Ahnung oder Befürchtung

"Die oder Wir" Enthauptet. Auf offener Straße. Ein islamistischer Fanatiker ermordet einen französischen Lehrer im Oktober 2020.
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Ein weiterer Fall von absurdem Blutrausch im Namen eines „Ismus“, angeblich als Gebot einer Religion?
Mitten in Europa, im 21. Jahrhundert.
Lediglich Glied einer Kette?
Was lässt mich das befürchten. Welche Ahnungen steigen in mir auf?
Vor mir steht das Bild von „Die oder Wir“. Gewalt und Gewalt als Antwort. Bürgerkrieg?
Und ganz natürlich der Wunsch nach Schutz genau vor diesen Gewalten, gepaart mit der Frage nach den jeweiligen Protagonisten und deren realen Möglichkeiten.

Der ehemalige Propagandaminister des Nazi-Regimes in Deutschland, Joseph Goebbels, ließ einst triumphal verlauten:
„Es wird immer einer der besten Witze der Demokratie bleiben, dass sie ihren Todfeinden die Mittel selbst stellte, durch die sie vernichtet wurde."

So bitter es klingen mag, doch mein Gefühl sagt mir, dass wir uns, und damit meine ich nicht nur Deutschland, wieder genau auf diesem Wege befinden.
Ja, die Demokratie ist ein hohes, überaus schützenswertes Gut. Doch sie muss eben auch geschützt werden. Aktiv und nicht nur reaktiv, sondern wenn es sein muss auch präventiv.
Es reicht nicht, sich im Recht und auf der Seite der westlich demokratischen Grundwerte und Menschenrechte zu wissen. Nein, das reicht nicht. Denn es ist den Verächtern eben dieser Werte völlig gleichgültig, ob sie Menschen mit gutem Gewissen guten Gewissens töten.
Der Mord an dem Lehrer in Paris ist beredtes Beispiel dafür. Er wurde als Mensch, erfüllt vom bürgerlich humanistischen Auftrag, junge Menschen an das Verständnis von Demokratie und der damit verbundenen Meinungs- und Religionsfreiheit heranzuführen, auf bestialische Weise von einem Menschen getötet, welcher das im tiefen Glauben an die Gerechtigkeit seiner Sache, an die Berufung seiner Auftraggeber, verwurzelt in der Auslegung seiner Religion, also mit bestem Gewissen tat.
Und wir stehen da, entsetzt, voller Trauer und müssen erleben, dass nicht nur verwirrte und ebenso religiös fanatisierte Claqueure Beifall bekunden, sondern sich Staatsmänner dazu aufschwingen, diesem ekelhaften Mörder Anerkennung auszusprechen, seine Untat zu rechtfertigen und nebenbei dazu aufrufen, dieses Treiben weltweit im Namen von religiösen Geboten fortzusetzen.
Denn was unterscheidet uns von diesen?
Verinnerlichte Erfahrungen aus Aufklärung, den historischen Ereignissen, welche eben diese Aufklärung notwendig und möglich machten. Ebenso wie die Verantwortung, welche wir aus den Wekltkriegskatastrophen des 20. Jahrhunderts und dem Holocaust zu ziehen hatten und wahrnehmen.
Unsere Schwäche ist, dass wir Radikalisierungen jeder Art zwar erkennen und deren Ursachen sogar klar benennen können, doch erfolgen unsere Reaktionen zum Schutz vor den Auswüchsen und Auswirkungen eben dieser zu selten rechtzeitig und fallen ebenso rar wa(e)hrhaft wirksam aus. Wir kommen zu spät, wenn wir doch die Möglichkeit hätten, rechtzeitig zu agieren. Dieses Agieren ist eng, für manche Entscheidungsträger offensichtlich zu eng und damit für die eigene Person, viel mehr für die Position, gefährlich, mit dem Tragen und Wahrnehmen von Verantwortung verknüpft.
Zurücklehnen, beobachten, dann bewerten, abwerten. Es wird schon nicht so schlimm kommen, ein Einzelfall, schlimmstenfalls eine zufällige, zeitlich nahe Abfolge (Um Himmels Willen keine Serie; Das würde aktives Handeln erzwingen) von Einzelfällen bleiben.
Und so sitzen die demokratisch gewählten Entscheider da, sitzen aus und hoffen, dass es vorbeigehen möge.
Das wird es aber nicht, denn unsere Interessen und die der Radikalen, vor allem der islamistischen Fanatiker sind so grundsätzlich voneinander verschieden, dass sie Kompromisse per se ausschließen, es eben auf das von mir befürchtete „Die oder Wir“ hinausläuft.
Wenn Vertrauen in die Demokratie, ein Grundgesetz und der Glaube an ein Schriftstück und einen Propheten aufeinandertreffen, so befürchte ich, werden wir erleben, dass es nichts nützt, bevor der eigene Kopf abgeschlagen wird, noch das Hohelied der westlichen Werte zu singen, einen Hochruf auf die Menschenrechte auszubringen.
