bremen36

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RE: Schlag ins Kantor | 27.09.2012 | 00:31

Soweit es die Fakten betrifft: "Buß und Reu" ist eine Alt-Arie der Matthäus-Passion, kein Knaben-Choral. Anders als der spätere Thomaskantor H-J.Rotzsch, der auf Befragen damals unumwunden sagte, er habe in seiner Position natürlich Kontakte zur Stasi haben müssen ( und unter den dann freieren Verhältnissen ab 1990 hat sich wirklich niemand (!) gemeldet, der sich durch ihn verraten/benachteiligt gefühlt hätte! ) und daraufhin sofort aus seinem Amte entfernt wurde - im Falle Ramin war die Kultur des schamhaften Beschweigens in West wie Ost so stark, dass die entscheidenden Fragen einfach nicht gestellt werden sollten. Es kann doch heute jedem klar sein, dass ein so durchgeplanter Gewaltstaat wie das Nazi-Reich auch einem nationalen Symbol-Verein wie den Thomanern nur marginalen Spielraum in ihrer Kultur-Gleichschaltung eingeräumt hat.. Die junge DDR war dann auch daran interessiert, zumindest einige renommierte Kulturträger weiterhin in ihrem Be-Reiche zu haben, und das gab es im Westen mit anderen Vorzeichen ebenso. Anmerkung @a.Kuntz: Kust als solche ist wohl nicht oft politisch, aber sehr oft das Verhalten der Künstler.

RE: Ein Fetisch zum Anklicken | 03.08.2012 | 14:55

Ich finde es sehr gut und wichtig, die oft vernachlässigte Dominanz der wenigen grossen Internet-Konzerne anzusprechen (gehe hier mit Seifert einig); dass sie nämlich 1. nicht das Netz "sind", sondern dessen Profiteure, und 2. der rein technische Aspekt des Netz-Gebrauchs nichts über demokratischere Abläufe sagt. Die Strukturen, die die Einbindung des Netzes in demokratische Abläufe nachvollziehbar und offen ermöglichen, müssen erst noch entwickelt werden; man hört bereits, wie sich die Piraten mit der Abgrenzung von Geheimschutz bzw. Diskretionszonen schwer tun, eben weil der so schlichte Grundsatz allseitiger Offenheit erst einmal nicht funktioniert.

Hier hilft die Aussage "alles so schön liquide hier..." überhaupt nicht weiter, und die Aussage von Meyko, das Netz erlaube nun endlich, journalistisch ungefilterte Nachrichten zu erhalten, ist in meinen Augen etwas naiv: Die Durchkommerzialisierung des Netzes und seine Zensierung in vielen entscheidenden Teilen ( staatlich oder in vorauseilendem Gehorsam zB durch Google China etc. ) schränken das schon mal erheblich ein: Früher war der Nachrichtenmarkt langsamer, man konnte aber zB über LangwellenRadio ganz entfernte Sender hören, man musste ggf. mehr Sprachen als nur Englisch können etc. Wünsche ich mir auch nicht zurück, aber für das wirkliche Interesse fanden sich doch Wege. Ein gravierender Mangel fällt mir immer wieder schwerstens bei dem politischen Arm der LD auf: Wo soll die Reise mit den verbesserten Rückkopplungs-Maschinerien denn hingehen? Nur dafür, dass es besser flutscht, muss doch keiner von den Piraten im Parlament sitzen, bzw. wenn sie es denn im zähen politischen Prozess einigermassen zum Flutschen gebracht haben sollten, wüsste ich doch gern, was dann inhaltlich zu erwarten sein könnte. Dazu wird kein Ton gesagt, der über ein allgemeines Bekenntnis zur fdGO hinausginge; und gar die behauptete Ideologiefreiheit: Das hört man immer nur von ganz bestimmten Gruppierungen, die von ihrer Interessenlage ablenken wollen, in der Regel in konservative zielend (ideologisch sind ja immer die anderen ...).

Im Hinblick auf die ebenfalls kommerziell gelenkte (Massen-)Presse teile ich des Autors Befürchtung, dass wir es in Zukunft häufiger mit kampagnenartigen Entscheidungskämpfen sowohl bei Wahlen wie auch ggf. bei Internet-basierten Abstimmungen zu tun haben werden, für die eine methodische Absicherung gegen populistische Tendenzen zu finden ist. Medien-Milliardäre wie Murdoch und Berlusconi sind keine dumme Fantasie, sondern werden nicht zögern, neue instumente eben als Instrumente ( halt nur in ihrem Interesse ) zu benutzen.

RE: Die neue Kraft | 14.05.2012 | 13:36

Was den medialen Einfluss angeht, stimmt das in meiner Beobachtung sehr wohl, ich bin allerdings eher Leser als TV-Konsument: Man sollte nicht vergessen, in wessen besitzender Hand auch die seriöseren Medien sich befinden; formal unabhängig, schlägt nicht nur in den sowieso offen konservativen Blättern, sondern gerade in der sich nicht so profiliert gebenden Presse das besitzbürgerliche Profil mit seinen Welt-Anschauungen durch.
Genauso markant mit dem Wegschauen sprich Ignoranz gegenüber allem, was da nicht so passt. Ich bin nun kein Freund der Piraten (die müssten für mich erst noch den Beweis antreten, dass es keine neo-bürgerliche Mogelpackung zugunsten von AMerkel ist ...), aber die Berichterstattung über diese Partei war ganz überwiegend gekennzeichnet vom Nachkauen einmal rund gereichter Schlagworte. Und hier trifft es sich mit dem Einfluss auf das FDP-Ergebnis: Lindner als "Kronprinz" war der gängige Eindruck, der einfach durch seine schnittig-schneidige Eloquenz zum Inhalt und Grund einer Wahlentscheidung werden sollte. Hat ja nun geklappt, auch wenn wohl neben den üblichen neoliberalen Opportunisten eine Menge frustrierte CDUWähler dabei waren.