das Seine. Vielleicht sind unsere virtuellen Lieben und Freundschaften nur Träumereien, aber sie sind mir allemal lieber als deren Realität. Ich wollte in diesem Beitrag eigentlich noch darüber berichten, wie geil Cybersex sein kann und dass viele Frauen dabei versauter und dreckiger abgehen als sie es sich in der Realität jemals wagen würden. So sehr, dass sie selbst einen alten, mit allen Wassern gewaschenen Hurenbock wie mich manchmal, im wahrsten Sinne des Wortes, ganz schön ins Schleudern bringen. Und darüber, dass es bei diesen Frauen beim „Dirty Talk“ dennoch eine Schmale Grenze gibt, die man als Mann nie überschreiten sollte, die meist irgendwo zwischen „geiles Miststück“ und „geile kleine Nutte“ verläuft. Aber das spare ich mir für einen anderen Beitrag auf. Hier würde es an dieser Stelle nur die ganze schöne Romantik kaputt machen…

Übrigens: Die besten Texte aus meinem Gonzo-Blog plus exklusives nie zuvor veröffentlichtes Material gibt es ab dem 8.Mai 2013 überall zum Download. Mehr Infos inklusive Freetracks auf meiner Homepage: brainfucker.de

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02:01 20.10.2012
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Boris T. Kaiser

Der *Brainfucker* aka Gonzo: Freier Autor, Blogger, Satiriker, Gagschreiber, Gonzo-Journalist, Bürgerrechtler, Der schlimmste Hetzer seit Geißler
Boris T. Kaiser

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