Es ist an der Zeit klarzustellen, wirksam glaubhaft zu machen, dass wir die Missachtung unserer Werte und der damit einhergehenden Kultur nicht dulden. Und um beim jüngsten Pariser Islamistenmord zu bleiben. Unsere Kltur und die ihr immanenten Werte gestatten uns ausdrücklich, ja fordern uns dazu auf, die Freiheit der Meinung zu zelebrieren, zu wahren und zu verteidigen. In dieser, unserer Kultur gehört Religionskritik und damit auch die Kritik an der Kultur, welche mit jedweder Religion verbunden ist, dazu, ist ausdrücklich erwünscht und geschützt. Das schließt den Respekt vor Religion nicht aus. Im Gegenteil. Doch es schließt nicht automatisch die Akzeptanz dessen ein, was im Namen von Religion geschieht oder gefordert wird.
Schließen diese Forderungen sowohl die gewaltsame Bekehrung von Ungläubigen oder gar deren Vernichtung, sowie die Ermutigung dazu, Religionskritik, auch in humoristisch-satirischer Form als Beleidigung und somit als Todesurteil gegen den Verursacher zu werten ein, dann müssen wir uns dagegen verteidigen, diesem Treiben präventiv, aktiv und wehrhaft entgegentreten.
Machen wir uns klar, dass eine der größten Gefahren darin besteh, dass sich Fanatiker im Alleinbesitz der einzigen Wahrheit wähnen und sich beauftragt fühlen, sowohl diese, als auch das damit verbundene Seelenheil über die ganze Welt zu bringen; Mit allen Mitteln, denn der Zweck heiligt diese. Sie kennen keine Grenzen. Weder geographische noch die von uns als hohes Gut festgeschriebenen ethisch-moralischen. Massenmorde wie auf der Promenade von Nizza und die Häufung bestialischer Einzeltaten wie jetzt wieder in Paris sind der Beweis. Die Einschläge mehren sich und kommen immer, immer näher.
(28. Oktober 2020 – Drei Besucher werden in Nizza in einer Kirche durch einen radikalen Islamisten mit dem Messer angegriffen und sterben. Enthauptung inklusive., 02. November 2020 - In Wien schießen vermutlich mehrere islamistische Terroristen um sich, töten und verletzten Unschuldige)
Was wird, was kann jetzt passieren? Wie lange werden z.B. „ungläubige“ Franzosen noch zuschauen? Wie groß ist noch das Vertrauen in die Macht des Staates, diesem religiös verbrämten Terrorismus ein Ende zu setzen oder gar die Hoffnung darauf, dass Moslems Moslems, denn als solche bezeichnen sich eben auch islamistische Terroristen und Mörder, in den Griff kriegen?
Besteht nicht die Gefahr einer gewaltsamen Überreaktion durch ebenfalls, nur anders radikal ausgerichtete Kräfte auf dieses Morden? Wann wird das uralte Motto „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ aus der historischen Mottenkiste geholt und als Rechtfertigung für Rachefeldzüge missbraucht?
Und wer will die Feldzügler dann aufhalten, wenn sich herausstellt, dass ein nicht zu unterschätzender Teil der Bevölkerung Sympathie für die „Rächer“ zeigt und bekundet, diese gar aktiv unterstützt, schlimmstenfalls ihnen durch demokratische Wahlen zur Macht verhilft?
Wird der Staat nicht gezwungen sein, sein Gewaltmonopol ausgerechnet gegen diese durchzusetzen? Welche Ironie! Ja, aber doch nur dann, wenn er es versäumt, und momentan sieht es ja ganz danach aus, dieses, sein Monopol, wirksam gegenüber ideologisch und, oder religiös verblendeten Fanatikern wirksam einzusetzen. Darauf wartet der größte Teil der Menschen in den europäischen, demokratischen Gemeinwesen.
Wobei, warten ist wohl für die Gesamtheit nicht zutreffend. Abwarten trifft es da schon besser.
Sich zurücklehnen und abwarten. Doch worauf. Nun, darauf, dass andere aktiv werden, die Straße fegen, die Banlieus kärchern, die Parallelgesellschaften zertrümmern. Die deutsche Geschichte und nicht nur die deutsche beweist, dass damit den radikalsten aller Kräfte in der Gesellschaft der Zulauf garantiert, der Gewalt Tür und Tor geöffnet wird. Egal wer säubert, Hauptsache, es wird so richtig durchgewischt! Wut als Treiber. Blinde Wut bis zur Raserei als Antwort auf eben dasselbe.
Der Massenmord in einer Moschee im neuseeländischen Christchurch beweist, was auch möglich ist und m.E. hier in Europa drohen könnte. Oder glaubt wirklich jemand an eine gesamtgesellschaftliche Besonnenheit? Nimm die Angst von Davongekommenen, gepaart mit der ohnmächtigen Wut von Betroffenen und würze mit dem Gefühl, dass der Staat nicht hilft und schon ist ein hochbrisantes Gebräu im Kessel, dessen Druck absehbar steigt und die zu erwartende Wirkung auslösen wird. Es sei denn, der Staat zeigt sich endlich als das, was er zu sein bisher nur noch vorgibt, nämlich der Vertreter des eigentlichen Souveräns, des Volkes. Volk definiert als der Teil der Bevölkerung, der die bestehenden Gesetze achtet und damit ausdrücklichen Respekt vor der Kultur bezeugt, welche diesen Staat und seine Gesetze hervorbrachte.
Wer diese Bereitschaft zu Respekt und Einhaltung nicht zeigt muss damit rechnen, und ich schreibe ausdrücklich muss, zumindest zur Einhaltung der Gesetze gezwungen zu werden.
Wem das zuwider ist, dem bleibt es unbenommen, den Wirkungsbereich dieser ungeliebten, verachteten Gesetze, Regeln und auch kulturellen Normen zu verlassen, respektive gar nicht erst hierher zu kommen. Niemand zwingt zum Kommen, keiner zum Bleiben. Ganz im Gegenteil.
Es ist doch naiv zu glauben, dass sich, eine im Wesentlichen durch religiöse Vorschriften wie den Koran und seine Auslegungen bestimmte Lebenshaltung und somit praktizierte Lebensweise wirklich mit unserer westlichen Kultur und unserer Art zu leben vereinbaren lässt. Nicht hier, nicht in Frankreich, nicht in Europa. Und zwar solange, wie es uns nicht gelingt, Religion grundsätzlich zur Privatsache zu deklarieren, also die Trennung von Staat und Religion strikt durchzusetzen. Ein Einfluss auf die Gesetzgebung ist konsequent zu verwehren.
Sich vor der im Alltag immer offensiveren, ja demonstrativen Anspruchshaltung von Vertretern der moslemischen Gemeinden zu beugen, und die Schule bietet da aktuelle und massenhafte Beispiele, ist ein Fehler, welcher sich, einmal geduldet und damit zur Wiederholung geradezu auffordernd, bitter rächen wird. Wenn Ausnahmen zur Regel werden, sind es halt Regeln und werden zum Allgemeingut erklärt. Selbst dann, wenn es die Mehrheit der Menschen weder will noch akzeptiert. Steter Tropfen höhlt den Stein.
Der Begriff der schleichenden, sich auf den Koran und dessen radikal fundamentalistischer Auslegung berufenden Islamisierung in sich nahezu ungehindert ausbreitenden Parallelgesellschaften ist für mich kein rechter Kampfbegriff. Nein, er ist an vielen Orten in unserem Land, wie auch in Frankreich, bedrohliche Realität.
Und nicht nur das. Was in diesem Zusammenhang deutlich wird ist, dass die viel beschriebene Integration als Einbahnstraße scheitert, scheitern muss.
Wir können uns überschlagen mit Angeboten, uns mit schlechtem Gewissen plagen und mit Selbstvorwürfen kasteien, wenn es, zumindest bei bestimmten Migrantengruppen, nicht klappen will. Sie müssen wollen. Nicht nur wir. Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft kann immer nur einer anbieten und einer ausschlagen oder annehmen. Wann sprechen wir das endlich aus und fordern die Annahme als Bedingung für das Hierbleiben ein. Vor den lebensbedrohlichen Auswüchsen auch einer Religion und der damit einhergehenden Kultur zu fliehen ist eine Sache. Dann jedoch nicht zur Kenntnis nehmen wollen, dass man sich in einen anderen Kulturkreis und damit in den Geltungs- und Wirkungsbereich anderer Werte, Regeln und Gesetze begibt, ist einfach nur blauäugig. Gleichzeitig die Forderung zu erheben, dass die aufnehmende Gesellschaft ihr fremde Regeln widerspruchslos annimmt und lebt, ist unverschämt und dreist.
Wehren wir uns dagegen, derartig in eine so nicht existierende Pflicht genommen zu werden. Leben wir die unserer Kultur innewohnende Humanität, doch ohne uns durch grundlos schlechtes Gewissen erpressen zu lassen. Bleiben wir standhaft, erhobenen Hauptes unseren Werten verpflichtet.
Und die beinhalten ein klares „Die und Wir“.

15:06 03.11.2020
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Brennabor2013

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